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Kaufen

Der richtige Zeitpunkt: wann der Markt für dich arbeitet

6 Min. Lesezeit

Gebrauchtwagenpreise sind Marktpreise, und Märkte haben Rhythmen. Wer sie kennt, kann beim Preis etwas gewinnen. Wer sie überschätzt, wartet auf den perfekten Monat und kauft am Ende unter Druck.

Tendenzen, keine Regeln

Was folgt, sind Tendenzen, die sich aus Angebot und Nachfrage erklären, keine Kalenderregeln. Sie unterscheiden sich nach Region, Fahrzeugart und Jahr, und ein einzelnes Inserat folgt ohnehin vor allem den Umständen seines Verkäufers.

Der Nutzen liegt deshalb nicht darin, auf einen bestimmten Monat zu warten, sondern darin, zu wissen, wann man mit mehr Auswahl oder mehr Verhandlungsspielraum rechnen kann — und wann eher nicht.

Saison: was gerade niemand sucht

Fahrzeuge, die man mit einer Jahreszeit verbindet, sind ausserhalb dieser Jahreszeit weniger gefragt. Ein Cabriolet im Spätherbst hat weniger Interessenten als im Frühling, ein Allradfahrzeug im Hochsommer weniger als beim ersten Schnee. Wer gegen die Saison kauft, hat mehr Ruhe bei der Besichtigung und oft einen Verkäufer, der lieber jetzt als in einem halben Jahr verkauft.

Dasselbe gilt für Zugfahrzeuge vor und nach der Reisezeit und für wintertaugliche Autos in Regionen, in denen der Winter zählt. Der Effekt ist dort am grössten, wo die Jahreszeit den Nutzen des Fahrzeugs tatsächlich bestimmt.

Modellwechsel und Überarbeitung

Kommt ein Nachfolger oder eine überarbeitete Version auf den Markt, geben manche Halter des Vorgängers ihr Fahrzeug ab, und beim Händler landen Eintauschwagen der alten Generation. Das Angebot steigt, und mit ihm meist die Bereitschaft, im Preis nachzugeben.

Für Käufer ist das oft eine gute Gelegenheit: Die letzten Baujahre einer Generation sind häufig die ausgereiftesten, weil Kinderkrankheiten im Lauf der Produktion behoben wurden. Welche das bei einem bestimmten Modell waren, sagt dir eine Markenwerkstatt oder ein Blick auf die Rückrufe zur Fahrgestellnummer, nicht ein allgemeiner Ratgeber.

Standzeit: das Inserat, das schon länger steht

Ein Fahrzeug, das seit Wochen angeboten wird, kostet seinen Verkäufer etwas: beim Händler gebundenes Kapital und Stellplatz, beim Privatverkäufer Versicherung, Steuer und Geduld. Je länger es steht, desto eher ist der Verkäufer bereit, über den Preis zu sprechen.

Ein sichtbares Zeichen dafür ist eine Preissenkung, die Carvexia mit dem durchgestrichenen alten Preis anzeigt. Frag bei der Anfrage ruhig, seit wann das Fahrzeug zum Verkauf steht. Die Antwort ist nützlich — und wie sie ausfällt, auch.

Der Zeitpunkt beim Händler

Viele Händler arbeiten mit Zielen für bestimmte Zeiträume, und manche Hersteller setzen Anreize für Zulassungen bis zu einem Stichtag. Daraus entstehen Tageszulassungen und Vorführwagen, und am Ende solcher Zeiträume ist die Bereitschaft zum Abschluss oft grösser. Ob das bei einem bestimmten Betrieb gilt, weisst du erst, wenn du fragst.

Beim Modelljahreswechsel werden Fahrzeuge des auslaufenden Jahrgangs zu Lagerware, die Platz für die neuen machen muss. Was ein Jahreswagen, ein Vorführwagen oder eine Tageszulassung genau hinter sich hat, erklärt ein eigener Beitrag.

Wenn Kosten an Stichtage gebunden sind

Einige Kosten rund ums Auto hängen an Zeiträumen: Fahrzeugsteuer, Versicherung, die Frist bis zur nächsten technischen Prüfung. Wie sie beim Halterwechsel aufgeteilt oder neu berechnet werden, regelt jedes Land und oft jede Region anders; die Zulassungsbehörde und die Versicherung nennen die gültige Regel.

Für den Kauf zählt vor allem die Prüfung. Ein Fahrzeug, dessen nächste Prüfung kurz bevorsteht, bringt ein Risiko mit, das ein frisch geprüftes nicht hat — rechne es in den Preis ein oder lass den Verkäufer die Prüfung vor der Übergabe machen.

Wenn du gleichzeitig verkaufst

Wer ein Auto kauft und ein anderes verkauft, hat zwei Zeitpunkte abzustimmen. Zuerst verkaufen heisst, eine Zeit lang ohne Auto zu sein, dafür aber mit dem Erlös in der Hand zu verhandeln. Zuerst kaufen heisst, zwei Autos zu versichern und einen zweiten Stellplatz zu brauchen, dafür aber nicht unter Druck zu stehen.

Welche Reihenfolge besser ist, hängt an deiner Lage und an der Saison des alten Autos. Wer beides auf einen Termin legen will, landet bei der Inzahlungnahme — bequem, aber mit einem eigenen Preis. Die Rechnung dazu steht im Beitrag über den Eintausch beim Händler.

Zeit für die Prüfung einplanen

Zwischen dem Fund und dem Kennzeichen liegen mehr Schritte, als man beim Blättern denkt: Anfrage, Besichtigung, vielleicht eine unabhängige Prüfung, ein Versicherungsangebot, bei einer Finanzierung die Zusage der Bank und ein Termin bei der Zulassungsstelle. Jeder Schritt braucht Tage, manche Wochen.

Rechne deshalb vom Tag zurück, an dem du das Auto brauchst, und fang früh genug an. Wer einen Puffer hat, kann ein Fahrzeug stehen lassen, das bei der Besichtigung nicht überzeugt. Wer keinen hat, kauft das nächstbeste.

Dein eigener Zeitpunkt zählt mehr

Der teuerste Zeitpunkt für einen Autokauf ist der, an dem du eines brauchst: Das alte Auto ist ausgefallen, die Reparatur lohnt sich nicht mehr, und morgen muss jemand zur Arbeit. Wer unter diesem Druck kauft, verhandelt schlecht und prüft zu wenig.

Fang deshalb an zu suchen, bevor es eilt — solange das alte Fahrzeug noch fährt und die nächste grössere Reparatur absehbar ist. Und verkauf das alte in seiner Saison: das Cabriolet im Frühling, den Allradler im Herbst.

Was sich nicht timen lässt

Der Zustand eines einzelnen Fahrzeugs folgt keinem Kalender. Ein gepflegtes Auto mit vollständiger Historie und der Ausstattung, die du suchst, ist in jedem Monat ein gutes Angebot, und wer darauf wartet, dass es im nächsten Quartal billiger wird, findet es dann meistens nicht mehr.

Die Rhythmen des Markts sind ein Bonus, kein Plan. Der Plan besteht aus Kriterien, Beobachtung und einer gründlichen Besichtigung.

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