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Werkstatt

Rückruf prüfen: mit der FIN beim Hersteller nachsehen

6 Min. Lesezeit

Ein Rückruf betrifft nie ein Modell als Ganzes, sondern eine Liste einzelner Fahrzeuge. Ob deines darauf steht, lässt sich nicht am Modellnamen ablesen, sondern nur an der Fahrgestellnummer — und die Liste dazu führt der Hersteller.

Rückruf, Serviceaktion, Kampagne

Die Begriffe werden durcheinander verwendet, meinen aber Verschiedenes. Ein Rückruf betrifft einen Mangel, der die Sicherheit gefährdet oder gegen Vorschriften verstösst — einen Airbag, der nicht richtig auslöst, eine Leitung, die undicht werden kann, Abgaswerte, die nicht der Zulassung entsprechen. Der Hersteller muss ihn beheben, eine Behörde überwacht das in vielen Ländern, und die Arbeit ist für den Halter kostenlos. Wer einen behördlich überwachten Rückruf liegen lässt, riskiert in manchen Ländern, dass die Zulassungsbehörde den Betrieb des Fahrzeugs untersagt.

Eine Serviceaktion — je nach Marke auch Kundendienstmassnahme, technische Massnahme oder Feldmassnahme genannt — behebt etwas, das nicht sicherheitsrelevant ist: eine Software, die ein Geräusch verursacht, ein Bauteil, das früher verschleisst als vorgesehen. Solche Aktionen werden oft beim nächsten Werkstattbesuch miterledigt, ohne dass der Halter einen Brief bekommt. Auch sie sind in der Regel kostenlos, aber niemand drängt auf sie.

«Kampagne» ist der Oberbegriff, den Hersteller intern für beides verwenden. Wer eine Werkstatt nach «offenen Kampagnen» fragt, fragt also nach Rückrufen und Serviceaktionen zugleich — und das ist genau die richtige Frage.

Warum nur die FIN die Antwort kennt

Rückrufe gelten selten für ein ganzes Modell. Betroffen sind Fahrzeuge aus einem bestimmten Produktionszeitraum, mit einem bestimmten Motor, aus einem bestimmten Werk oder mit einem Bauteil aus einer bestimmten Lieferung. Zwei Autos desselben Modells und Jahrgangs können deshalb verschieden dastehen: eines betroffen, eines nicht, und ein drittes war betroffen und ist längst erledigt.

Die Liste der betroffenen Fahrzeuge führt der Hersteller nach Fahrgestellnummern, und in seinem System ist zu jeder Nummer vermerkt, welche Aktionen offen und welche erledigt sind. Verbindlich sagen, ob ein bestimmtes Fahrzeug betroffen ist, können deshalb nur der Hersteller selbst — über eine Prüfseite oder den Kundendienst — und die Werkstätten seines Netzes. Behördenseiten zeigen, welche Rückrufe es für eine Marke und ein Modell gibt, oft mit Bauzeitraum; ob dein Exemplar dazugehört, sagen sie in der Regel nicht.

Die Fahrgestellnummer (FIN) steht im Fahrzeugausweis beziehungsweise in der Zulassungsbescheinigung und am Fahrzeug, meist gut sichtbar unten an der Windschutzscheibe. Bei heutigen Fahrzeugen hat sie siebzehn Stellen, und die Buchstaben I, O und Q kommen darin nicht vor — was wie ein O aussieht, ist eine Null. Prüf die abgetippte Nummer zweimal: Ein falsches Zeichen, und die Abfrage gilt einem anderen Auto oder keinem.

Wo du nachsiehst: Hersteller und Behörden

Viele Hersteller bieten auf ihrer Website eine Prüfseite an, auf der du die Fahrgestellnummer eingibst und erfährst, ob für dein Fahrzeug eine Aktion offen ist. Solche Seiten gibt es nicht für jede Marke und nicht in jedem Land, und sie ziehen gelegentlich um. Findest du keine, sind der Kundendienst der Marke oder eine Werkstatt ihres Netzes der Weg. Daneben veröffentlichen Behörden Rückrufe, meist nach Marke und Modell geordnet:

  • Deutschland: die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), das Rückrufe von Fahrzeugen überwacht.
  • Frankreich: RappelConso, das staatliche Portal für Rückrufe von Produkten, Fahrzeuge eingeschlossen.
  • Niederlande: das Rückrufregister der RDW, der Behörde für Fahrzeugzulassung.
  • EU und EWR: Safety Gate, das Warnsystem der Europäischen Kommission für gefährliche Produkte, in dem auch Fahrzeuge gemeldet werden. Es umfasst die EU sowie Island, Liechtenstein und Norwegen, nicht die Schweiz.
  • Schweiz: Zuständig für sicherheits- und umweltrelevante Rückrufe ist das Bundesamt für Strassen (ASTRA); die Halter schreibt in der Regel der Importeur an. Eine Übersicht über Rückrufe, die ihr die Importeure freiwillig melden, führt auto-schweiz, die Vereinigung der Automobil-Importeure.

Die Prüfung in «Meine Fahrzeuge»

In deinem Konto unter «Meine Fahrzeuge» findest du bei jedem eigenen Fahrzeug «Rückrufe prüfen». Dort stehen die Prüfseite des Herstellers, soweit wir eine kennen, die Behördenseiten für das Land aus deinem Profil und, falls hinterlegt, deine Fahrgestellnummer zum Abschreiben. Die Links öffnen die Seiten des Herstellers oder der Behörde in einem neuen Tab; Carvexia überträgt dabei nichts, auch nicht die Nummer.

Carvexia sagt dir nie, dein Fahrzeug sei betroffen oder nicht betroffen. Wir haben keine eigene Rückrufdatenbank und prüfen kein Fahrzeug; diese Auskunft kann nur der Hersteller geben. Die Karte zeigt dir den Weg dorthin, nicht die Antwort.

Fahrzeuge aus einem anderen Markt

Den Brief zu einem Rückruf verschickt in vielen Ländern der Hersteller oder Importeur an die Halter, deren Adressen er aus dem Fahrzeugregister erhält. Das funktioniert, solange das Auto dort zugelassen ist, wo die Aktion läuft. Bei einem eingeführten Fahrzeug hat dieser Weg Lücken: Ein Brief aus der Zeit vor der Einfuhr ging an den früheren Halter, und solange das Auto nicht im neuen Register steht, kann dich keiner erreichen.

Dazu kommt, dass Aktionen nicht überall gleichzeitig laufen. Ein Hersteller kann eine Massnahme in einem Markt früher beginnen als in einem anderen, oder sie betrifft nur Fahrzeuge, die für ein bestimmtes Land gebaut wurden. Bei Fahrzeugen, die ursprünglich für einen Markt ausserhalb Europas bestimmt waren, bildet die europäische Organisation der Marke deren Aktionen unter Umständen nicht vollständig ab.

Lass deshalb nach einem Import die Fahrgestellnummer bei einer Werkstatt aus dem Netz der Marke im neuen Land prüfen, am besten beim ersten Service. Frag ausdrücklich nach offenen Rückrufen und Serviceaktionen, auch nach solchen aus dem Herkunftsland. Bei Fahrzeugen von ausserhalb Europas lohnt die Frage, ob die Abfrage auch Aktionen des Ursprungsmarkts erfasst — und wenn nicht, wer das kann.

Beim Gebrauchtkauf: vor der Unterschrift fragen

Vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens ist die Frage nach offenen Rückrufen schnell gestellt und doch selten. Erbitte die Fahrgestellnummer, sieh auf der Prüfseite des Herstellers nach, wo es eine gibt, und bitte den Verkäufer, eine Auskunft der Markenwerkstatt zu offenen Aktionen zu besorgen. Was ein Verkäufer im Inserat zu Rückrufen schreibt, gehört zu den Angaben des Verkäufers — nicht geprüft.

Ein offener Rückruf ist für sich kein Grund, vom Kauf abzusehen: Die Arbeit ist kostenlos, und danach steht das Fahrzeug nicht schlechter da als eines, das nie betroffen war. Er gehört aber in die Planung, weil ein Werkstatttermin nötig ist und Teile bei grossen Aktionen auf sich warten lassen können. Und manche Rückrufe kommen mit einer Einschränkung bis zur Reparatur, etwa das Fahrzeug nicht in geschlossenen Räumen abzustellen oder gar nicht mehr zu fahren. Das willst du vor der Unterschrift wissen, nicht auf der Heimfahrt.

Erledigte Aktionen stehen im System des Herstellers und oft auf Rechnungen oder im Serviceheft. Frag danach und leg die Bestätigung zu den Unterlagen des Autos. Bei einem späteren Verkauf beantwortet sie die Frage, bevor sie jemand stellt.

Die Markenwerkstatt anfragen

Der sicherste Weg zu einer verbindlichen Antwort bleibt die Werkstatt aus dem Netz der Marke. Sie gibt die Fahrgestellnummer im System des Herstellers ein und sieht offene und erledigte Aktionen; ist eine offen, vereinbart sie den Termin dafür. Frag vorher, ob die Abfrage etwas kostet. Eine freie Werkstatt kann dir sagen, was sie über Rückrufe weiss, abgewickelt wird ein Rückruf aber über das Netz der Marke.

In «Meine Fahrzeuge» führt «Markenwerkstatt anfragen» zu den Werkstätten im Verzeichnis, die die Marke deines Fahrzeugs im Profil nennen, im Land aus deinem Profil. Die Terminanfrage ist vorbelegt: mit deinem Fahrzeug, der Bitte, anhand der Fahrgestellnummer nach offenen Rückrufen und Serviceaktionen zu sehen, und mit der Nummer, falls du sie hinterlegt hast. Ob eine Werkstatt zum Netz der Marke gehört, sagt das Verzeichnis nicht — frag es in der Anfrage mit. Ob und wann sie antwortet, entscheidet die Werkstatt.

Wenn die Antwort kommt, frag nach dem, was du für die Planung brauchst: welche Aktion offen ist und was sie umfasst, wie lange das Auto bleibt, ob die Teile schon verfügbar sind und ob bis zum Termin etwas zu beachten ist. Lass dir nach der Arbeit bestätigen, was gemacht wurde. Und bei einer Frage zur Sicherheit — etwa, ob das Auto bis zum Termin gefahren werden darf — ruf an, statt auf eine E-Mail zu warten.

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