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Preis verhandeln: was tatsächlich wirkt
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Der Preis eines Gebrauchtwagens wird selten am Küchentisch entschieden, sondern vorher — durch das, was du über den Markt und über dieses eine Fahrzeug weisst. Wer mit Belegen kommt, ist in zehn Minuten fertig, wo Meinungen eine Stunde brauchen und trotzdem nichts bewegen.
Verhandelt wird vor dem Termin
Such fünf bis zehn Inserate desselben Modells mit derselben Motorisierung, Baujahr plus minus ein Jahr, Kilometerstand plus minus zwanzigtausend. Notiere nicht nur den mittleren Preis, sondern auch die Spanne. Eine enge Spanne heisst: Der Markt ist sich einig, hier gibt es wenig zu holen. Eine weite Spanne heisst: Der Zustand entscheidet, und der ist verhandelbar.
Sieh dir an, wie lange das Fahrzeug schon inseriert ist. Ein Angebot, das seit Wochen steht, ist von allen bereits abgelehnt worden, die es angesehen haben. Das ist eine Tatsache über die Lage des Verkäufers, nicht über das Fahrzeug — aber sie ist verwertbar, und sie kostet dich nichts als einen Blick.
Und trenne Ausstattung, die den Preis bewegt, von Ausstattung, die es nicht tut. Anhängerkupplung, Automatikgetriebe, Allrad, bei Elektrofahrzeugen die Wärmepumpe: Das sind Merkmale, nach denen gefiltert wird, und sie schlagen sich im Preis nieder. Ein grosser Bildschirm und Leichtmetallräder tun das bei einem sieben Jahre alten Fahrzeug kaum noch.
Warum verkauft er?
Den Spielraum bestimmt nicht der Preis im Inserat, sondern die Lage dessen, der ihn genannt hat. Wer den Nachfolger bereits in der Einfahrt stehen hat, verhandelt gegen eine Frist. Wer wegen eines Umzugs verkauft, ebenfalls. Wer «mal schauen will, was geboten wird», hat es nicht eilig, und dagegen hilft kein Argument.
Frag es direkt und früh, am besten schon am Telefon. Die Antwort sagt dir zweierlei: wie viel Zeit der Verkäufer hat, und ob die Geschichte des Fahrzeugs in sich stimmt. Wer die Frage nicht beantworten mag, beantwortet sie damit.
Ein Sonderfall ist der Verkauf aus einem Nachlass. Der Verkäufer weiss dann oft wenig über das Fahrzeug, und das ist kein Preisargument, sondern ein Grund, gründlicher zu prüfen: Niemand kann dir sagen, ob der Zahnriemen gemacht wurde, und die Unterlagen sind selten vollständig.
Belege statt Meinungen
Jedes Argument braucht eine Zahl und eine Quelle. «Die Reifen sind alt» bewegt nichts, weil es eine Meinung ist. «Alle vier Reifen tragen dieselbe DOT-Nummer aus dem Jahr X, sie sind damit über die übliche Nutzungsdauer hinaus, und hier ist die Offerte, die ich für einen Satz in dieser Grösse eingeholt habe» bewegt den Preis um genau diesen Betrag — oder es bewegt ihn nicht, dann weisst du auch etwas.
Die Offerten holst du vor dem Termin ein, nicht danach. Eine Werkstatt nennt dir am Telefon einen Rahmen für einen Zahnriemenwechsel an diesem Motor, für einen Satz Bremsscheiben, für den fälligen Service. Das sind fünf Anrufe, und sie ersetzen jede Diskussion darüber, ob etwas «teuer» ist.
- Reifenalter an der DOT-Nummer, dazu die eingeholte Offerte für einen Satz in dieser Grösse.
- Fälliger Service oder Zahnriemen nach Herstellerintervall, dazu der Kostenrahmen einer Werkstatt.
- Bremsscheiben mit deutlicher Verschleisskante oder starker Rostkante am Rand.
- Datum der nächsten amtlichen Prüfung. Wer kurz davor kauft, trägt das Risiko der Beanstandungen.
- Fehlender Zweitschlüssel, fehlendes Serviceheft, fehlendes Ladekabel, fehlender Radschlüssel.
- Mängel, die du gefunden hast, mit Foto — und der Frage, was ihre Behebung kostet.
Die erste Zahl
Wer die erste Zahl nennt, setzt den Rahmen. Das stimmt, aber nur innerhalb des Plausiblen: Ein Angebot weit unter dem Markt beendet das Gespräch, besonders beim privaten Verkäufer, der es persönlich nimmt. Der brauchbare Zuschnitt ist eine Zahl, ein Grund, ein Satz — und dann Schweigen. Die Pause leistet mehr als jedes weitere Argument.
Leg deinen Zielpreis und deine Obergrenze vorher fest und schreib sie auf. Nicht aus Disziplinfreude, sondern weil die Obergrenze sich von selbst verschiebt, wenn du eine Stunde neben einem Fahrzeug gestanden hast, das dir gefällt. Ein Zettel in der Jackentasche ist der einzige Verhandlungspartner, der nicht müde wird.
Was nicht wirkt
Die folgenden Versuche sind so verbreitet, dass jeder Verkäufer sie erkennt, bevor der Satz zu Ende ist. Sie kosten keinen Preisnachlass, aber sie kosten Glaubwürdigkeit — und die brauchst du für die Argumente, die tatsächlich etwas taugen.
- «Was ist Ihr letzter Preis?» Die Frage lädt zu einem symbolischen Nachlass ein und beendet deinen Spielraum, bevor du ihn genutzt hast.
- Das Fahrzeug allgemein schlechtreden. Wer es schlecht findet, soll es nicht kaufen wollen — der Widerspruch fällt jedem auf.
- Bargeld als Hebel. Für den Verkäufer ist eine Überweisung genauso gut, und für dich ist sie sicherer.
- Der inszenierte Abgang. Er funktioniert einmal, und wenn er nicht funktioniert, funktioniert er nie wieder.
- Über das verhandeln, was im Inserat steht. Wer den beschriebenen Rostfleck als Entdeckung präsentiert, hat nicht gelesen, und der Verkäufer weiss das.
Beim Händler verhandelst du etwas anderes
Der Preis eines Händlers ist gerechnet: Einkauf, Aufbereitung, Standzeit, Rückstellung für die Gewährleistung. Der Spielraum in der Zahl selbst ist deshalb oft klein. Der Spielraum liegt in dem, was er dazugeben kann, weil es ihn weniger kostet als dich — seine Werkstattstunde, seine Reifen, sein Einkauf.
Und halte den Eintausch getrennt. Wer über Neupreis und Inzahlungnahme gleichzeitig verhandelt, verhandelt über eine einzige Zahl, die der Händler beliebig auf zwei Zeilen verteilen kann. Erst den Kaufpreis festzurren, dann über das eigene Fahrzeug sprechen — und vorher wissen, was es privat bringen würde.
- Garantie: Dauer, Umfang und was ausgeschlossen ist — schriftlich, nicht als Zusicherung am Tresen.
- Service vor Übergabe, mit Nachweis im Serviceheft statt mit dem Wort «frisch gemacht».
- Neue Reifen oder ein zweiter Satz. Für den Betrieb ein Einkaufspreis, für dich ein Ladenpreis.
- Zweitschlüssel anfertigen lassen, wenn nur einer da ist.
- Beanstandungen der nächsten amtlichen Prüfung vorab beheben und die Prüfung frisch machen.
Wann du aufhörst
Hör auf, wenn der Grund für den Nachlass grösser ist als der Nachlass. Ein Fahrzeug, bei dem Zahnriemen, Reifen und Prüfung gleichzeitig anstehen, wird nicht dadurch günstig, dass der Preis sinkt — es wird dadurch nur weniger teuer als vorher, und das ist etwas anderes.
Hör auch auf, wenn der Verkäufer bei den Papieren ausweichend wird und stattdessen über den Preis spricht. Ein spontanes Entgegenkommen an der Stelle, an der du nach der Fahrgestellnummer oder nach dem Halter gefragt hast, ist keine Verhandlung, sondern ein Themenwechsel.
Und hör auf, wenn du deine notierte Obergrenze erreicht hast. Der Bestand europaweit ist gross genug, dass es dieses Fahrzeug noch einmal gibt, und zwar in ruhiger.
Was schriftlich wird
Alles, was mündlich zugesagt wurde, gehört in den Kaufvertrag: der Service vor Übergabe mit Nachweis, der Zweitschlüssel, der nachgereicht wird, die Winterreifen, die dabei sind, das Datum der Übergabe. Was nicht darin steht, ist nach der Übergabe eine Erinnerung gegen eine andere Erinnerung.
Der Preis im Vertrag ist der Preis, der bezahlt wird. Ein niedrigerer Betrag «für die Steuer» ist ein Gefallen, der dich genau die Differenz kostet, sobald du den Vertrag jemals brauchst — bei der Versicherung, bei einem Streit, bei der Einfuhr.
Zu Anzahlungen: bei einem privaten Geschäft keine, bevor du das Fahrzeug gesehen hast. Wird eine vereinbart, dann schriftlich, mit der Regelung, was bei einem Rücktritt geschieht, und nie auf ein Konto, das sich nicht der Person zuordnen lässt, die vor dir steht. Über Carvexia läuft dabei nichts: Der Marktplatz ist nicht Partei des Kaufvertrags, reserviert keine Fahrzeuge und wickelt keine Zahlung ab.