Werkstattleistungen
Was hinter den gängigen Arbeiten wirklich steckt: was dazugehört, woran du merkst, dass es fällig ist, und was du vor dem Termin fragen solltest.
Inspektion und Service
Die Inspektion ist der Termin, bei dem ein Fahrzeug nicht repariert, sondern geprüft wird. Welche Arbeiten dazugehören, gibt der Hersteller vor — je nach Marke nach Kilometern, nach Zeit oder nach einer Anzeige im Bordcomputer, die den Fahrstil einrechnet. Ein lückenloses Serviceheft ist beim späteren Verkauf einer der wenigen Belege, die ein Käufer wirklich prüfen kann.
Ölwechsel
Der Ölwechsel ist die einfachste Arbeit am Motor und die, bei der am meisten schiefgehen kann — nicht handwerklich, sondern bei der Wahl des Öls. Jeder Hersteller gibt eine Freigabe vor, und die ist keine Empfehlung: Ein Öl mit zu hohem Aschegehalt setzt den Dieselpartikelfilter zu, ein zu dünnflüssiges bringt bei hoher Last keinen Schmierfilm mehr zustande.
Bremsenservice
An der Bremse verschleisst nicht nur, was man sieht. Beläge und Scheiben werden dünner, das merkt man — die Bremsflüssigkeit dagegen zieht über die Jahre Wasser aus der Luft, und mit jedem Prozent sinkt ihr Siedepunkt. Bei einer langen Bergabfahrt kann sie dann im Kreislauf Dampfblasen bilden, und das Pedal geht ins Leere. Deshalb schreiben praktisch alle Hersteller den Wechsel alle zwei Jahre vor, unabhängig von der Fahrleistung.
Reifen und Räder
Der Reifen ist die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Strasse, und die Fläche ist ungefähr so gross wie vier Handflächen. In der EU liegt die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei 1,6 Millimetern — für den Winter empfehlen Fachleute deutlich mehr, weil ein Winterreifen seine Eigenschaften vor allem über die Lamellen im Profil holt.
Klimaservice
Eine Klimaanlage verliert auch ohne Defekt über die Jahre Kältemittel — die Anlage ist nicht hermetisch, und die Dichtungen arbeiten mit. Wird zu wenig nachgefüllt, läuft der Kompressor mit zu wenig Öl, denn das Öl zirkuliert im Kältemittel mit. Der Kompressor ist das teuerste Teil der Anlage, und er geht an Kältemittelmangel kaputt, nicht an Benutzung.
Zahnriemen
Der Zahnriemen hält Kurbelwelle und Nockenwelle im Takt. Reisst er, treffen bei den meisten Motoren die Ventile auf die Kolben, und der Motorschaden ist da — an einem Bauteil, das planmässig gewechselt wird und dessen Wechsel ein Bruchteil des Schadens kostet. Das Intervall gibt der Hersteller je Motor vor, in Kilometern und in Jahren; die Jahresgrenze gilt auch bei niedriger Laufleistung, weil der Riemen mit der Zeit spröde wird.
Steuerkette
Eine Steuerkette gilt als wartungsfrei, und meistens stimmt das auch. Sie längt sich aber über die Laufzeit, und der Kettenspanner gleicht das nur bis zu einem Punkt aus. Danach verstellen sich die Steuerzeiten, der Motor läuft unrund, und im Fehlerspeicher steht eine Abweichung zwischen Nockenwellen- und Kurbelwellensignal — der eigentliche Beleg, denn ein Geräusch allein ist noch keine Diagnose.
Kupplung
Die Kupplung ist ein Verschleissteil, aber wie schnell sie verschleisst, hängt fast vollständig am Fahrstil — Anfahren am Berg, Anhängerbetrieb und langes Schleifenlassen kosten mehr Belag als hohe Kilometerleistung. Ein festes Intervall gibt es deshalb nicht. Weil zum Wechsel das Getriebe heraus muss, wird meist gleich mit erneuert, was sonst kurz darauf denselben Ausbau verlangt.
Getriebeservice
Viele Hersteller haben das Automatikgetriebe jahrelang als Lebensdauerfüllung geführt — gemeint war die Lebensdauer, die der Hersteller einplant, nicht die, die das Getriebe erreichen könnte. Getriebeöl altert unter Wärme und Scherkräften, und die Kupplungspakete tragen sich ab; die Partikel bleiben im Öl. Ein Wechsel zum richtigen Zeitpunkt ist deutlich günstiger als eine Instandsetzung.
Fehlerdiagnose
Ein Fehlercode ist kein Befund, sondern ein Hinweis. "Lambdasonde Signal unplausibel" heisst nicht, dass die Sonde defekt ist — es heisst, dass das Steuergerät ein Signal bekommt, das nicht zu den übrigen passt. Die Ursache kann ein Falschluftleck sein, ein Kabelbruch oder tatsächlich die Sonde. Wer nur ausliest und tauscht, tauscht oft zweimal.
Elektro- und Hybridservice
Ein Elektrofahrzeug braucht weniger Wartung als ein Verbrenner — kein Öl, keine Zündkerzen, kaum Bremsenverschleiss, weil der Motor beim Verzögern mitbremst. Dafür kommt anderes hinzu: Der Zustand der Antriebsbatterie ist der grösste Wertfaktor überhaupt, und Arbeiten am Hochvoltsystem darf nur ausführen, wer dafür qualifiziert ist.
Batterie und Starter
Die Starterbatterie ist das Bauteil, das am häufigsten liegen bleibt, und fast immer an einem kalten Morgen. Bei Fahrzeugen mit Start-Stopp ist sie zudem kein einfaches Verbrauchsteil mehr: Dort arbeiten AGM- oder EFB-Batterien, und viele Fahrzeuge müssen nach dem Wechsel die neue Batterie im Energiemanagement angemeldet bekommen. Ohne diese Anmeldung wird sie falsch geladen und hält deutlich kürzer.
Auspuff und Abgasanlage
Die Abgasanlage ist mehr als ein Rohr: Katalysator, Lambdasonden und beim Diesel der Partikelfilter sind Teil der Motorsteuerung, und ein Fehler dort schlägt sofort auf Verbrauch und Leistung durch. Der Partikelfilter brennt sich im Betrieb selbst frei, aber nur, wenn er dabei heiss genug wird — im reinen Kurzstreckenbetrieb passiert das nicht, und dann setzt er sich mit der Zeit zu.
Achsvermessung
Eine falsch eingestellte Achse kostet keinen Komfort, sondern Reifen: Schon eine geringe Abweichung in der Spur schleift die Schulter eines Reifens innerhalb weniger tausend Kilometer ab. Die Vermessung selbst ist schnell gemacht — was sie sichtbar macht, sind oft ausgeschlagene Lager und Gelenke, die vorher niemandem aufgefallen sind.
Karosserie und Unfallschaden
Bei einem Blechschaden geht es um zwei verschiedene Fragen: was man sieht, und was tragend ist. Eine Delle in der Tür ist Kosmetik; ein verzogener Längsträger ist ein Sicherheitsthema, weil die Knautschzone dann im nächsten Fall nicht mehr so arbeitet wie berechnet. Nur eine Messung auf der Richtbank sagt, welcher Fall vorliegt.
Lackierung
Der schwierige Teil einer Lackierung ist nicht das Lackieren, sondern das Treffen des Farbtons. Der Farbcode steht im Fahrzeug — je nach Marke im Türrahmen, unter der Haube oder im Kofferraum —, aber der Lack am Fahrzeug ist nach Jahren in der Sonne nicht mehr genau dieser Farbton. Deshalb wird in die angrenzenden Flächen ausgeblendet, statt eine Kante zu setzen.
Scheiben und Verglasung
Ein Steinschlag in der Frontscheibe lässt sich reparieren, solange er klein ist, nicht im Sichtfeld liegt und noch kein Riss von ihm ausgeht. Reissen tut er meist nicht beim Fahren, sondern bei Temperatursprüngen — Frost über Nacht, Heizung am Morgen. Wer den Termin drei Wochen schiebt, wechselt am Ende die Scheibe statt sie zu reparieren.
Periodische Prüfung
Jedes zugelassene Fahrzeug muss in regelmässigen Abständen vorgeführt werden — nur heisst die Prüfung in jedem Land anders, und die Fristen sind es auch. Geprüft wird überall im Kern dasselbe: Bremsen, Lenkung, Fahrwerk, Beleuchtung, Bereifung, Abgas und die Karosserie auf tragende Korrosion. Die meisten Beanstandungen betreffen Beleuchtung und Bremsen, und beides lässt sich vorher prüfen.