Alltag
Was ins Auto gehört — und was das Gesetz dort verlangt, wo du fährst
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Es gibt keine europäische Pflichtausrüstung. Es gibt zwanzig nationale Listen, die sich überschneiden, aber nicht decken — und daneben eine zweite Liste, die niemand vorschreibt und die im Ernstfall mehr hilft.
Zwei verschiedene Listen
Die eine Liste enthält, was mitgeführt werden muss. Sie ist kurz, sie ist national geregelt, und sie wird am Strassenrand kontrolliert. Die andere enthält, was tatsächlich hilft, wenn etwas passiert. Sie ist länger, niemand prüft sie, und sie überschneidet sich mit der ersten weniger, als man erwartet.
Beide zusammen ergeben eine Tasche, die immer an derselben Stelle liegt. Der Rest dieses Beitrags erklärt, warum diese Tasche nicht aus einer im Internet gefundenen Aufzählung entsteht, sondern aus zwei Fragen: Durch welche Länder fahre ich, und was braucht genau dieses Auto?
Die Pflichtausrüstung ist eine Landesfrage
Es gibt Gegenstände, die in dem einen Land vorgeschrieben und im Nachbarland nicht einmal empfohlen sind. Manche Vorschriften gelten nur für Fahrzeuge, die in diesem Land zugelassen sind, andere für jedes Fahrzeug auf der Strasse — dieser Unterschied ist der, der Reisende am häufigsten überrascht. Und einige greifen nur in einer Jahreszeit oder nur auf beschilderten Strecken.
Welche Art von Gegenstand überhaupt irgendwo verlangt wird, lässt sich aufzählen; welche davon für deine Route gilt, nicht. Verbindlich ist die Strassenverkehrsbehörde oder der Automobilclub des jeweiligen Landes — und zwar für jedes Land, durch das du fährst, auch für das, das du nur durchquerst. Ein Transitland zählt vollständig mit.
Die Kontrolle findet am Strassenrand statt, und ein fehlender Gegenstand kann die Fahrt dort beenden, wo er fehlt. Die Höhe eines Bussgeldes ist dabei die uninteressanteste Grösse: Sie ändert sich, sie unterscheidet sich, und sie ist fast immer kleiner als das, was eine unterbrochene Reise kostet.
- Warndreieck — in manchen Ländern eines, in anderen zwei, in einzelnen gar keines.
- Warnweste — mancherorts für alle Insassen, und teils ausdrücklich griffbereit im Innenraum statt im Kofferraum.
- Verbandkasten, häufig mit einem Verfallsdatum auf dem Inhalt.
- Ersatzlampen, Feuerlöscher, Alkoholtester — jeweils irgendwo vorgeschrieben und anderswo nicht.
- Winterausrüstung: Reifen mit bestimmter Kennzeichnung, Schneeketten, teils nur situativ oder auf beschilderten Strassen.
- Umweltplakette, Mautvignette oder Mautgerät — zu beschaffen bei der offiziellen Ausgabestelle, nicht am Rastplatz.
Was du brauchst, wenn tatsächlich etwas passiert
Diese Liste steht in keiner Vorschrift und ist die, die zählt. Sie beantwortet drei Situationen: Du stehst im Dunkeln am Strassenrand, du wartest länger als gedacht, oder du musst etwas dokumentieren. Alles darin ist klein, billig und liegt jahrelang unbenutzt herum.
Zwei Dinge daraus werden regelmässig unterschätzt. Das erste ist eine Taschenlampe mit eigener Batterie — das Telefon ist in genau der Situation, in der du Licht brauchst, das Gerät, dessen Akku du für den Anruf aufsparst. Das zweite ist Papier: die Nummern der Pannenhilfe, der Police und der Versicherung, ausgedruckt, weil ein leeres Telefon keine Nummern kennt.
- Eine Warnweste pro Person, im Innenraum erreichbar, nicht im Kofferraum.
- Taschenlampe mit eigener Batterie, Powerbank und ein Ladekabel, das zu deinem Telefon passt.
- Der Europäische Unfallbericht und ein Stift, der schreibt — beides im Handschuhfach, beides vor der Reise geprüft.
- Kopien oder Fotos von Zulassungsunterlagen und Versicherungsbestätigung, auf dem Telefon und auf Papier.
- Wasser, eine warme Schicht und eine Rettungsdecke — für die Wartezeit, nicht für den Unfall.
- Einweghandschuhe und ein Lappen. Wer je im Dunkeln einen Ölstand gemessen hat, weiss warum.
Das Zeug, das nur zu diesem Auto passt
Es gibt eine dritte Kategorie, die in keiner allgemeinen Liste vorkommen kann, weil sie für jedes Fahrzeug anders aussieht. Sie ist die, an der eine Panne scheitert: Werkzeug, das zum Auto gehört, und Angaben, die nur für dieses Auto gelten.
Den Punkt, den fast alle übersehen: die Abschleppöse. Bei modernen Fahrzeugen ist sie ein einschraubbares Teil, sie liegt an einer bestimmten Stelle, und die Aufnahme dafür ist hinter einer Abdeckung im Stossfänger versteckt, die man kennen muss. Such beides einmal im Trockenen, nicht auf dem Pannenstreifen.
- Der Schlüssel für die Felgenschlossmutter, und der Radschlüssel, der zu diesen Schrauben passt.
- Wagenheber mit der richtigen Aufnahme, und das Wissen, wo die Aufnahmepunkte am Unterboden liegen.
- Reserverad oder Pannenset — beim Pannenset mit Blick auf das Ablaufdatum der Dichtmittelflasche und darauf, ob der Kompressor funktioniert.
- Die Abschleppöse und das Werkzeug, mit dem sich die Abdeckung öffnen lässt.
- Ein kleiner Vorrat Motoröl in der Freigabe, die dein Motor verlangt — nicht irgendein Öl aus dem Regal einer Tankstelle.
- Aufgeschrieben: Lampentyp, Anzugsmoment der Radschrauben, Reifendruck leer und beladen, Radiocode.
Was im Winter dazukommt
Eiskratzer und ein Besen, der bis aufs Dach reicht — Schnee auf dem Dach ist beim ersten kräftigen Bremsen auf der Windschutzscheibe, und in vielen Ländern ist ein nicht freigeräumtes Fahrzeug ausdrücklich unzulässig. Dazu Enteiser, Handschuhe, und dort, wo es wirklich schneit, eine kleine Schaufel.
Schneeketten braucht, wer in Regionen fährt, in denen sie vorgeschrieben werden können. Wichtiger als der Besitz ist die Übung: Ketten werden einmal zu Hause im Trockenen aufgezogen, bei Tageslicht, in Ruhe. Das erste Mal im Dunkeln an einer Steigung mit einer Schlange hinter sich ist der falsche Zeitpunkt zum Lernen.
Und das Scheibenwasser: Es muss für die Temperatur gemischt sein, bei der du tatsächlich fährst, nicht für die zu Hause. Eine gefrorene Waschanlage ist im Winter ein Sichtproblem und kein Komfortproblem — Salzschleier auf der Scheibe gegen die tiefstehende Sonne nimmt die Sicht vollständig.
Was nicht ins Auto gehört
Jeder schwere Gegenstand im Innenraum, der nicht befestigt ist, wird bei einer Vollbremsung zu einem Geschoss. Das gilt für den Feuerlöscher, der lose im Kofferraum rollt, genauso wie für das Werkzeug im Fussraum. In einem Kombi oder SUV mit umgelegten Sitzen gibt es keine Trennwand zwischen Ladung und Köpfen — dort gehören ein Netz oder ein Trenngitter hin.
Nicht ins Auto gehören ausserdem Druckbehälter und alles, was Hitze schlecht verträgt: Spraydosen und Feuerzeuge in einem Fahrzeug, das in der Sonne steht, und Akkus, die sich im Innenraum eines heissen Autos aufheizen. Ein Auto in der Sonne wird deutlich wärmer als die Luft draussen, und das über Stunden.
Und zwei Dinge aus Gründen, die nichts mit Technik zu tun haben. Der Zweitschlüssel fährt nie im Auto mit. Und Dokumente, die eine Adresse nennen, zusammen mit dem Garagentoröffner im selben Fahrzeug, sind eine Einladung — wer beides trennt, trennt auch das Risiko.
Ordnung, die im Ernstfall funktioniert
Eine Tasche, immer am selben Platz, zweimal im Jahr geprüft — am besten dann, wenn ohnehin die Räder gewechselt werden. Das ist der ganze Trick: Die Prüfung hängt an einem Termin, den es sowieso gibt, und fällt deshalb nicht aus.
Geprüft werden dabei die Dinge mit Datum: der Verbandkasten, die Dichtmittelflasche des Pannensets, der Feuerlöscher, die Batterien in Taschenlampe und Powerbank. Und der Stift im Handschuhfach, der nach zwei Jahren Hitze zuverlässig nicht mehr schreibt.
Die eine Prüfung vor der Grenze
Vor einer Reise ins Ausland beantwortet man drei Fragen, und zwar für jedes Land auf der Strecke: Was muss ich mitführen? Was darf ich nicht mitführen oder nicht benutzen — manche Länder untersagen Radarwarner, andere beschränken den Betrieb einer Dashcam. Und welche Vignette, Plakette oder Mautlösung brauche ich, und wo ist die offizielle Ausgabestelle?
Diese drei Fragen kosten zusammen eine Viertelstunde vor der Abfahrt. Die Antworten holt man bei den Behörden und Clubs der betreffenden Länder — sie sind die einzige Quelle, die sich mitändert, wenn sich eine Vorschrift ändert.