Allradantrieb
Allrad kostet an vier Stellen dauerhaft: an der Masse, am Verbrauch, an einem zweiten Satz Antriebsteile mit eigenen Wartungsintervallen und an den Reifen, die sich oft nur im Satz ersetzen lassen. Diese vier Posten fallen jeden Tag an, auch im Sommer und auch im Flachland. Dem steht gegenüber, was er zurückgibt — und das ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Ortsfrage: steile oder unbefestigte Zufahrt, im Winter nicht geräumte Strassen, regelmässiger Anhängerbetrieb, Wiederverkauf in einer Bergregion. Wer keinen dieser Punkte hat, kauft eine Versicherung, die er nie einlöst.
Worauf es ankommt
- Ein einzelner Reifen nach einem Defekt ist bei vielen Allradsystemen nicht zulässig: Unterschiedliche Abrollumfänge erzeugen eine Dauerdifferenz zwischen den Achsen, und die trägt die Kupplung oder das Mitteldifferenzial aus. Rechne im Pannenfall mit einem Satz statt mit einem Stück — das ist der Posten, der überrascht.
- Verteilergetriebe, Hinterachsdifferenzial und bei Lamellenkupplungen die Kupplungseinheit haben eigene Ölwechselintervalle. Sie stehen im Wartungsplan, werden beim Gebrauchtkauf fast nie belegt und sind bei einem Fahrzeug mit Anhängerbetrieb der erste Punkt, nach dem man fragt.
- Das Gewicht ist der stille Posten. Der Antriebsstrang bringt Masse mit, und Masse zahlt man an den Bremsen, an den Reifen und beim Verbrauch — nicht einmal, sondern über die ganze Haltedauer. Bei zwei sonst gleichen Fahrzeugen ist das der Unterschied, den man am Jahresende sieht.
- Im Wiederverkauf trennen sich die Märkte: In Bergregionen und in Skandinavien trägt Allrad den Preis, in flachen Märkten gilt er als Verbrauchsnachteil. Wer über die Grenze verkaufen kann, richtet sich danach — es ist einer der wenigen Ausstattungspunkte, dessen Wert stark vom Ort abhängt.
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Häufige Fragen
- Darf ich bei einem Allradfahrzeug ein Notrad benutzen?
- Das steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs und wird dort unterschiedlich beantwortet. Ein Notrad hat einen kleineren Abrollumfang als ein normales Rad, und genau diese Differenz ist es, die den Allradantrieb belastet. Die meisten Hersteller erlauben es mit Begrenzung von Tempo und Strecke, einige schreiben vor, das Notrad nur an einer bestimmten Achse zu montieren, und wieder andere liefern stattdessen ein Reparaturset. Sieh nach, bevor du es brauchst — am Strassenrand ist die Betriebsanleitung der unbequemste Ort zum Lesen.
- Wie prüfe ich, ob der Allradantrieb überhaupt noch funktioniert?
- Das ist die unangenehme Eigenschaft dieser Systeme: Ein Fahrzeug mit defekter Lamellenkupplung oder leerem Verteilergetriebe fährt auf trockener Strasse völlig unauffällig, und eine Warnlampe gibt es nicht bei jedem Modell. Zwei Wege führen weiter. Erstens der Fehlerspeicher — eine Werkstatt liest ihn in wenigen Minuten aus und sieht dort auch abgelegte Fehler, die aktuell nicht anstehen. Zweitens ein Anfahrversuch auf losem Untergrund, bei dem sich zeigt, ob überhaupt Kraft nach hinten geht. Beides gehört bei einem gebrauchten Allradfahrzeug zur Besichtigung.