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Technik

Der Partikelfilter: woran man sieht, dass er leidet

9 Min. Lesezeit

Ein Partikelfilter geht selten plötzlich kaputt. Er wird über Monate voller, und das Fahrzeug sagt es auf mehreren Wegen, lange bevor die Lampe angeht.

Was der Filter baulich ist

Im Gehäuse sitzt ein Keramikkörper mit vielen parallelen Kanälen. Die Kanäle sind wechselseitig verschlossen: Was vorn offen ist, ist hinten zu, und umgekehrt. Das Abgas kann deshalb nicht geradeaus durch, sondern muss durch die poröse Wand zwischen zwei Kanälen. Die Partikel bleiben an der Wand hängen, das Gas geht weiter.

Das gilt für den Dieselpartikelfilter wie für den Ottopartikelfilter, den direkteinspritzende Benziner ebenfalls tragen. Die Betriebsbedingungen sind verschieden — im Benziner ist das Abgas heisser, was die Selbstreinigung erleichtert —, die Bauweise ist dieselbe.

Weil der Filter sich zusetzt, indem er arbeitet, ist er kein Bauteil, das einfach da ist. Er ist ein Behälter, der regelmässig geleert werden muss, und der Motor erledigt das im Fahrbetrieb selbst — solange man ihn lässt.

Regeneration: zwei Wege, ein Ziel

Russ ist Kohlenstoff und verbrennt, wenn es heiss genug ist. Bei längerer Fahrt unter Last wird das Abgas von selbst so heiss, dass der eingelagerte Russ kontinuierlich abbrennt — das ist die passive Regeneration, und sie ist die, die nichts kostet.

Reicht das nicht, greift das Steuergerät ein. Es schätzt die Beladung aus zwei Quellen: dem Differenzdruck über den Filter, gemessen mit einem eigenen Sensor, und einem Rechenmodell aus Einspritzmenge, Drehzahl und Last. Übersteigt der Wert eine Schwelle, startet die aktive Regeneration. Dabei wird nach der eigentlichen Verbrennung nachträglich Kraftstoff eingespritzt, der erst im Abgastrakt umgesetzt wird und die Temperatur im Filter anhebt.

Eine aktive Regeneration braucht Zeit — Minuten, nicht Sekunden — und sie braucht sie am Stück. Man merkt sie: höhere Leerlaufdrehzahl, ein veränderter Klang, ein Geruch, ein Lüfter, der nach dem Abstellen weiterläuft, gelegentlich ein Aussetzen der Start-Stopp-Automatik.

Warum Kurzstrecke das Problem ist

Wer einen Diesel für vier Kilometer in die Stadt bewegt, erreicht die Abgastemperatur der passiven Regeneration nie und bricht jede aktive ab, weil der Motor abgestellt wird, bevor sie fertig ist. Das Steuergerät merkt sich den Abbruch und versucht es beim nächsten Mal wieder — und beim übernächsten mit mehr Aufwand.

Das ist der Punkt, an dem aus einem Fahrprofil ein Schaden wird. Jede abgebrochene Regeneration hinterlässt mehr Russ als vorher, die nächste muss länger laufen, und irgendwann verweigert die Steuerung den Versuch und geht in ein Notprogramm mit reduzierter Leistung. Danach hilft nur noch eine Zwangsregeneration in der Werkstatt oder der Ausbau.

Für den Gebrauchtkauf heisst das: Ein Diesel mit niedrigem Kilometerstand und städtischem Vorbesitz ist nicht automatisch das bessere Fahrzeug. Die Frage nach dem Fahrprofil ist bei einem Diesel eine technische Frage, keine Höflichkeit.

Asche ist der Teil, der bleibt

Nicht alles im Filter ist Russ. Ein kleiner Teil ist Asche: unverbrennbare Rückstände aus den Additiven des Motoröls und aus dem normalen Verschleiss im Motor. Asche lässt sich nicht wegbrennen. Sie sammelt sich über die Lebensdauer an und verengt den freien Querschnitt dauerhaft.

Deshalb ist auch ein perfekt regenerierter Filter irgendwann voll. Und deshalb hängt seine Lebensdauer am Öl: Öle für Fahrzeuge mit Partikelfilter sind aschearm formuliert, mit begrenztem Anteil an Sulfatasche, Phosphor und Schwefel. Ein falsches Öl über mehrere Intervalle verkürzt die Filterlebensdauer messbar, ohne dass unterwegs irgendetwas auffällt.

Viele Steuergeräte führen die geschätzte Aschemasse als eigenen Wert mit. Er ist beim Gebrauchtkauf aussagekräftiger als der Russwert, weil er nicht von der letzten Fahrt abhängt, sondern von der ganzen Geschichte des Fahrzeugs.

Der Ölstand, der steigt

Die aktive Regeneration spritzt Kraftstoff ein, der nicht zur Verbrennung beiträgt. Ein Teil davon gelangt an der Zylinderwand vorbei ins Öl. Bei gelegentlicher Regeneration ist das unerheblich — bei ständig abgebrochenen Versuchen nicht. Dann steigt der Ölstand über die obere Markierung, und das dünner gewordene Öl trägt an den Lagern weniger.

Ein Ölstand über Maximum ist deshalb bei einem Diesel mit Partikelfilter kein Zeichen von Grosszügigkeit beim Nachfüllen, sondern zuerst ein Verdacht. Der Peilstab ist die billigste Diagnose, die es gibt, und er gehört zu jeder Besichtigung — kalt, auf ebenem Grund, und mit einem Blick darauf, ob das Öl nach Diesel riecht.

Die Anzeichen der Reihe nach

Was ein Filter meldet, bevor er aufgibt, lässt sich ohne Werkstatt beobachten:

  • Regenerationen, die auffallend oft kommen — spürbar an höherem Leerlauf, verändertem Klang und dem Lüfter nach dem Abstellen.
  • Ein Verbrauch, der ohne Änderung der Strecke gestiegen ist.
  • Ölstand über der oberen Markierung, besonders wenn niemand nachgefüllt hat.
  • Leistung, die nach einer Autobahnauffahrt abbricht, oder ein Notprogramm mit begrenzter Drehzahl.
  • Eine Filterlampe, die nach längerer Fahrt nicht erlischt — sie fordert genau die Fahrt an, die man ihr bisher nicht gegeben hat.
  • Start-Stopp, das ohne erkennbaren Grund nicht mehr abstellt.

Was vor dem Kauf prüfbar ist

Die aussagekräftigste Prüfung ist das Auslesen. Wer Zugriff auf ein Diagnosegerät hat, sieht mehr als jede Probefahrt zeigt: Russbeladung, geschätzte Aschemasse, die Strecke seit der letzten erfolgreichen Regeneration und die Zahl der abgebrochenen Versuche. Drei dieser vier Werte sagen etwas über die Zukunft und nicht über den Moment.

Die Probefahrt gehört trotzdem dazu, und sie braucht ein Stück Schnellstrasse. Ein Diesel, der zehn Minuten unter Last gelaufen ist, zeigt, ob er Leistung hält, ob eine Regeneration anspringt und ob danach etwas im Fehlerspeicher steht, das vorher nicht dort war.

Und die Unterlagen: Ein bereits ersetzter oder gereinigter Filter ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Auskunft. Schlecht ist nur der Filter, der ohne jeden Beleg zweimal so alt ist wie das Fahrzeug erwarten liesse.

Reinigen, ersetzen — oder fahren

Ist der Filter nur russbeladen, reicht oft eine Zwangsregeneration in der Werkstatt oder schlicht eine längere Fahrt unter Last. Ist er aschebeladen, hilft keine Regeneration; dann bleibt die Nassreinigung im Spezialbetrieb, bei der der Körper ausgebaut und durchgespült wird, oder der Austausch.

Der Ausbau ohne Ersatz ist keine dritte Möglichkeit. Er entfernt ein Bauteil, das Teil der Typgenehmigung ist; das Fahrzeug entspricht danach nicht mehr dem genehmigten Zustand, fällt bei der technischen Prüfung durch und ist im Strassenverkehr nicht zugelassen. Wer ein Fahrzeug ansieht, bei dem die Vorgeschichte nach Filter klingt und der Bereich unter dem Fahrzeug nach frischer Arbeit aussieht, fragt danach.

Die ehrlichste Schlussfolgerung betrifft die Wahl des Fahrzeugs: Wer überwiegend kurze Strecken fährt, kauft mit einem Diesel eine Technik, die auf das Gegenteil ausgelegt ist. Das ist keine Schwäche des Motors, sondern eine Frage der Passung.

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