Kosten
Was ein Kilometer wirklich kostet
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Monatskosten beantworten die Frage, ob man sich ein Auto leisten kann. Kilometerkosten beantworten die Frage, ob sich eine bestimmte Fahrt, ein zweites Fahrzeug oder ein Wechsel lohnt — und dafür braucht man zwei verschiedene Zahlen.
Warum der Kilometer die brauchbarere Einheit ist
Ein Monatsbetrag lässt sich mit nichts vergleichen. Er beantwortet, ob das Fahrzeug ins Budget passt, und dort hört er auf. Jede weitere Frage — Zug oder Auto, ein Fahrzeug oder zwei, der weitere Arbeitsweg für die günstigere Wohnung — ist eine Frage über Strecken, und Strecken rechnet man in Kilometern.
Der zweite Grund ist, dass die Einheit die Alternativen sichtbar macht. Ein Bahnbillett, eine Mietwagenstunde, ein Carsharing-Tarif und ein Kilometergeld sind alle auf Strecke oder Zeit bezogen. Wer seinen eigenen Kilometerwert kennt, kann sie nebeneinanderlegen, statt Gefühl gegen Gefühl zu stellen.
Und der dritte: Die Zahl verhält sich anders, als man erwartet. Sie ist keine Eigenschaft des Fahrzeugs, sondern eine Eigenschaft des Fahrzeugs samt seiner Nutzung. Dasselbe Auto kostet bei doppelter Jahresfahrleistung pro Kilometer deutlich weniger — nicht ein bisschen weniger, sondern in einer anderen Grössenordnung, wenn die Fahrleistung klein war.
Zwei Spalten: fest und veränderlich
Die ganze Rechnung hängt an einer einzigen Unterscheidung: Welche Kosten fallen an, weil das Fahrzeug existiert, und welche fallen an, weil es fährt? Die erste Gruppe ändert sich nicht, wenn du eine Fahrt mehr oder weniger machst. Die zweite schon.
Die Zuordnung ist nicht in jedem Fall eindeutig, und wo sie es nicht ist, hilft eine einfache Probe: Was würde dieser Posten kosten, wenn das Fahrzeug ein Jahr lang stünde? Die Versicherung liefe weiter, die Steuer auch, der Stellplatz ebenso. Treibstoff nicht, Reifen kaum, Bremsen fast nicht. Der Service liegt dazwischen, weil er meist nach Zeit oder Strecke fällig wird, je nachdem, was zuerst eintritt.
- Fest: Versicherung, Fahrzeugsteuer, Stellplatz, Vignetten und Gebühren, die an der Zulassung hängen.
- Fest: der Teil des Wertverlusts, der mit dem Alter kommt und nicht mit der Strecke.
- Veränderlich: Treibstoff oder Strom, Reifenverschleiss, Bremsen, Öl, Betriebsstoffe.
- Veränderlich: Maut, Parkgebühren unterwegs und alles, was nur auf einer Fahrt anfällt.
- Gemischt: Service nach Zeit oder Strecke, und der Teil des Wertverlusts, der an der Laufleistung hängt.
Der Durchschnittskilometer und seine Kurve
Der Durchschnittswert ist die einfachste Zahl: alle Kosten eines Jahres, geteilt durch die in diesem Jahr gefahrenen Kilometer. Fixe Kosten plus veränderliche Kosten, geteilt durch die Strecke. Sie beantwortet die Frage, was dich das Autofahren insgesamt kostet, umgerechnet auf eine Einheit, mit der man weiterrechnen kann.
Ihre Form ist eine Hyperbel, und das ist der interessante Teil. Weil die fixen Kosten im Zähler konstant bleiben und die Kilometer im Nenner wachsen, fällt der Wert steil, solange die Fahrleistung klein ist, und flacht dann ab. Bei sehr wenigen Kilometern im Jahr dominieren die fixen Kosten so stark, dass der einzelne Kilometer absurd teuer wird — und genau das ist die Rechnung, die ein selten genutzter Zweitwagen aufmacht.
Daraus folgt eine Faustregel, die sich rechnen lässt statt geglaubt werden zu müssen: Unterhalb einer bestimmten Jahresfahrleistung ist jedes eigene Fahrzeug teurer als jede Form der Miete, ganz gleich wie günstig es in der Anschaffung war. Wo diese Schwelle liegt, hängt allein an der Höhe deiner fixen Kosten — und die kennst du.
Der Grenzkilometer, der die zweite Frage beantwortet
Neben dem Durchschnitt steht eine zweite Zahl, die fast nie gerechnet wird: die Kosten des nächsten Kilometers. In sie gehen nur die veränderlichen Posten ein, denn die fixen fallen ohnehin an. Diese Zahl ist deutlich kleiner als der Durchschnitt, und der Unterschied ist umso grösser, je weniger man fährt.
Die beiden Zahlen beantworten verschiedene Fragen, und sie zu verwechseln führt regelmässig zu falschen Entscheidungen. Der Durchschnitt beantwortet: Soll ich dieses Fahrzeug überhaupt halten? Der Grenzwert beantwortet: Soll ich diese Fahrt mit dem Auto machen, das ohnehin vor der Tür steht? Wer eine Wochenendfahrt mit dem Durchschnittswert rechnet, hält das Auto für teurer, als die Fahrt es macht.
Umgekehrt gilt derselbe Fehler in die andere Richtung. Wer über ein zweites Fahrzeug nachdenkt und dabei mit Grenzkosten rechnet, unterschätzt die Entscheidung erheblich — ein zusätzliches Auto bringt einen vollständigen neuen Satz fixer Kosten mit, und die fallen an, bevor der erste Kilometer gefahren ist.
Der Wertverlust lässt sich aufteilen
Der grösste Posten in beiden Spalten ist der Wertverlust, und er gehört in beide. Ein Teil davon kommt mit dem Kalender: Ein Fahrzeug, das ein Jahr lang unbewegt steht, ist danach weniger wert als vorher. Ein anderer Teil kommt mit dem Zähler: Zwei identische Fahrzeuge desselben Jahrgangs mit sehr verschiedenen Laufleistungen erzielen verschiedene Preise.
Die Aufteilung lässt sich aus dem Markt ablesen, ohne Theorie. Man sucht dasselbe Modell im selben Jahrgang und vergleicht die Preise über verschiedene Laufleistungen — das ergibt den kilometerabhängigen Teil. Danach vergleicht man dieselbe Laufleistung über verschiedene Jahrgänge — das ergibt den altersabhängigen. Beide Suchen dauern zusammen eine halbe Stunde.
Das Ergebnis erklärt eine häufige Beobachtung: Bei einem jungen, teuren Fahrzeug ist der altersabhängige Wertverlust so gross, dass er den ganzen Rest überdeckt — Treibstoff und Service fallen daneben kaum ins Gewicht. Bei einem älteren, günstig gekauften Fahrzeug ist er fast verschwunden, und dann bestimmen Verbrauch, Reifen und Reparaturen die Rechnung. Dieselbe Frage, zwei völlig verschiedene Antworten.
Wie du deine eigene Zahl ermittelst
Die eigene Zahl ist mehr wert als jede Tabelle, weil sie dein Fahrzeug, deine Strecken und deine Preise enthält. Sie zu ermitteln braucht keine Software, sondern einen Ordner und zwei Kilometerstände: einen am Anfang des Zeitraums und einen am Ende.
Wer nicht ein Jahr warten will, rechnet rückwärts. Die Belege der letzten zwölf Monate liegen bereits vor: Versicherungspolice, Steuerrechnung, Tankquittungen oder Ladeabrechnungen, Werkstattrechnungen, Reifenkauf. Der Kilometerstand von vor einem Jahr steht auf dem letzten Serviceprotokoll oder im Prüfbericht. Damit ist die Rechnung in einer Stunde fertig.
Zwei Korrekturen machen das Ergebnis ehrlich. Erstens: Grössere Arbeiten, die mehrere Jahre halten — ein Reifensatz, eine Kupplung, eine Batterie — werden auf ihre Lebensdauer verteilt und nicht dem Jahr angelastet, in dem die Rechnung kam. Zweitens: Der Wertverlust gehört dazu, auch wenn er nie als Rechnung erscheint. Ohne ihn fehlt in den meisten Fällen der grösste Posten.
Welche Entscheidungen die Zahl trägt
Sobald die beiden Werte vorliegen, lassen sich Fragen beantworten, die vorher Geschmackssache waren. Die Rechnung ist immer dieselbe: Was ändert sich an den fixen Kosten, was ändert sich an den veränderlichen, und wie viele Kilometer braucht es, bis sich der Unterschied ausgleicht?
Am deutlichsten wird das beim Wechsel auf ein sparsameres Fahrzeug. Der Vorteil liegt bei den veränderlichen Kosten und fällt je Kilometer an; der Nachteil liegt im Kaufpreis und fällt einmal an. Die Division der beiden ergibt die Zahl der Kilometer, ab der sich der Wechsel rechnet — und bei kleiner Jahresfahrleistung liegt diese Zahl oft jenseits der geplanten Haltedauer.
- Zweitwagen oder nicht: ein ganzer Satz fixer Kosten gegen die Kilometer, die er tatsächlich übernimmt.
- Weiter weg wohnen: die zusätzlichen Kilometer zum Grenzwert gegen die Differenz bei der Miete.
- Auto oder Bahn für eine konkrete Strecke: Grenzkosten gegen Billettpreis, nicht Durchschnitt gegen Billettpreis.
- Mitfahrende: Der Grenzwert wird geteilt, der Durchschnitt nicht — deshalb ändert die Besetzung alles.
- Fahrzeugwechsel: Preisdifferenz geteilt durch Ersparnis je Kilometer ergibt die Kilometer bis zum Ausgleich.
Wo die Zahl in die Irre führt
Jede Kennzahl hat eine Kante, und diese hat drei. Die erste ist der verschobene Unterhalt: Ein Jahr ohne Werkstattrechnung ist kein günstiges Jahr, sondern oft ein aufgeschobenes. Wer die Rücklage für die nächste grössere Arbeit nicht mitrechnet, erhält eine Zahl, die genau bis zur nächsten Rechnung stimmt.
Die zweite ist der Stillstand. Fixe Kosten laufen auch in Monaten, in denen das Fahrzeug kaum bewegt wird — nach einem Umzug, während einer Krankheit, über einen langen Winter. Wer den Durchschnitt aus einem untypischen Jahr bildet, rechnet mit einem Wert, der so nie wieder eintritt. Zwei oder drei Jahre nebeneinander sind aussagekräftiger als eines.
Die dritte ist die Genauigkeit selbst. Eine Kilometerzahl auf zwei Nachkommastellen suggeriert eine Präzision, die die Eingangsdaten nicht hergeben — der Wertverlust ist eine Schätzung, der künftige Treibstoffpreis ebenso. Nützlich ist die Grössenordnung, nicht die Stelle dahinter. Für jede Entscheidung, die dieser Beitrag beschreibt, reicht sie vollkommen aus.
Die Zahl, bevor du kaufst
Am meisten wert ist die Rechnung vor dem Kauf, weil dort noch alle Posten verhandelbar sind. Für ein Fahrzeug, das du in Erwägung ziehst, lassen sich alle Eingaben beschaffen: Verbrauch aus Erfahrungswerten, Versicherung über eine unverbindliche Offerte, Serviceintervalle und Preise über eine Werkstatt, Reifengrösse über die Papiere und der erwartete Wertverlust über den Preisvergleich desselben Modells in älteren Jahrgängen.
Diese Vorarbeit trennt zuverlässig zwei Fahrzeuge, die im Inserat gleich teuer aussehen. Zwei Wagen mit demselben Preis können sich über fünf Jahre um einen Betrag unterscheiden, der in der Grössenordnung eines weiteren Fahrzeugs liegt — und der Unterschied entsteht nicht beim Kauf, sondern in den Spalten, die dieser Beitrag beschreibt.
Carvexia zeigt Inserate und Preise über die europäischen Märkte hinweg; die Rechnung machst du selbst, mit deinen Kilometern und deinen Tarifen. Versicherung, Werkstattpreise und Finanzierung vereinbarst du mit den jeweiligen Anbietern, und massgeblich ist, was in deren Offerten steht.