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Beim Verkäufer nachfragen, ohne seine Sprache zu sprechen
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Das Auto passt, nur schreibt der Verkäufer Italienisch, Polnisch oder Niederländisch. Die Sprachbarriere lässt sich nicht wegübersetzen, aber verkleinern: mit Fragen, die gar keine Übersetzung brauchen, und mit Antworten, die aus Zahlen, Daten und Fotos bestehen.
Wo die Sprache tatsächlich im Weg steht
Beim Lesen eines Inserats stört die fremde Sprache weniger als gedacht. Die Eckdaten — Jahrgang, Kilometerstand, Treibstoff, Getriebe, Leistung — stammen aus Auswahllisten und erscheinen auf Carvexia in der Sprache, in der du die Seite liest. Fremd bleibt die Beschreibung: Sie steht so da, wie der Verkäufer sie geschrieben hat, und wird nicht übersetzt.
Schwierig wird es beim Nachfragen. Jede Frage, die du frei formulierst, muss übersetzt werden, und jede Antwort zurück. Dazwischen gehen genau die Dinge verloren, auf die es ankommt: ob «Service gemacht» einen Beleg meint oder eine Erinnerung, ob «keine Schäden» auch den reparierten Hagelschaden ausschliesst, ob «zwei Schlüssel» zwei vollwertige Schlüssel sind oder einer und ein Notschlüssel. Solche Missverständnisse fallen erst bei der Besichtigung auf — also nach der Anreise.
Die Strategie ist deshalb nicht, besser zu übersetzen, sondern weniger übersetzen zu müssen. Was sich als feste Frage, als Foto oder als Zahl klären lässt, gehört nicht in einen Satz.
Feste Fragen statt freier Sätze: die Selbstauskunft
Im Anfrageformular unter jedem Inserat steht der aufklappbare Teil «Fragen zur Selbstauskunft mitschicken». Er ist freiwillig und enthält einen festen Katalog geschlossener Fragen — Fragen, die sich mit Ja, Nein, «Weiss nicht», einer Anzahl oder einem Monat beantworten lassen. Genau das macht sie unabhängig von der Sprache: Der Verkäufer wählt eine Antwort, er formuliert keine.
Pro Anfrage kannst du bis zu fünf Fragen ankreuzen. Der Verkäufer sieht sie bei seinem Inserat und kann sie dort beantworten, oft auch über einen Link per E-Mail. Gespeichert wird die gewählte Antwort, nicht ein Satz, und deshalb erscheint sie auf der Fahrzeugseite in jeder Sprache, in der es die Seite gibt. Ein Verkäufer in Bologna wählt beim Zahnriemen «Gewechselt» und einen Monat, du liest «Gewechselt 03/2023». Ob und wann er antwortet, entscheidet er selbst.
Die Antworten stehen danach für alle Interessenten auf der Fahrzeugseite, mit Datum. Fragen, die gestellt, aber noch nicht beantwortet sind, stehen dort als «offen». Sieh deshalb zuerst nach, was schon beantwortet ist: Fragen, zu denen es eine Antwort gibt, bietet das Formular gar nicht mehr an, und deine fünf bleiben für das, was noch fehlt. Der Katalog umfasst:
- Papiere und Eigentum: Fahrzeugausweis bzw. Zulassungsbescheinigung Teil II beim Verkäufer, COC-Papier vorhanden, Leasing oder Finanzierung offen, aus einem anderen Land eingeführt, Ausfuhr oder Abmeldung durch den Verkäufer möglich.
- Wartung: letzter Service mit Beleg, Zahnriemen gewechselt oder Steuerkette, Reifen zuletzt erneuert.
- Zustand: Hagel- oder Wasserschaden bekannt, Warnleuchte im Cockpit an, Raucherfahrzeug, bekannte Mängel.
- Ausstattung: Anzahl Schlüssel, zweiter Rädersatz dabei. Beim Elektroauto kommt das Ladekabel dazu, und läuft die Prüfung bald ab oder ist sie abgelaufen, die Frage, ob sie vor der Übergabe neu gemacht wird.
Was «Angaben des Verkäufers, nicht geprüft» heisst
Über den Antworten steht «Angaben des Verkäufers, nicht geprüft», bei einem Händler «Angaben des Händlers, nicht geprüft». Das ist wörtlich gemeint. Carvexia prüft keine dieser Antworten und gleicht sie mit keinem Register ab. Die Selbstauskunft sorgt dafür, dass du die Aussage verstehst — nicht dafür, dass sie stimmt.
Wertlos sind sie deshalb nicht. Eine schriftliche, datierte Aussage zu einer konkreten Frage ist etwas anderes als ein «alles in Ordnung» am Telefon. Ändert der Verkäufer eine Antwort, bleibt die frühere im Änderungsverlauf sichtbar. Was er angegeben hat, kannst du später neben die Papiere, den Vertrag und das Fahrzeug legen. Hält eine Angabe der Besichtigung nicht stand, ist das eine Information über das Fahrzeug und über den Verkäufer; ist sie offensichtlich falsch, lässt sie sich über «Angabe falsch? Melden» melden.
Zwei Dinge gehören dazu. «Weiss nicht» ist eine ehrliche Antwort und oft besser als eine geratene — wer ein Fahrzeug aus zweiter Hand fährt, kennt den Zahnriemenwechsel vielleicht wirklich nicht. Und der einzige Freitext im Katalog, die Beschreibung bekannter Mängel, erscheint im Original, mit dem Hinweis, dass er nicht übersetzt ist. Den übersetzt du selbst, und im Zweifel fragst du nach.
Fotos anfordern: Antworten, die keine Übersetzung brauchen
Manche Fragen beantwortet ein Foto besser als jeder Satz, und zwar in jeder Sprache. Im Anfrageformular gibt es dafür die Absicht «Foto anfordern». Du wählst aus, was du sehen willst, und das Formular schreibt daraus die Nachricht. Der Verkäufer kann per E-Mail antworten oder die Fotos im Inserat ergänzen — dann sieht sie jeder.
Die Nachricht entsteht in der Sprache, in der du die Seite gerade liest, und du kannst sie vor dem Absenden anpassen. Die Fahrzeugseite gibt es in vielen Sprachen; stellst du sie vorher auf die Sprache des Verkäufers um, steht auch die Vorlage in seiner Sprache, und die Auswahl erscheint in derselben Reihenfolge.
Achte bei den Fotos, die zurückkommen, auf das, was sie zeigen: ob der Kilometerstand zum Inserat passt, ob Warnleuchten zu sehen sind, ob das Serviceheft Stempel mit Datum und Kilometerstand hat. Zur Auswahl stehen die Stellen, an denen sich ein Fahrzeug am schlechtesten schönfotografieren lässt:
- Tacho bei eingeschalteter Zündung — Kilometerstand und Warnleuchten auf einem Bild.
- Serviceheft bzw. Servicenachweise.
- Unterboden.
- Reifenprofil aller Räder.
- Alle Schlüssel nebeneinander.
- Fahrzeugausweis bzw. Zulassungsbescheinigung mit abgedecktem Namen und abgedeckter Adresse — du brauchst die Fahrzeugdaten, nicht die Personendaten des Halters.
Freitext, der eine Übersetzung übersteht
Ganz ohne eigene Sätze geht es selten. Dein Nachrichtentext erreicht den Verkäufer so, wie du ihn geschrieben hast; Carvexia übersetzt ihn nicht. Die Antwort kommt per E-Mail direkt zu dir, in seiner Sprache. Benutzt du ein Übersetzungsprogramm, schreib so, dass es wenig falsch machen kann. Bewährt hat sich:
- Ein Gedanke pro Satz, eine Frage pro Zeile, nummeriert. Dann kann der Verkäufer mit «1: ja, 2: 2019» antworten.
- Keine Redewendungen, keine Ironie, keine Kurzformen wie «scheckheftgepflegt» oder «TÜV neu». Solche Wörter kennt ein Übersetzungsprogramm oft nicht oder übersetzt sie wörtlich.
- Fachbegriffe so, wie sie in Papieren und Rechnungen stehen: Zahnriemen, Kupplung, Bremsscheiben — nicht «das Teil vorne links».
- Geschlossene statt offener Fragen. «Wurde die Kupplung ersetzt?» übersteht die Übersetzung besser als «Wie steht es um die Verschleissteile?».
- Den eigenen Text einmal zurückübersetzen lassen, bevor du ihn abschickst. Was dabei verrutscht, verrutscht auch beim Verkäufer.
- Und in der Gegenrichtung: Klingt eine übersetzte Antwort widersprüchlich, frag mit einer geschlossenen Frage nach, statt die Übersetzung zu deuten.
Zahlen, Daten, Nummern als gemeinsame Sprache
Zahlen übersetzen sich nicht, sie werden höchstens anders geschrieben. Stell Fragen deshalb so, dass die Antwort eine Zahl ist: Kilometerstand beim letzten Service, Monat und Jahr des Zahnriemenwechsels, Datum der letzten Prüfung. Bei Daten hilft die Schreibweise Monat/Jahr, wie sie auch in der Selbstauskunft steht. Ein ausgeschriebenes Datum wie 04/03/2024 ist dagegen heikel: In Europa liest man den 4. März, ein Programm mit englischer Voreinstellung womöglich den 3. April.
Die wichtigste Nummer ist die Fahrgestellnummer, kurz FIN oder international VIN: 17 Zeichen nach einer internationalen Norm, in denen die Buchstaben I, O und Q nicht vorkommen. Lass sie dir schicken und gleiche sie ab — mit den Papieren, mit dem Foto der Plakette, später mit dem Fahrzeug. Eine Nummer, die an drei Stellen gleich ist, braucht keine Übersetzung.
Auch die Papiere sprechen eine gemeinsame Sprache, wenn man ihre Codes kennt. Die Zulassungsbescheinigungen der EU-Staaten tragen harmonisierte Feldcodes: B ist das Datum der Erstzulassung, E die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, gleich in welcher Sprache die Beschriftung daneben steht. Der Schweizer Fahrzeugausweis hat einen eigenen Aufbau mit nummerierten Feldern; dort steht die Fahrgestellnummer unter Ziffer 23, die erste Inverkehrsetzung unter Ziffer 36.
Beträge nennst du immer mit Währungscode — EUR, CHF, PLN, SEK — und bittest den Verkäufer, es ebenso zu halten. Zeigt ein Tacho Meilen statt Kilometer, gehört das geklärt, bevor über die Laufleistung gesprochen wird.
Vertrag und Papiere, wenn es ernst wird
Spätestens beim Vertrag reicht ein Übersetzungsprogramm nicht mehr. Was du unterschreibst, gilt, ob du es verstanden hast oder nicht. Am saubersten ist ein zweisprachiger Kaufvertrag, in dem beide Fassungen nebeneinanderstehen, oder ein Vertrag in einer Sprache, die ihr beide sicher lest. Die entscheidenden Angaben schreibst du so, dass sie keine Sprache brauchen: Fahrgestellnummer, Kilometerstand, Preis mit Währungscode, Datum und Ort der Übergabe.
Die Selbstauskunft hilft auch hier. Was der Verkäufer dort angegeben hat — Anzahl Schlüssel, keine offene Finanzierung, kein bekannter Hagelschaden —, kann als Zusicherung in den Vertrag. Weigert er sich, etwas zu unterschreiben, das er öffentlich angegeben hat, ist das eine Antwort, die ebenfalls keine Übersetzung braucht.
Ob die Zulassungsstelle in deinem Land für ausländische Papiere eine Übersetzung verlangt, hängt vom Land und vom Dokument ab. Frag das vor dem Kauf beim Strassenverkehrsamt bzw. der Zulassungsstelle deines Wohnorts nach, nicht danach. Wie der ganze Ablauf eines Kaufs aus der Ferne aussieht, beschreibt der Beitrag über den Kauf eines Autos, das du nie gesehen hast.