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Unterwegs

Panne im Ausland: die Reihenfolge

9 Min. Lesezeit

Eine Panne im Ausland ist selten ein technisches Problem und fast immer ein Organisationsproblem. Die Technik erledigt jemand anderes. Was du entscheidest, ist die Reihenfolge — und die ersten zwei Minuten entscheiden über den Rest.

Die ersten zwei Minuten

Warnblinker an, bevor du bremst — nicht danach. Solange das Fahrzeug noch rollt, ist es ein Fahrzeug und kein Hindernis; nutz den Schwung, um von der Fahrbahn zu kommen. Eine Ausfahrt, eine Haltebucht, ein Parkplatz, und erst als letzte Möglichkeit der Pannenstreifen, dort so weit rechts wie möglich und mit eingeschlagenen Rädern von der Fahrbahn weg.

Auf einer Schnellstrasse ist das Auto der gefährlichste Ort. Alle steigen auf der verkehrsabgewandten Seite aus und gehen hinter die Leitplanke, auch bei Regen, auch mit Kindern, auch wenn es nur kurz dauern soll. Niemand steht vor oder hinter dem Fahrzeug, und niemand bleibt im Fahrzeug sitzen, um zu telefonieren.

Die Warnweste wird angezogen, bevor die Tür aufgeht, nicht danach — sie nützt nur, solange man sie trägt, während man sichtbar sein muss. Ob und wie weit hinter dem Fahrzeug ein Warndreieck aufzustellen ist, ob eine Weste für alle Insassen verlangt wird und ob überhaupt eines dieser Dinge vorgeschrieben ist, regelt jedes Land für sich. Die praktische Regel steht darüber: Die Warnung muss dort stehen, wo ein Fahrer sie sieht, der dich noch nicht gesehen hat — auf einer schnellen Strasse also erheblich weiter hinten, als es sich anfühlt.

Wo du bist, in der Sprache der Rettung

Eine Standortangabe wie «auf der Autobahn Richtung Süden» hilft niemandem. Auf europäischen Autobahnen stehen am Rand Markierungspfosten oder Kilometertafeln, und genau diese Angabe suchen die Leitstellen — Strassennummer, Kilometerangabe, Fahrtrichtung. Sie stehen dichter, als man denkt; oft genügt ein Blick nach vorne und nach hinten.

Die Notrufsäule am Strassenrand hat einen Vorteil, den kein Telefon hat: Sie ist ortsfest und meldet dem Betreiber automatisch, welche Säule spricht. Sie verbindet dich ausserdem mit der zuständigen örtlichen Stelle und nicht mit einer Zentrale in einem anderen Land. Wer die Wahl hat und sicher dorthin gehen kann — hinter der Leitplanke, nie auf dem Pannenstreifen entlang —, nimmt die Säule.

Fehlt beides, hilft eine Beschreibung in dieser Reihenfolge: Land, Strassennummer, Fahrtrichtung mit genanntem Zielort, zuletzt passierte Ausfahrt oder Raststätte, und ein Merkmal, das man sieht. Neuere Fahrzeuge haben ausserdem einen automatischen Notruf, der Position und Fahrzeugdaten übermittelt; wo und wie er sich auslösen lässt, steht im Bordbuch und ist eine Information, die man vor der Reise liest und nicht währenddessen sucht.

Wen du anrufst, und in welcher Reihenfolge

Sind Menschen in Gefahr oder verletzt, gilt nur eine Reihenfolge: zuerst der Notruf. Die europäische Notrufnummer funktioniert in den Mitgliedstaaten und erreicht Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst; viele Länder betreiben daneben eigene Nummern. Eine Pannenhilfe ist keine Notrufnummer und ersetzt sie nicht.

Danach kommt die Frage, die die meisten am Strassenrand zum ersten Mal stellen: Welche Pannenhilfe habe ich eigentlich? Die Deckung kann aus mehreren Quellen stammen, und sie sind verschiedene Verträge mit verschiedenen Geltungsbereichen. Wer erst am Pannenstreifen sucht, telefoniert mit dem falschen Anbieter und zahlt selbst.

  • Die Motorfahrzeugversicherung, wenn ein Schutzbrief oder ein Assistance-Baustein eingeschlossen ist.
  • Die Mitgliedschaft in einem Automobilclub — mit der Frage, ob sie personen- oder fahrzeugbezogen gilt und ob sie im Ausland überhaupt greift.
  • Die Mobilitätsgarantie des Herstellers, die an die Wartung im Markennetz geknüpft sein kann und sich mit jedem Service verlängert.
  • Eine Kreditkarte oder ein Reisevertrag, sofern die Reise darüber bezahlt wurde — hier hängt die Deckung oft an einer Bedingung, die niemand liest.
  • Der Leasing- oder Abovertrag, der eine eigene Hotline und eigene Vorgaben zur Werkstattwahl enthalten kann.

Was die Assistance wissen will

Am Telefon geht es schneller, wenn man die Antworten schon hat: Kennzeichen und Fahrgestellnummer, genauer Standort, das Symptom in einfachen Worten, ob das Fahrzeug noch rollt und lenkt, wie viele Personen dabei sind und ob Kinder, ältere Menschen oder Tiere darunter sind, das Reiseziel, und ob Weiterreise oder Unterkunft gebraucht wird.

Das Symptom beschreibt man als Beobachtung, nicht als Diagnose. «Es ruckelt und eine gelbe Lampe leuchtet» führt zur richtigen Hilfe; «die Einspritzdüse ist defekt» führt manchmal zu einem Fahrzeug, das mit dem falschen Teil losfährt. Wer sich unsicher ist, beschreibt, was er gehört, gesehen und gerochen hat, in dieser Reihenfolge.

Und die eine Sache, die man sich unbedingt aufschreibt: die Fall- oder Schadennummer. Alles, was danach kommt — Rückruf, Abschleppauftrag, Mietwagen, Rückerstattung — bezieht sich auf diese Nummer. Notier sie auf Papier, nicht nur im Telefon, dessen Akku in genau dieser Situation zur Neige geht.

Abschleppen: wohin, und wer entscheidet das

Der Abschlepper bringt das Fahrzeug in aller Regel zur nächsten Werkstatt, die es annehmen kann — nicht zu der, die du ausgesucht hättest. Auf gebührenpflichtigen Autobahnen kommt hinzu, dass Betreiber oder Polizei vorgeben können, wer bergen darf und bis wohin; diese Bergung von der Fahrbahn ist oft eine eigene Leistung mit eigener Rechnung und nicht Teil dessen, was die Assistance zahlt.

In der fremden Werkstatt gilt dieselbe Disziplin wie zu Hause, nur ist sie schwerer durchzuhalten: erst Diagnose, dann Kostenvoranschlag, beides schriftlich, und die Freigabe für Zusatzarbeiten ausdrücklich vorbehalten. Wer gestrandet ist, neigt dazu, alles zu unterschreiben, was die Weiterfahrt verspricht. Genau dagegen hilft die Fallnummer: Die Assistance kann in vielen Fällen mit der Werkstatt direkt sprechen.

Lass dir die Rechnung mit Teilen und Arbeitspositionen einzeln ausstellen, auch wenn du die Sprache nicht liest. Eine Pauschalrechnung ohne Aufschlüsselung ist schwer zu erstatten und noch schwerer zu beanstanden, sobald man wieder zu Hause ist.

Reparieren, zurückbringen oder stehen lassen

Die Reparatur vor Ort ist die richtige Entscheidung, wenn es sich um ein Verschleissteil handelt, das Teil verfügbar ist und der Aufenthalt ohnehin länger dauert. Sie ist die falsche, wenn die Diagnose unsicher ist oder die Arbeit an ein Fabrikat geht, das im Land selten ist — dann wartet man auf ein Teil, das über eine Grenze kommt, und zahlt Standtage.

Der Rücktransport ist bei vielen Assistance-Verträgen eingeschlossen, aber an Bedingungen geknüpft, die im Vertrag stehen und nicht hier: meist an eine Mindestdauer der Reparatur und an eine Obergrenze, die sich am Wert des Fahrzeugs orientieren kann. Frag nach dieser Bedingung, bevor du einer Reparatur zustimmst, die genau darunter bleibt.

Das Fahrzeug im Ausland zurückzulassen, ist möglich und hat Folgen in drei Richtungen: bei der Zulassungsbehörde, die das Fahrzeug führt, beim Versicherer, und — sobald eine Zollgrenze im Spiel ist — bei der Zollverwaltung des Landes, in dem es steht. Wer diesen Weg erwägt, klärt ihn mit diesen drei Stellen und nicht mit der Werkstatt, die den Platz braucht.

Papiere und Belege

Assistance-Verträge erstatten überwiegend gegen Beleg, und ein Beleg in einer Sprache, die man nicht liest, ist trotzdem ein Beleg. Sammle alles: Abschleppquittung, Werkstattrechnung, Mietwagenvertrag, Hotelrechnung, Fahrkarten, und fotografiere jedes Papier sofort, damit es nicht am Ende der Reise fehlt.

Dazu drei Fotos, die später mehr wert sind, als sie im Moment scheinen: das Fahrzeug dort, wo es liegengeblieben ist, der Kilometerzähler, und das Armaturenbrett mit den leuchtenden Kontrollleuchten. Sie beantworten Fragen, die in vier Wochen jemand stellt, der nicht dabei war.

Was den Unterschied zwischen Panne und Katastrophe ausmacht

Alles, was oben steht, lässt sich zu Hause in zwanzig Minuten vorbereiten. Die Nummern der tatsächlich bestehenden Deckungen auf ein Blatt Papier ins Handschuhfach, dazu die Police- oder Mitgliedsnummer. Ein Foto der Zulassungsunterlagen und der Versicherungsbestätigung im Telefon. Ein Ladekabel und eine Powerbank, die unabhängig vom Auto funktioniert.

Dazu die Angaben, die man am Strassenrand nicht nachschlagen kann: Lampentyp, Ölfreigabe, Reifendruck bei Beladung, wo die Abschleppöse liegt, und der Schlüssel für die Felgenschlossmutter. Das ist keine Vorsorge für den Ernstfall, sondern schlicht das Wissen über das eigene Auto — und genau das, was die Vorbereitung einer langen Fahrt leistet.

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