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Kosten

Autoversicherung: welche Angaben die Prämie bewegen

10 Min. Lesezeit

Zwei Personen versichern dasselbe Fahrzeug beim selben Versicherer und zahlen deutlich Verschiedenes. Der Grund steht nicht im Tarif, sondern in den Angaben, die vor der Offerte gemacht werden.

Drei Deckungen, drei verschiedene Fragen

Die Haftpflicht deckt den Schaden, den du anderen zufügst — an ihrem Fahrzeug, an ihrem Eigentum, an ihrer Gesundheit. Sie ist überall Pflicht, weil ihr Zweck nicht dein Schutz ist, sondern der des Geschädigten. Die Frage, die hier entschieden wird, ist allein die Höhe der Deckungssumme.

Die Teilkasko deckt Schäden am eigenen Fahrzeug, die ohne Kollision und ohne dein Zutun entstehen: Diebstahl, Brand, Glasbruch, Sturm, Hagel, Marderbiss, Zusammenstoss mit Tieren. Sie ist die vergleichsweise günstige Deckung, weil ihre Schadenursachen selten und in ihrer Höhe begrenzt sind.

Die Vollkasko nimmt dazu, was du selbst verursachst, und Vandalismus. In der Schweiz heisst dieser Zusatz Kollisionskasko, in Deutschland ist er Teil der Vollkasko; gemeint ist dasselbe. Sie ist der teuerste Baustein, weil selbst verursachte Kollisionen die mit Abstand häufigste Schadenart sind.

Wie eine Prämie zustande kommt

Eine Prämie ist der Preis für einen erwarteten Schaden. Der Versicherer schätzt, was ein Risiko wie deines im Jahr im Mittel kostet, und schlägt Verwaltungskosten, Rückversicherung und Marge darauf. Alles, was du in einen Antrag einträgst, dient einem einzigen Zweck: diese Schätzung zu schärfen.

Der erwartete Schaden hat zwei Faktoren: wie oft etwas passiert und wie teuer es dann ist. Jedes Tarifmerkmal wirkt auf einen der beiden. Fahrerfahrung, Wohnort und Fahrleistung erklären vor allem die Häufigkeit; Fahrzeugwert, Reparaturkosten und Ersatzteilpreise erklären vor allem die Höhe. Ein Merkmal bewegt die Prämie genau in dem Mass, in dem es einen der beiden Faktoren erklärt.

Rechnerisch entsteht die Prämie als Produkt, nicht als Summe: eine Grundprämie wird mit Faktoren multipliziert, danach kommt die Bonusstufe, danach kommen Zu- und Abschläge für Bausteine und Zahlungsweise. Deshalb wirkt ein einzelnes ungünstiges Merkmal nicht additiv, sondern hebelt alle anderen mit — und deshalb lohnt es sich, die Merkmale einzeln durchzugehen statt nur den Endbetrag zu vergleichen.

Was am Fahrzeug hängt

Die Merkmale des Fahrzeugs bestimmen vor allem die Schadenhöhe, und sie sind die einzigen, die du vor dem Kauf noch frei wählen kannst. Deutschland fasst sie in Typklassen, getrennt nach Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko; die Schweiz arbeitet mit dem Typencode des Fahrzeugs und eigenen Fahrzeugkategorien. Das Ordnungssystem unterscheidet sich, der Gedanke nicht: Was ein Modell in der Vergangenheit statistisch gekostet hat, prägt seinen Tarif.

Daraus folgt eine Beobachtung, die viele Käufer überrascht: Zwei äusserlich ähnliche Fahrzeuge können weit auseinanderliegen. Ausschlaggebend sind nicht Grösse und Form, sondern Leistung, der Preis der Ersatzteile, der Aufwand einer Reparatur nach einem Frontschaden und die Frage, wie häufig das Modell gestohlen wird.

  • Motorleistung und Beschleunigung — sie erklären Häufigkeit und Höhe zugleich.
  • Neuwert beziehungsweise Katalogpreis, denn er ist die Obergrenze dessen, was die Kasko je zahlen muss.
  • Ersatzteilpreise und Reparaturaufwand, einschliesslich verbauter Sensorik in Stossfängern und Scheiben.
  • Diebstahlhäufigkeit des Modells und die Frage, ob ein Ortungssystem verlangt wird.
  • Alter des Fahrzeugs, weil mit ihm der Wiederbeschaffungswert sinkt, den die Kasko im Totalschaden ersetzt.
  • Umbauten und Sonderausstattung, die nur gedeckt sind, wenn sie im Antrag stehen.

Was an dir und am Gebrauch hängt

Die zweite Gruppe von Merkmalen beschreibt nicht das Fahrzeug, sondern seinen Einsatz. Sie erklärt die Häufigkeit, und sie enthält die Angaben, an denen sich nachträglich am meisten bewegen lässt — weil manche davon mit dem Leben wechseln und nicht automatisch nachgeführt werden.

Jede dieser Angaben ist zugleich eine Obliegenheit. Wer den Nutzerkreis, die Fahrleistung oder den Abstellort dauerhaft ändert, ohne es zu melden, spart im laufenden Jahr wenig und riskiert im Schadenfall eine Kürzung. Der ehrliche Antrag ist hier nicht nur die saubere, sondern auch die rechnerisch bessere Variante.

  • Alter und Fahrpraxis der regelmässigen Lenker, und ob jemand den Führerausweis auf Probe hat.
  • Der Wohnort. Deutschland fasst ihn in Regionalklassen, die Schweiz arbeitet mit Wohnort und Kanton.
  • Die jährliche Fahrleistung, meist in Stufen. Sie ist die Angabe, die am häufigsten veraltet.
  • Der Abstellplatz nachts: Garage, abgeschlossener Hof oder Strassenrand.
  • Der Nutzerkreis. Eine Police nur für den Halter ist günstiger als eine, die jeden Fahrer einschliesst.
  • Ob das Fahrzeug beruflich genutzt wird und ob damit Güter oder Personen befördert werden.

Der Bonus und wie er sich bewegt

Der stärkste einzelne Faktor in der Rechnung ist die Schadenfreiheit. Die Schweiz führt sie als Bonus-Malus-Stufe, Deutschland als Schadenfreiheitsklasse. In beiden Systemen gilt dieselbe Bewegung: Jedes Jahr ohne gemeldeten Schaden rückt eine Stufe nach unten, jeder gemeldete Schaden mehrere Stufen nach oben. Die Erholung dauert länger als der Rückfall, und genau darin liegt ihre Wirkung.

Daraus folgt eine Rechnung, die vor jeder Schadenmeldung lohnt. Ein kleiner Schaden bringt heute eine Auszahlung und kostet über die folgenden Jahre eine höhere Prämie. Liegt der Schaden nur wenig über dem Selbstbehalt, ist die Meldung oft das teurere Geschäft. Viele Versicherer erlauben ausserdem, einen bereits regulierten Kleinschaden nachträglich selbst zu übernehmen und die Stufe zu erhalten; ob und bis wann, steht in den Bedingungen.

Die Stufe hängt an der Person, nicht am Fahrzeug. Beim Wechsel des Autos wandert sie mit, beim Wechsel des Versicherers wird sie über eine Bestätigung des Vorversicherers übertragen. Sie lässt sich in gewissen Grenzen auch innerhalb der Familie weitergeben — an ein Kind oder an den Partner, wenn dort ein neuer Vertrag beginnt. Die Bedingungen dafür unterscheiden sich je Gesellschaft und lohnen die Frage vor dem Abschluss.

Die Bausteine, die den Preis drehen

Neben den Tarifmerkmalen steht eine Liste von Zusätzen, die sich einzeln an- und abwählen lassen. Sie ist der Teil der Police, den man tatsächlich gestaltet — und der Teil, in dem sich Doppelungen verstecken.

Die häufigste stille Ausgabe ist eine Leistung, die man zweimal bezahlt: Pannenhilfe aus der Police, aus der Mitgliedschaft in einem Automobilclub und aus der Mobilitätsgarantie des Herstellers; Rechtsschutz aus der Autopolice und aus einer allgemeinen Rechtsschutzversicherung; ein Schutzbrief neben einer Kreditkartenleistung. Eine Stunde mit allen Policen auf dem Tisch findet solche Doppelungen zuverlässiger als jeder Vergleichsrechner.

  • Der Selbstbehalt, getrennt für Teil- und Vollkasko. Der wirksamste Hebel auf der ganzen Liste.
  • Grobe Fahrlässigkeit: ob der Versicherer auf die Kürzung verzichtet. Der Unterschied zeigt sich erst im Schadenfall.
  • Kaufpreis- oder Neupreisentschädigung für die ersten Jahre, statt Ersatz nach Zeitwert.
  • Werkstattbindung: günstigere Prämie gegen die Wahl der Werkstatt durch den Versicherer.
  • Bonus- oder Rabattschutz, der einen Schaden im Jahr ohne Rückstufung erlaubt.
  • Deckung für Ladeinfrastruktur, Ladekabel und Akku bei Elektrofahrzeugen — nicht in jeder Police enthalten.

Wechseln: Anlass, Frist, Reihenfolge

Ein Wechsel lohnt sich selten, weil ein Anbieter grundsätzlich günstiger wäre, sondern weil sich etwas an deinem Risiko geändert hat: ein anderes Fahrzeug, ein Umzug, weniger Kilometer, ein Kind mit eigenem Führerausweis, eine erreichte Bonusstufe. Wer beim Anlass prüft statt jedes Jahr pauschal, spart Zeit und findet mehr.

Die Fristen stehen in der Police und nicht im Gesetz allein. Beide Länder kennen die ordentliche Kündigung auf das Ende der Vertragsperiode mit einer vertraglich festgelegten Frist, dazu ein ausserordentliches Kündigungsrecht nach einer Prämienerhöhung und nach einem regulierten Schaden. Der Halterwechsel beendet den Vertrag ohnehin, und beim Kauf eines anderen Fahrzeugs wird die Police in der Regel übertragen statt neu abgeschlossen.

Praktisch gilt eine einzige Reihenfolge: erst die neue Deckung schriftlich bestätigt, dann die alte kündigen. Für die Zulassung verlangen beide Länder einen elektronischen Versicherungsnachweis, den der neue Versicherer direkt an die Zulassungsstelle übermittelt. Ohne ihn steht das Fahrzeug, auch wenn der Kaufvertrag längst unterschrieben ist.

Die Reihenfolge beim Kauf

Der grösste Hebel liegt vor dem Kauf, nicht danach. Wer zwischen zwei Fahrzeugen schwankt, holt für beide eine unverbindliche Offerte mit denselben Angaben ein und rechnet die Differenz über die geplante Haltedauer hoch. Bei einem jungen Lenker oder einem leistungsstarken Fahrzeug übersteigt dieser Unterschied regelmässig alles, was sich beim Kaufpreis herausverhandeln lässt.

Die zweite Regel ist ebenso banal: Die Angaben müssen stimmen, und zwar dauerhaft. Eine zu tief gegriffene Fahrleistung, ein verschwiegener Zweitlenker oder eine nicht gemeldete Nutzungsänderung kosten im Schadenfall mehr, als sie über Jahre eingebracht haben. Versicherung ist der einzige Posten am Auto, bei dem sich Sparen durch Weglassen rückwirkend bestraft.

Carvexia ist an keinem Versicherungsvertrag beteiligt und vermittelt keinen. Der Marktplatz zeigt Fahrzeuge und Preise; Deckung, Prämie und Bedingungen vereinbarst du mit einem Versicherer, und verbindlich ist allein, was in dessen Police steht.

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