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Ballonfinanzierung: wo das Risiko liegt
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Eine Ballonfinanzierung verschiebt den grössten Teil der Schuld ans Ende der Laufzeit und lässt die Monatsrate klein aussehen. Entscheidend ist nicht, wie klein sie aussieht, sondern was am Tag der Schlussrate tatsächlich zur Verfügung steht.
Was eine Ballonfinanzierung ist
Eine Ballonfinanzierung ist ein Kredit, der planmässig nicht vollständig getilgt wird. Die monatliche Rate deckt den Zins und einen kleinen Teil der Schuld; der grosse Rest bleibt stehen und wird am Ende der Laufzeit in einer einzigen Zahlung fällig. Diese Schlussrate ist der Ballon, und sie ist kein Nebenposten — sie ist regelmässig der grösste einzelne Betrag des ganzen Vertrags.
Der Unterschied zum gewöhnlichen Annuitätendarlehen liegt allein in der Tilgung. Bei gleicher Summe und gleicher Laufzeit ist die Rate tiefer, weil weniger getilgt wird. Die Zinslast über die Laufzeit ist dafür höher, weil der Zins auf eine Restschuld läuft, die kaum sinkt. Tiefere Rate und tiefere Kosten sind hier nicht dasselbe, sondern Gegensätze.
Im Verkaufsgespräch heisst das Produkt Drei-Wege-Finanzierung, Schlussratenkredit oder Vario-Finanzierung. Die Namen unterscheiden sich, die Mechanik nicht: kleine Raten während der Laufzeit, eine grosse Zahl am Schluss und eine Frage, die erst dann beantwortet wird.
Wie die Schlussrate gebildet wird
Die Schlussrate ist kein Rest, der sich aus der Rechnung ergibt, sondern eine Eingabe. Wer den Vertrag kalkuliert, setzt sie auf den Betrag, den das Fahrzeug am Ende der Laufzeit voraussichtlich noch wert ist. Alles andere — Rate, Zinsanteil, Tilgungsanteil — folgt aus dieser Annahme.
In diese Prognose fliesst mehr ein als der Modellname. Die Laufzeit bestimmt, wie weit in die Zukunft geschätzt werden muss; die vereinbarte Fahrleistung bestimmt den Zustand, in dem das Fahrzeug dort ankommt. Dazu kommen Segment, Antriebsart, Ausstattung und die Erwartung, wie viele vergleichbare Fahrzeuge zum selben Zeitpunkt zum Verkauf stehen werden — bei Fahrzeugen aus grossen Flotten ist das keine Kleinigkeit.
Daraus folgt der wichtigste Satz über dieses Produkt: Ein hoch angesetzter Restwert senkt die Rate und vergrössert die Zahl am Ende. Der Hebel spart kein Geld, er verschiebt es. Wer zwei Angebote mit unterschiedlicher Schlussrate vergleicht, vergleicht nicht zwei Preise, sondern zwei Verteilungen derselben Summe über die Zeit.
- Die Laufzeit in Monaten — sie legt fest, wie weit die Restwertprognose reichen muss.
- Die vereinbarte Fahrleistung, meist mit einer Toleranz und einer Nachbelastung je Mehrkilometer.
- Anzahlung oder Inzahlungnahme, die den finanzierten Betrag verkleinern, bevor der erste Zins anfällt.
- Die angenommene Marktlage am Ende der Laufzeit — die einzige Grösse in der Rechnung, die niemand kontrolliert.
- Einmalige Gebühren für Bearbeitung und Bereitstellung, die in keiner Monatsrate auftauchen.
Warum die tiefe Rate der teure Teil sein kann
Beim Annuitätendarlehen verschiebt sich die Rate von Monat zu Monat: Der Zinsanteil schrumpft, weil die Restschuld schrumpft, und der Tilgungsanteil wächst im gleichen Mass. Bei der Ballonfinanzierung fällt dieser Effekt weitgehend aus. Die Restschuld bleibt bis kurz vor Schluss hoch, also bleibt auch die Basis hoch, auf die Zins anfällt.
Das lässt sich ohne jeden Zinssatz zeigen. Zins fällt auf das an, was noch aussteht. Wer über die Laufzeit im Mittel mehr ausstehen hat, zahlt über die Laufzeit mehr Zins — unabhängig davon, welcher Satz im Vertrag steht. Genau das ist der Preis der tiefen Rate, und er wird nirgends als Posten ausgewiesen.
Vergleichbar werden zwei Angebote erst über eine einzige Zahl: Anzahlung plus alle Raten plus Schlussrate. Diese Summe stellt man dem Barkaufpreis desselben Fahrzeugs gegenüber. Die Differenz sind die Finanzierungskosten, und sie ist von jeder Rhetorik über die Monatsrate unabhängig.
Die Wege am Ende der Laufzeit
Wenn die letzte kleine Rate bezahlt ist, steht die grosse noch aus. Der Vertrag kennt dafür höchstens drei Wege, und welche davon tatsächlich offenstehen, entscheidet nicht der Prospekt, sondern der Wortlaut des Vertrags.
Der dritte Weg ist der, um den es im Verkaufsgespräch geht, und er ist der einzige, der nicht von selbst existiert. Ohne ausdrückliches Rückgaberecht bleiben zwei Wege, und beide setzen voraus, dass die Zahl am Ende aufgebracht wird — entweder aus Erspartem oder aus dem Markt.
Die Anschlussfinanzierung wird oft als Formsache dargestellt und ist keine. Sie ist ein neuer Vertrag über einen Betrag, der einmal eine Restwertprognose war, abgesichert durch ein Fahrzeug, das seither Jahre und Kilometer hinzugewonnen hat. Ob sie zustande kommt und zu welchen Bedingungen, entscheidet sich in dem Moment, in dem man sie braucht.
- Bezahlen. Die Schlussrate wird aus Erspartem beglichen; danach gehört das Fahrzeug dir ohne weitere Bedingung.
- Anschlussfinanzieren. Die Schlussrate wird zu einem neuen Kredit — mit neuen Konditionen, neuer Bonitätsprüfung und einem Fahrzeug, das inzwischen älter ist.
- Zurückgeben. Nur möglich, wenn der Vertrag ein Rückgaberecht enthält, und nur zu den Bedingungen, die dort stehen.
- Selbst verkaufen und aus dem Erlös ablösen. Das steht in keinem Prospekt, ist aber immer möglich, solange das Fahrzeug dir gehört und der Kredit ablösbar ist.
Der Punkt, an dem die Rechnung kippt
Das Risiko dieses Produkts lässt sich in einem Satz beschreiben: Die Schlussrate steht im Vertrag fest, der Marktwert des Fahrzeugs nicht. Liegt der Marktwert am Ende über der Schlussrate, ist alles in Ordnung — das Fahrzeug trägt seine eigene Schuld. Liegt er darunter, ist die Differenz ein Verlust, und offen ist nur noch, wer ihn trägt.
Nach unten gedrückt wird der Marktwert von Dingen, die während der Laufzeit passieren und in der Prognose nicht stehen konnten: deutlich mehr Kilometer als vereinbart, ein reparierter Unfallschaden, ein Hagelereignis, eine geänderte Zufahrtsregel in Städten, eine Welle gleichartiger Fahrzeuge aus Flottenrückläufen, ein Segment, das aus der Mode kommt.
Diese Lücke lässt sich jederzeit messen, nicht erst am Ende. Man nimmt den aktuellen Marktpreis vergleichbarer Fahrzeuge und stellt ihn der aktuellen Restschuld gegenüber. Der Abstand zwischen beiden Zahlen ist die einzige Warnleuchte, die dieses Produkt hat, und sie leuchtet nur, wenn man selbst hinschaut.
Rückgabe ist nicht gleich Rückgabe
Ein Rückgaberecht des Kreditnehmers ist die Zusage eines Händlers, das Fahrzeug zu einem im Voraus festgelegten Preis zurückzunehmen. Es verschiebt das Restwertrisiko dorthin, wo die Prognose gemacht wurde, und darin liegt sein ganzer Wert. Ob es besteht, erkennt man nicht am Namen des Produkts, sondern an einer Klausel mit einem Betrag und einem Datum.
Daneben gibt es die Umkehrung, das Andienungsrecht: Nicht du darfst zurückgeben, sondern der Verkäufer darf verlangen, dass du das Fahrzeug zum festgelegten Preis übernimmst. Stehen beide Klauseln im selben Vertrag, ist die Verteilung eindeutig — die gute Seite der Prognose gehört der einen Partei, die schlechte der anderen. Das ist zulässig, und es ist vor der Unterschrift lesbar.
Auch eine vereinbarte Rückgabe ist nicht kostenlos. Sie ist an einen Zustand und an eine Fahrleistung geknüpft, und was darüber hinausgeht, wird bewertet und nachbelastet. Wer von Anfang an mit der Rückgabe plant, rechnet diese Position mit ein, so wie beim Leasing auch.
Was sich vor der Unterschrift klären lässt
Die folgenden Punkte stehen in jedem ordentlichen Vertrag und lassen sich am Verkaufstresen in zehn Minuten nachlesen. Es ist die Viertelstunde mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung im ganzen Kaufvorgang.
Wichtig ist die Reihenfolge: zuerst der Kaufpreis, dann die Finanzierung. Wer mit der Wunschrate einsteigt, verhandelt nicht über den Preis des Fahrzeugs, sondern über die Höhe des Ballons — und der Ballon ist der Teil, der später bezahlt wird.
- Die Höhe der Schlussrate als Betrag, zusammen mit ihrem Fälligkeitsdatum.
- Der effektive Jahreszins und die Summe aller Zahlungen einschliesslich Schlussrate.
- Ob ein Rückgaberecht besteht, zu welchem Preis und unter welchen Zustands- und Kilometerbedingungen.
- Ob der Verkäufer umgekehrt ein Andienungsrecht hat.
- Ob Sondertilgungen möglich sind. Sie sind der wirksamste Weg, den Ballon während der Laufzeit zu verkleinern.
- Ob eine Anschlussfinanzierung zugesagt oder nur in Aussicht gestellt ist. Eine Zusage steht schriftlich im Vertrag.
- Ob eine Restschuld- oder GAP-Deckung mitverkauft wurde, was sie deckt und was sie kostet.
Wann das Produkt trotzdem passt
Die Ballonfinanzierung ist kein Fehler, sondern ein Werkzeug mit enger Passform. Sie passt, wenn der Wechsel zum Ende der Laufzeit ohnehin geplant ist, wenn ein Rückgaberecht im Vertrag steht und wenn die Fahrleistung verlässlich unter der vereinbarten bleibt. Dann kauft sie Planbarkeit, und der Aufschlag dafür ist bekannt.
Sie passt schlecht, wenn das Fahrzeug lange behalten werden soll. Der teure Teil des Wertverlusts liegt in den ersten Jahren; wer danach weiterfährt, fährt die günstigen Jahre — nur stellt dieser Vertrag genau dann eine grosse Zahl fällig. Für eine lange Haltedauer ist gewöhnliche Tilgung die billigere Form.
In beiden Fällen ist der Barkaufpreis der Massstab. Er lässt sich europaweit vergleichen: gleiches Modell, gleicher Jahrgang, vergleichbare Laufleistung. Carvexia zeigt Inserate und Preise und ist an keinem Finanzierungsvertrag beteiligt — Kredit, Rückgaberecht und Versicherung vereinbarst du mit Bank, Händler oder Versicherer, und was gilt, steht ausschliesslich in deren Papieren.