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Die Probefahrt: was du in welcher Reihenfolge prüfst
11 Min. Lesezeit
Die meisten Probefahrten prüfen, ob ein Fahrzeug gefällt, und das steht nach einer Minute fest. Die teuren Fragen beantwortet nur eine Fahrt, die dafür gebaut ist — fünf Streckenarten, eine feste Reihenfolge, das Radio aus.
Vorher: Versicherung und Erlaubnis
Zwei Fragen gehören ans Telefon, nicht auf den Parkplatz. Erstens: Ist das Fahrzeug zugelassen und versichert, und deckt die Versicherung eine Fahrt durch mich? Bei einem privaten Verkäufer ist in der Regel jeder Fahrer mitversichert, der das Fahrzeug mit Erlaubnis des Halters führt, aber die Bedingungen unterscheiden sich, und der Halter sollte die seinen kennen. Zweitens: Wer trägt einen Schaden während der Fahrt, und wie hoch ist der Selbstbehalt?
Beim Händler ist das geregelt; er lässt sich den Führerausweis zeigen und hat für Probefahrten eine Deckung. Beim privaten Verkäufer ist es nicht geregelt, und genau deshalb ist die Frage vorher wichtig — nicht aus Formalismus, sondern weil eine offene Frage nach einem Schaden ein Streit ist, den beide Seiten verlieren.
Und die dritte Vorbedingung: Der Motor muss kalt sein. Vereinbare den Termin so, dass das Fahrzeug seit Stunden steht, und sag es dazu. Ein Verkäufer, der «zum Aufwärmen schon mal vorgefahren» ist, hat dir die Hälfte der Fahrt genommen — dann verschiebst du den Termin, statt zu fahren.
Die Strecke entwerfen
Eine brauchbare Probefahrt dauert zwanzig bis dreissig Minuten und enthält fünf Streckenarten, weil jede etwas anderes hörbar macht. Wer sie dem Verkäufer überlässt, fährt die Runde, die er kennt, und die enthält erfahrungsgemäss keine schlechte Strasse. Sieh dir die Umgebung vorher auf der Karte an und nenne die Route, statt sie dir nennen zu lassen.
Das Radio bleibt aus, das Fenster einen Spalt offen, das Gebläse auf der kleinsten Stufe. Wer während der Fahrt redet, hört nichts; deshalb ist eine Begleitung nützlich, die die Fragen stellt, während du fährst. Und fahr die letzten Minuten mit warmem Motor noch einmal langsam, weil manche Geräusche erst warm auftreten und andere nur kalt.
- Parkplatz: Lenkung, Antriebswellen, Bremse im Stand, Bedienung von allem, was Strom braucht.
- Stadt: Kupplung, Getriebe im kalten Zustand, Bremsen bei kleinem Tempo, Fahrwerk über Kanaldeckel.
- Schlechte Strasse: Poltern, Klappern, Knarzen — die Geräusche, die auf Asphalt nicht entstehen.
- Landstrasse: Last auf dem Motor, Durchzug, Getriebe unter Zug, Kurvenverhalten.
- Autobahn oder Schnellstrasse: Geradeauslauf, Vibrationen nach Geschwindigkeitsbereich, Windgeräusche, Bremsung aus höherem Tempo.
Phase eins: der Parkplatz
Fahr im Schritttempo eine enge Acht, in beide Richtungen, mit vollem Lenkeinschlag, die Fenster offen. Ein regelmässiges Knacken im Takt der Räder kommt von den Gelenken der Antriebswellen; ein Ächzen beim Einschlagen im Stand deutet auf die Lenkung oder ihre Hilfe hin. Beides hörst du auf der Strasse nicht mehr.
Danach die Bremse im Stand: Tritt sie fest und bleibt das Pedal stehen? Ein Pedal, das unter gleichbleibendem Druck langsam nachgibt, ist ein Befund und kein Gefühl. Zieh die Handbremse oder aktiviere die elektrische Feststellbremse an einer Steigung und prüfe, ob sie hält. Leg den Rückwärtsgang ein und fahr ein Stück — Geräusche beim Rückwärtsfahren haben eigene Ursachen.
Zum Schluss der Phase alles bedienen, was Strom braucht, und zwar jedes einzeln: alle Fensterheber, Spiegel, Sitzverstellung, Sitzheizung, Heckscheibenheizung, Scheibenwischer in allen Stufen, Warnblinker, Fernlicht, Nebelschlussleuchte, Innenbeleuchtung, alle Türschlösser mit der Fernbedienung und mit dem Schlüssel. Diese fünf Minuten finden mehr kleine Mängel als der Rest der Fahrt.
Phase zwei: Stadttempo
Im Stadtverkehr geht es um die Übertragung der Kraft und um alles, was kalt anders ist als warm. Beim Schaltgetriebe: Wo greift die Kupplung, und lässt sich die Drehzahl im höheren Gang bei starkem Gas anheben, ohne dass die Geschwindigkeit folgt? Das ist der klassische Test auf eine rutschende Kupplung, und er dauert zwei Sekunden.
Beim Automatikgetriebe zählt das Verhalten in den ersten Minuten. Ein Ruck beim Einlegen der Fahrstufe, ein spürbarer Schlag beim Hochschalten, eine Gedenksekunde beim Anfahren und ein Wechsel, der im kalten Zustand hart und im warmen weich ist — all das sind Befunde und keine Eigenarten der Baureihe. Bei Doppelkupplungsgetrieben gehört ein leichtes Rucken beim Kriechen im Stau zum Prinzip; ein Schlagen beim Lastwechsel nicht.
Dazu die Bremse bei kleinem Tempo: Pulsiert das Pedal, sind die Scheiben unrund. Zieht das Fahrzeug beim Bremsen zur Seite, arbeitet eine Seite nicht. Und schalt an einer geraden Stelle die Klimaanlage auf kälteste Stufe, warte zwei Minuten und fass die Luft an — danach das Gegenteil auf volle Heizleistung. Beides muss schnell und deutlich passieren.
Phase drei: die schlechte Strasse
Eine Strasse mit Flickstellen, Kopfsteinpflaster oder Querrillen ist der wichtigste Abschnitt der Fahrt, weil das Fahrwerk dort arbeiten muss. Fahr sie langsam, mit offenem Fenster, und achte auf die Art des Geräusches statt auf seine Lautstärke. Ein metallisches Klackern über kurze Wellen kommt häufig von den Koppelstangen des Stabilisators und ist eine kleine Reparatur; ein dumpfer Schlag über eine einzelne Kante deutet auf Lager oder Dämpfer.
Ein Knarzen, das mit der Verwindung der Karosserie kommt und geht, ist ein anderes Kaliber. Es kann von einer Verkleidung stammen — dann ändert es sich, wenn jemand dagegen drückt — oder von der Struktur, und dann gehört das Fahrzeug auf eine Hebebühne, bevor irgendetwas anderes besprochen wird.
Prüfe auf demselben Abschnitt, ob das Fahrzeug bei losgelassenem Lenkrad geradeaus läuft, sofern die Strecke das gefahrlos zulässt. Ein Zug zur Seite kann an der Spur liegen, an ungleichen Reifen oder an einem Bremssattel — in jedem Fall ist es eine Position auf deiner Liste und keine Eigenschaft der Strasse.
Phase vier: Last auf dem Motor
Auf einer freien Landstrasse gibst du dem Motor Arbeit: aus niedriger Drehzahl im hohen Gang kräftig beschleunigen, das Ganze zwei- bis dreimal. Dabei hörst du auf ein metallisches Klingeln unter Last, spürst Löcher im Durchzug und siehst im Rückspiegel, ob Rauch kommt. Blau heisst Öl, schwarz heisst zu fettes Gemisch, weiss kann Kühlwasser sein — und ein kurzer Schleier beim Kaltstart ist bei manchen Motoren normal.
Beim Turbomotor gehört ein Aufbau des Drucks dazu, kein Pfeifen, das mit der Last lauter wird. Beim Diesel mit Partikelfilter kann während der Fahrt eine Regeneration starten; erkennbar an einer erhöhten Leerlaufdrehzahl, einem laufenden Lüfter nach dem Abstellen und einem Geruch. Das ist kein Mangel — aber wenn der Verkäufer davon nichts weiss und das Fahrzeug nur Kurzstrecke gefahren ist, gehört der Filter auf die Liste.
Zum Getriebe unter Last: einmal voll durchtreten und den Rückschaltvorgang abwarten. Ein Automatikgetriebe darf dabei zügig und bestimmt schalten, aber nicht suchen. Und beim Schaltgetriebe alle Gänge einmal unter Zug fahren, auch den ersten und den Rückwärtsgang — ein Getriebe, das im zweiten Gang unter Last heult, heult im Schub nicht.
Phase fünf: hohes Tempo
Auf der Autobahn oder Schnellstrasse geht es um Vibrationen und um Geräusche, die es unterhalb dieser Geschwindigkeit nicht gibt. Ordne jede Vibration nach zwei Merkmalen: Bei welchem Tempo tritt sie auf, und wo spürst du sie? Ein Zittern im Lenkrad in einem bestimmten Geschwindigkeitsfenster kommt meist von der Unwucht eines Vorderrades; ein Vibrieren im Sitz von hinten. Verschwindet die Vibration bei höherem Tempo wieder, ist das typisch für eine Unwucht und untypisch für ein Radlager.
Ein Radlager meldet sich als gleichmässiges Summen, das mit dem Tempo lauter wird und sich beim leichten Lenken nach links oder rechts verändert — eine sanfte Kurve verlagert die Last auf eine Seite, und genau dann wird es lauter oder leiser. Windgeräusche, die aus einer einzigen Richtung kommen, deuten auf eine Türdichtung oder eine Scheibe, die nach einer Reparatur nicht richtig sitzt.
Zum Schluss, auf freier und trockener Strecke mit niemandem hinter dir, eine kräftige Bremsung aus höherem Tempo, und danach noch eine. Das Fahrzeug muss geradeaus bleiben, das Pedal darf nicht pulsieren, und beim zweiten Mal darf der Druckpunkt nicht merklich weiter unten liegen. Wandert er nach unten, ist das ein Grund, die Fahrt zu beenden und die Bremse prüfen zu lassen.
Nach der Fahrt: der warme Zustand
Der aufschlussreichste Teil kommt, wenn die Fahrt vorbei ist. Stell das Fahrzeug ab, lass den Motor im Leerlauf laufen und geh einmal herum. Riech mit der Nase nahe an der Motorhaube: süsslich heisst Kühlmittel, beissend heisst Öl auf dem heissen Krümmer, scharf heisst Kupplung oder Bremse. Sieh unter das Fahrzeug, ob etwas tropft, und merk dir die Stelle.
Danach die Motorhaube öffnen — vorsichtig, das Kühlsystem steht unter Druck. Am Ausgleichsbehälter interessiert der Stand und die Farbe; ein öliger Film darin ist ein schwerer Befund. Am Öleinfülldeckel interessiert die Unterseite: eine hellbraune, schaumige Ablagerung kann von reiner Kurzstrecke kommen oder von Kühlmittel im Öl, und der Unterschied ist die teuerste Frage des Tages.
Zum Abschluss der Neustart im warmen Zustand. Ein Anlasser, der warm schwer dreht, und eine Rauchwolke beim zweiten Start des Tages sind Befunde, die der kalte Start nicht zeigt. Und sieh noch einmal auf das Kombiinstrument: Ist während der Fahrt eine Leuchte hinzugekommen, die vorher nicht da war?
Die Liste und was daraus wird
Schreib während der Fahrt nichts auf, aber danach sofort alles: jeden Befund mit der Phase, in der er aufgetreten ist, und mit der Bedingung — kalt oder warm, unter Last oder im Schub, bei welchem Tempo. Diese Zuordnung ist das, was eine Werkstatt braucht, und sie ist nach zwei Stunden verschwunden.
Aus dieser Liste werden zwei Dinge. Erstens Positionen für die Verhandlung, aber nur die, für die du eine Offerte einholen kannst — wie das geht, steht im Beitrag zum Verhandeln. Zweitens der Auftrag an die Werkstatt, wenn du das Fahrzeug prüfen lässt: Eine gezielte Frage nach einem Geräusch, das du beschreiben kannst, führt schneller zum Befund als die Bitte, «mal alles durchzusehen».
- Sofort abbrechen: Bremsdruckpunkt wandert, Lenkung hat Spiel, Warnleuchte für Motor oder Bremse kommt während der Fahrt.
- Auf die Hebebühne, bevor weiter verhandelt wird: Knarzen aus der Struktur, Zug beim Bremsen, dumpfe Schläge vorn.
- Notieren und beziffern: Vibration in einem Geschwindigkeitsfenster, Klackern beim Lenkeinschlag, Klimaanlage ohne Wirkung.
- Nachfragen statt werten: einmaliges Ruckeln, ein Geräusch, das nicht wiederkommt, eine Meldung, die sich löschen lässt.