Import
Überführung: Kurzzeitkennzeichen, Ausfuhrkennzeichen oder Anhänger
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Zwischen dem Handschlag beim Verkäufer und der eigenen Einfahrt liegen ein paar hundert Kilometer, auf denen das Fahrzeug dir gehört, aber nirgends angemeldet ist. Welche der Möglichkeiten die richtige ist, entscheidet nicht der Preis, sondern die Frage, wessen Versicherung auf dieser Strecke einspringt.
Die Frage hinter der Frage
Ein Fahrzeug, das im Verkaufsland abgemeldet wird, verliert damit auch seine Haftpflichtversicherung. Von diesem Moment an ist es ein Gegenstand, der auf öffentlichen Strassen nichts zu suchen hat, bis irgendjemand wieder einen Versicherungsschutz und ein Kennzeichen dafür beschafft. Alles, was danach kommt, ist eine Antwort auf genau dieses Loch.
Die Kostenfrage ist zweitrangig und wird trotzdem zuerst gestellt. Sie ist auch die falsche Frage: Ein Schaden ohne gültige Versicherung kostet ein Vielfaches dessen, was die teuerste Variante gekostet hätte, und eine Kontrolle an der Grenze ohne gültiges Kennzeichen beendet die Fahrt an Ort und Stelle.
Deshalb die Reihenfolge in diesem Beitrag: erst was die einzelnen Wege versicherungsrechtlich abdecken, dann was sie praktisch verlangen, und erst zuletzt, welcher davon sich für welche Strecke rechnet.
Das Kurzzeitkennzeichen und wofür es gedacht ist
Das deutsche Kurzzeitkennzeichen ist für Probe- und Überführungsfahrten gedacht und nur wenige Tage gültig; das Ablaufdatum steht auf dem Schild selbst. Beantragt wird es bei einer deutschen Zulassungsstelle, und verlangt werden eine elektronische Versicherungsbestätigung, die Fahrzeugpapiere und ein gültiger Nachweis der Verkehrssicherheit.
Die Einschränkung, an der die meisten Pläne scheitern, steckt nicht im Kennzeichen, sondern in der Versicherung dahinter. Viele dieser Policen gelten räumlich begrenzt, und die Grenzen sind in der Bestätigung aufgeführt. Wer damit ins Ausland fährt, ohne dass das Zielland dort steht, fährt unversichert — und merkt es erst, wenn etwas passiert ist.
Praktisch heisst das: Das Kurzzeitkennzeichen ist der richtige Weg für eine Fahrt innerhalb Deutschlands, etwa vom Verkäufer zur Prüfstelle, oder über eine Grenze, sofern die Police das ausdrücklich deckt. Frag den Versicherer vor der Buchung, welche Staaten in der Bestätigung stehen, und lass dir die Antwort schriftlich geben.
Das Ausfuhrkennzeichen: der Weg, der für die Grenze gemacht ist
Das Ausfuhrkennzeichen — am roten Feld auf der rechten Seite erkennbar — wird ausgegeben, wenn ein Fahrzeug dauerhaft aus dem Land gebracht wird. Genau das ist bei einem Import der Fall, und deshalb ist es der saubere Weg. Es kommt mit einer Versicherung, die auf den Zweck zugeschnitten ist, und seine Gültigkeit reicht als Grössenordnung von einigen Monaten bis rund ein Jahr.
Beantragt wird es bei der Zulassungsstelle am bisherigen Standort. Gebraucht werden Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II, eine gültige Hauptuntersuchung, die Versicherungsbestätigung für die Ausfuhr und dein Ausweis. Die alten Schilder bleiben da; entstempelt werden sie im selben Vorgang, und damit endet im Verkaufsland auch die Steuerpflicht.
Der entscheidende Unterschied zum Kurzzeitkennzeichen liegt in der Versicherungsbestätigung. Sie nennt ausdrücklich die Staaten, für die der Schutz gilt, und für eine Ausfuhr gehört das Zielland selbstverständlich dazu. Lies die Liste trotzdem, bevor du losfährst — besonders dann, wenn die Strecke durch weitere Staaten führt, die weder Start noch Ziel sind.
Der Anhänger: kein Kennzeichen, kein Problem
Wer das Fahrzeug auf einen Autotransportanhänger stellt, braucht für das Fahrzeug selbst gar kein Kennzeichen und keine Versicherung — es ist Ladung. Das ist der einzige Weg, der auch bei einem nicht fahrbereiten Fahrzeug funktioniert, und der einzige, bei dem ein technischer Mangel unterwegs kein Risiko ist.
Dafür verlagert sich der Aufwand auf das Zugfahrzeug und auf dich. Entscheidend ist die zulässige Gesamtmasse der Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger: Sie bestimmt, ob deine Fahrerlaubnis reicht oder ob eine zusätzliche Klasse nötig ist. Welche Grenze für dich gilt, steht in deinem Führerschein und bei der Fahrerlaubnisbehörde — und sie ist bei beladenem Anhänger schneller erreicht, als die meisten schätzen.
- Die Anhängelast des Zugfahrzeugs — gebremst und ungebremst — steht in seinen Papieren und ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze.
- Zurrgurte gehören über die Räder, nicht über Karosserieteile, und werden nach der ersten Stunde nachgezogen.
- Für Gespanne gelten eigene Höchstgeschwindigkeiten; sie unterscheiden sich zwischen den Staaten, durch die du fährst.
- Fähren, Tunnel und manche Mautstrecken rechnen ein Gespann in eine andere Klasse ein als ein einzelnes Fahrzeug.
- Verbrauch und Fahrzeit steigen deutlich. Eine Strecke, die allein an einem Tag zu schaffen ist, ist es mit Anhänger oft nicht.
Die vierte Möglichkeit: jemanden fahren lassen
Eine Spedition für Fahrzeugtransporte holt das Auto beim Verkäufer ab und stellt es vor deine Tür. Der Preis richtet sich nach Strecke, Gewicht und danach, ob das Fahrzeug rollt und lenkbar ist. Angeboten wird das sowohl als Einzelfahrt als auch als Mitnahme auf einem bereits geplanten Transport — die zweite Variante ist deutlich günstiger und dauert länger.
Zwei Punkte gehören in die Beauftragung. Erstens: Wie ist das Fahrzeug während des Transports versichert, mit welcher Summe und gegen welche Schäden? Zweitens: Wer nimmt das Fahrzeug beim Verkäufer entgegen und mit welchem Protokoll? Ein Übergabeprotokoll mit Fotos, unterschrieben von Fahrer und Verkäufer, ist der einzige Beleg, der später zwischen Transportschaden und Vorschaden unterscheidet.
Für einen Kauf, den du nicht selbst besichtigt hast, ist die Spedition trotzdem der schlechtere Weg — nicht wegen des Transports, sondern weil du das Fahrzeug erst siehst, wenn es bezahlt und abgeladen ist. Wer nicht selbst hinfährt, sollte wenigstens eine unabhängige Untersuchung vor Ort beauftragen.
Was auf der Fahrt mitgeht
Eine Überführung ist der einzige Teil des Imports, bei dem du mit einem Fahrzeug unterwegs bist, dessen Status ungewöhnlich ist. Entsprechend häufig wird kontrolliert, und entsprechend gut sollte die Mappe auf dem Beifahrersitz sein. Sie ist dieselbe, die du kurz darauf am Zollposten brauchst.
Von jedem Blatt gehört ein Foto auf dein Telefon. Das ersetzt kein Original, aber es rettet den Nachmittag, wenn eine Seite im Wind davonfliegt oder im falschen Ordner landet.
- Kaufvertrag oder Rechnung im Original, mit Preis, Fahrgestellnummer und Datum.
- Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II beziehungsweise die entsprechenden ausländischen Papiere.
- Die Versicherungsbestätigung zum Kennzeichen, auf der die abgedeckten Staaten stehen.
- Der letzte Prüfbericht — er entscheidet mit darüber, ob das Kennzeichen überhaupt ausgegeben wird.
- Dein Ausweis und, falls du für jemand anderen fährst, eine schriftliche Vollmacht.
- Die Übereinstimmungsbescheinigung, wenn sie vorhanden ist. Sie wird unterwegs nicht verlangt, aber danach sofort.
Die Zollstelle bestimmt den Fahrplan
Führt die Strecke in einen Staat ausserhalb des Binnenmarkts, ist die Fahrt keine reine Fahrt, sondern die Zeitplanung für eine Anmeldung. Der Zollposten muss besetzt sein, wenn du ankommst, und die Öffnungszeiten kleinerer Übergänge sind weder durchgehend noch überall gleich. Ein Anruf am Vortag ist der billigste Teil des ganzen Vorhabens.
Daraus folgt eine Reihenfolge, die viele erst beim zweiten Import beherzigen: Zuerst den Zollposten und seine Zeiten festlegen, dann die Abholung beim Verkäufer terminieren, dann die Kennzeichen beantragen. Wer in dieser Kette von hinten anfängt, hat am Ende ein Kennzeichen, das an einem Sonntag abläuft.
Innerhalb des Binnenmarkts entfällt die Abfertigung, die Zeitplanung aber nicht ganz: Das Kennzeichen läuft trotzdem ab, und die Zulassungsstelle im Zielland hat ebenfalls Öffnungszeiten und Wartefristen.
Welcher Weg sich wofür rechnet
Für eine Strecke innerhalb eines Staates und ein fahrbereites Fahrzeug ist das Kurzzeitkennzeichen der einfachste Weg, sofern die Police die Strecke deckt. Sobald eine Grenze im Spiel ist und das Fahrzeug dauerhaft dort bleibt, ist das Ausfuhrkennzeichen richtig — es ist für genau diesen Fall gebaut und erledigt die Abmeldung gleich mit.
Der Anhänger gewinnt in drei Lagen: bei einem Fahrzeug, das nicht fahrbereit ist, bei einem, dessen technischen Zustand du nicht beurteilen konntest, und bei einem Oldtimer, dem man tausend Kilometer am Stück nicht zumuten will. Die Spedition gewinnt, wenn die Strecke lang ist und deine Zeit teurer als ihr Preis.
Und eine Rechnung, die regelmässig unterschätzt wird: Selbst zu fahren ist nicht gratis. Anreise mit Bahn oder Mitfahrer, Kraftstoff, Maut, eine Übernachtung und ein verlorener Arbeitstag summieren sich schnell auf das, was ein Platz auf einem ohnehin fahrenden Transporter kostet — nur dass du danach müde bist und das Fahrzeug seine erste lange Fahrt bei dir hinter sich hat.