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Kaufen

Ein Auto kaufen, das du nie gesehen hast

10 Min. Lesezeit

Der Bestand europaweit ist gross, und das beste Angebot steht selten in der eigenen Stadt. Ein Fahrzeug aus der Ferne zu kaufen ist deshalb keine Verwegenheit, sondern eine Organisationsaufgabe — mit einer Reihenfolge, von der man nicht abweicht.

Wann sich der Aufwand lohnt

Der Fernkauf kostet Zeit, Geld und Nerven. Er lohnt sich, wenn der Unterschied gross genug ist, um beides zu tragen: bei seltenen Modellen und Ausstattungen, bei Fahrzeugen, die in einem anderen Markt systematisch günstiger sind, und bei Konfigurationen, die es in der eigenen Region schlicht nicht gibt. Bei einem Kompaktwagen mit gängiger Motorisierung lohnt er sich fast nie.

Rechne den Aufwand vorher aus und nicht danach: Anfahrt oder Transport, unabhängige Prüfung am Standort, Zulassungsformalitäten, gegebenenfalls Kurzzeitkennzeichen und Versicherung für die Überführung. Bleibt danach ein Vorteil von einigen hundert Euro, ist es kein Vorteil, sondern ein Risiko ohne Gegenwert.

Und trenne zwei Fälle, die oft vermischt werden: Der Kauf bei einem Händler in einem anderen Land ist ein Geschäft mit einem Unternehmen, das Ausfuhr und Papiere kennt und dem gegenüber du Rechte hast. Der Kauf bei einer Privatperson, die du nie gesehen hast, ist etwas anderes — dort trägst du fast alles selbst.

Was ein Videotermin leisten kann

Der Videotermin ersetzt die Besichtigung nicht, aber er ersetzt die Anfahrt zu einem Fahrzeug, das ohnehin nichts geworden wäre. Verlange einen Live-Anruf, keine zugeschickten Aufnahmen: Ein Video, das du nicht steuerst, zeigt genau das, was gezeigt werden soll. Vereinbare einen Termin am Morgen, damit der Motor kalt ist, und schick vorher eine kurze Liste dessen, was du sehen willst.

Dass der Anruf tatsächlich live ist, prüfst du beiläufig, indem du um etwas bittest, das niemand vorbereiten kann: die Kamera auf den Tacho und dann auf das Nummernschild schwenken, den Blinker rechts setzen, die Motorhaube öffnen und den Ölmessstab ziehen, während du zusiehst. Wer das nicht kann oder nicht will, spart dir die Reise.

  • Kaltstart mit Ton, Kamera auf den Auspuff, dann auf das Kombiinstrument: Welche Leuchten gehen an, welche erlöschen?
  • Langsame Fahrt einmal rundherum, Kamera flach an der Flanke entlang, damit Spiegelungen die Wellen im Blech zeigen.
  • Fahrgestellnummer im Motorraum oder an der Scheibe, danach dieselbe Nummer im Fahrzeugausweis — in einer durchgehenden Aufnahme.
  • Reifenflanken mit DOT-Nummer, alle vier. Profil und Datum sagen mehr als jede Zustandsbeschreibung.
  • Kofferraumboden angehoben, Teppich im Fussraum angehoben, Innenraum ohne Weichzeichner bei Tageslicht.
  • Serviceheft Seite für Seite und die Rechnungen der letzten Jahre.

Die unabhängige Prüfung am Standort

Das ist der wichtigste Schritt des ganzen Verfahrens und der einzige, der nicht ersetzt werden kann. Beauftrage eine Werkstatt in der Nähe des Fahrzeugs — nicht die des Verkäufers und nicht eine, die er vorschlägt. Du bezahlst die Prüfung, du bekommst den Bericht, und der Verkäufer stellt nur das Fahrzeug bereit.

Sag beim Auftrag genau, was du brauchst, sonst bekommst du eine allgemeine Zustandsnotiz. Verlangt werden sollten: Messung der Lackschichtdicke an jedem Blech einzeln, Prüfung auf der Hebebühne mit Fotos von Unterboden, Schwellern und Federbeindomen, Auslesen des Fehlerspeichers mit Ausdruck, eine Probefahrt mit Bericht und bei einem Elektrofahrzeug ein Zustandsbericht des Antriebsakkus.

Ein Verkäufer, der eine solche Prüfung ablehnt, hat damit alle weiteren Fragen beantwortet. Ein Verkäufer, der sie ermöglicht, hat einen Vertrauensvorschuss verdient — und in aller Regel auch ein Fahrzeug, das die Prüfung besteht.

Die Papiere vor dem Geld

Bevor irgendetwas unterschrieben wird, brauchst du vier Dinge als lesbare Aufnahme: beide Teile der Zulassungsbescheinigung beziehungsweise den Fahrzeugausweis, die Fahrgestellnummer am Fahrzeug, den letzten Prüfbericht und — bei einem privaten Verkäufer — den Ausweis der Person, mit der du sprichst. Die Namen müssen zusammenpassen.

Stimmt der Name im Ausweis nicht mit dem des eingetragenen Halters überein, ist das nicht automatisch ein Betrug, aber es ist eine offene Frage, die vor der Zahlung beantwortet sein muss: eine schriftliche Vollmacht, ein Erbschein, eine Firma, für die jemand handelt. Ohne Antwort geht kein Geld.

Fehlt der Teil der Papiere, der das Eigentum dokumentiert, ist der häufigste Grund eine laufende Finanzierung — die Bank hält ihn. Ein Fahrzeug in dieser Lage lässt sich kaufen, aber nur mit der Bank im Ablauf und nie durch eine Zahlung an den Verkäufer allein.

Bezahlen ist der gefährlichste Teil

Die Grundregel ist kurz: Geld und Fahrzeug wechseln gleichzeitig den Besitzer. Jede Abweichung davon ist eine Konstruktion, die jemand vorgeschlagen hat, und dieser Jemand war nicht du. Vorkasse an eine Privatperson, die du nie getroffen hast, gibt es nicht — auch nicht als Anzahlung, auch nicht als Reservierung, auch nicht als Nachweis des ernsthaften Interesses.

Praktikabel sind zwei Wege. Erstens: Du fährst hin, siehst das Fahrzeug, unterschreibst den Vertrag und überweist vom Handy in der Filiale des Verkäufers oder übergibst den Betrag bei der Bank. Zweitens: Der Verkäufer ist ein Unternehmen mit Handelsregistereintrag, stellt eine Rechnung auf diese Firma aus und liefert gegen Zahlung — das ist ein Geschäftsvorgang mit einem greifbaren Gegenüber.

Was es bei Carvexia nicht gibt, sollte man deutlich sagen: keine Treuhand, keine Zahlungsabwicklung, keine Reservierung eines Fahrzeugs und keine Prüfung der Historie. Der Marktplatz führt Angebot und Nachfrage zusammen und ist nicht Partei des Kaufvertrags. Wer dir im Namen eines Marktplatzes eine Zahlungsabwicklung anbietet, bietet dir etwas an, das es hier nicht gibt.

Übergabe, Transport, Überführung

Es gibt zwei Wege, das Fahrzeug nach Hause zu bringen, und sie unterscheiden sich im Risiko. Selbst fahren heisst: Du siehst das Fahrzeug bei der Übernahme, prüfst es auf der ersten Strecke und merkst sofort, wenn etwas nicht stimmt. Dafür brauchst du eine Zulassung für die Fahrt — Ausfuhr- oder Kurzzeitkennzeichen, je nach Land — und eine Versicherung, die diese Fahrt deckt. Beides organisierst du vor der Abreise, nicht am Übergabetag.

Transport auf dem Lastwagen ist bequemer und teurer und verschiebt das Risiko: Du siehst das Fahrzeug erst, wenn es bei dir steht, und dann ist der Vertrag längst geschlossen. Deshalb gehört in diesen Fall ein schriftlicher Zustandsbericht mit Fotos vor dem Verladen, erstellt von der Werkstatt, die geprüft hat, und ein Frachtpapier, das den Zustand bei Übernahme festhält. Transportschäden sind sonst nicht zuzuordnen.

Beim Fahrzeug aus einem Drittstaat kommt die Einfuhr dazu: Anmeldung, Einfuhrabgaben nach dem Fahrzeugwert und die technische Prüfung im Zielland. Reihenfolge und zuständige Stellen stehen im Länderführer; die aktuellen Sätze nennt die jeweilige Zollverwaltung und niemand sonst.

Was ein Händler an Rechten mitbringt

Wird der Vertrag mit einem Unternehmen ausschliesslich über Fernkommunikationsmittel geschlossen — Telefon, E-Mail, Formular —, gilt in der Europäischen Union das Recht der Fernabsatzverträge. Dazu gehört ein Widerrufsrecht des Verbrauchers innerhalb einer gesetzlich bestimmten, kurzen Frist. Wie lange sie genau läuft, wann sie zu laufen beginnt und welche Ausnahmen gelten, sagt dir die Verbraucherzentrale beziehungsweise die zuständige Stelle im Land des Verkäufers.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens fällt ein Vertrag, der beim Händler vor Ort unterschrieben wird, nicht darunter, auch wenn alles davor per E-Mail lief. Zweitens ist ein Widerruf bei einem Fahrzeug nicht kostenlos: Der Rücktransport ist deine Sache, und für die gefahrenen Kilometer kann ein Wertersatz anfallen.

Praktisch heisst das: Das Widerrufsrecht ist ein Netz, kein Plan. Es ersetzt die Prüfung vor dem Kauf nicht, aber es macht den Kauf bei einem gewerblichen Verkäufer über die Grenze deutlich berechenbarer als beim privaten.

Die Gründe, sofort abzubrechen

Die folgenden Punkte sind keine Verhandlungsthemen. Jeder einzelne beendet das Geschäft, und zwar unabhängig davon, wie gut das Fahrzeug aussieht und wie plausibel die Erklärung klingt. Das ist keine Strenge, sondern Arbeitsersparnis: Wer einmal anfängt, Ausnahmen zu machen, macht sie beim nächsten Punkt wieder.

Die Liste ist in der Reihenfolge notiert, in der die Punkte im Ablauf auftauchen. Wer sie vor dem ersten Telefonat liest, erkennt sie im Gespräch wieder — und muss sie nicht hinterher aus der Erinnerung rekonstruieren, wenn das Geld schon unterwegs ist.

  • Ein Live-Videotermin kommt nicht zustande, mit welcher Begründung auch immer.
  • Eine unabhängige Prüfung durch eine Werkstatt deiner Wahl wird abgelehnt.
  • Irgendein Betrag soll vor der Übergabe fliessen — Anzahlung, Reservierung, Transportkosten, Gebühr.
  • Die Zahlung soll an ein Konto gehen, dessen Inhaber nicht der Verkäufer ist, oder in ein Land ohne Bezug zum Fahrzeug.
  • Es wird eine Abwicklung über einen Dritten angeboten, den der Verkäufer ausgesucht hat.
  • Der Verkäufer ist nicht der Halter und kann das nicht schriftlich erklären.
  • Das Gespräch soll in einen Messenger umziehen und die Nummer im Inserat ist nicht erreichbar.
  • Es wird Eile erzeugt: ein anderer Interessent, eine ablaufende Frist, ein Termin am selben Abend.

Der Tag der Übergabe

Nimm jemanden mit, plan Tageslicht ein und rechne mit zwei Stunden. Zuerst die Papiere und die Fahrgestellnummer, dann ein Abgleich des Fahrzeugs mit dem Prüfbericht — nicht noch einmal alles prüfen, sondern die Punkte des Berichts nachvollziehen und schauen, ob seither etwas hinzugekommen ist. Danach der Vertrag, danach das Geld, danach die Schlüssel.

In den Vertrag gehören dieselben Punkte wie bei jedem anderen Kauf, plus zwei, die nur hier auftreten: der Zustand bei der Übergabe mit Bezug auf den Prüfbericht und das Datum, zu dem das Fahrzeug abgemeldet wird. Und der Preis, der wirklich bezahlt wird — ein niedrigerer Betrag im Vertrag rächt sich spätestens bei der Einfuhr, wo dieser Vertrag als Wertnachweis dient.

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