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Reifen am Elektroauto: warum sie schneller verschleissen
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Dass Elektroautos Reifen schneller abfahren, hört man oft, meist ohne Erklärung. Drei Eigenschaften des Antriebs wirken zusammen. Wer sie kennt, wählt den passenden Reifen, fährt ihn länger und merkt früher, wenn etwas nicht stimmt.
Was ein Elektroauto mit dem Reifen macht
Ein Reifen verschleisst, weil die Lauffläche bei jeder Umdrehung ein wenig über die Fahrbahn rutscht. Wie viel, hängt von den Kräften ab, die durch die Aufstandsfläche gehen: der Last, die auf ihm ruht, der Kraft, mit der er antreibt oder bremst, und der Kraft, mit der er das Auto in der Kurve seitlich führt. Beim Elektroauto sind die ersten beiden meist grösser als bei einem vergleichbaren Verbrenner, und sie wirken öfter.
Drei Eigenschaften sind dafür verantwortlich. Die Batterie macht das Fahrzeug schwerer. Der Elektromotor liefert sein volles Drehmoment aus dem Stand, ohne dass eine Kupplung oder ein Wandler es abfedert. Und die Rekuperation bremst nur über die angetriebene Achse. Beim Verbrenner verteilt die Bremsanlage die Verzögerung auf alle vier Räder, mit Schwerpunkt vorn; bei einem Elektroauto mit Heckantrieb trägt dagegen die Hinterachse den Antrieb und zugleich einen grossen Teil der alltäglichen Verzögerung.
Wie viel schneller ein Reifen am Elektroauto abgefahren ist, lässt sich nicht in einer Zahl sagen. Der Fahrstil entscheidet mehr als die Antriebsart: Wer gleichmässig fährt und die Rekuperation sanft einsetzt, kommt mit einem Satz Reifen ähnlich weit wie mit einem Verbrenner derselben Klasse. Wer an jeder Ampel die Beschleunigung nutzt, sieht das Profil schwinden. Die Mechanik dahinter hilft bei beidem: beim Kauf des richtigen Reifens und beim Erkennen, wann etwas nicht stimmt.
Gewicht und Tragfähigkeit
Ein Elektroauto ist bei gleicher Grösse oft deutlich schwerer als ein vergleichbarer Verbrenner, weil die Batterie mehrere hundert Kilogramm wiegt. Mehr Last heisst mehr Walkarbeit in der Flanke, mehr Wärme im Reifen und eine Aufstandsfläche, die in Kurven stärker schiebt. Das ist ein Grund für den Verschleiss und ein Grund, warum die Tragfähigkeit beim Reifenkauf keine Nebensache ist.
Die Tragfähigkeit steht auf der Flanke als Kennzahl hinter der Grössenangabe, direkt vor dem Geschwindigkeitssymbol. Sie ist ein Tabellenwert: Jede Zahl steht für eine bestimmte Höchstlast je Reifen bei festgelegtem Luftdruck. Welche Kennzahl dein Fahrzeug mindestens verlangt, steht in den Fahrzeugpapieren oder in der Übereinstimmungsbescheinigung. Ein Reifen darunter ist nicht zulässig, auch wenn er in der Dimension passt.
Zwei Zusätze kommen bei Elektroautos häufig vor. XL, für Extra Load, steht für einen verstärkten Reifen, der bei höherem Druck mehr trägt als die Standardausführung derselben Grösse. HL, für High Load, ist eine neuere Stufe darüber, die für schwere Fahrzeuge geschaffen wurde; die Kennzeichnung steht vor der Grössenbezeichnung. Wurde ein Fahrzeug ab Werk mit HL-Reifen ausgeliefert, gehört als Ersatz wieder ein HL-Reifen darauf. Ein XL-Reifen derselben Grösse trägt weniger.
Beim Gebrauchtwagen lohnt der Blick darauf, was montiert ist. Ein günstiger Satz, der zwar die Grösse, aber nicht die Kennzahl trifft, ist ein Mangel, den du bei der Besichtigung siehst und nicht erst bei der nächsten Prüfung.
Drehmoment, Rekuperation und die Antriebsachse
Ein Elektromotor liefert sein Drehmoment sofort. Die Traktionskontrolle verhindert zwar, dass das Rad sichtbar durchdreht, lässt aber einen Schlupf unterhalb dieser Schwelle zu, und genau dieser Schlupf reibt Gummi ab. Kräftiges Beschleunigen aus dem Stand, an jeder Ampel wiederholt, ist beim Elektroauto der grösste Verschleissfaktor, den du selbst in der Hand hast.
Die Rekuperation wirkt in die andere Richtung. Beim Einpedalfahren verzögert das Fahrzeug bei jedem Gaswegnehmen über die Antriebsachse, oft kräftiger, als man mit einem Verbrenner ausrollen würde. Das schont die Bremsen, nicht aber die Reifen der angetriebenen Achse. Eine sanftere Rekuperationsstufe lässt das Auto mehr rollen und verringert die Belastung; wer vorausschauend fährt, muss deshalb trotzdem kaum öfter zur Reibbremse greifen.
Daraus folgt, dass die Achsen unterschiedlich schnell abfahren. Bei Heckantrieb ist es meist die Hinterachse, bei Frontantrieb die vordere, bei Allrad hängt es von der Verteilung ab, die die Software wählt. Wo vorn und hinten dieselbe Grösse montiert ist, gleicht ein Tausch der Räder zwischen den Achsen den Verschleiss aus; ob und in welchem Abstand, steht in der Betriebsanleitung. Bei unterschiedlichen Grössen vorn und hinten, wie sie manche Modelle ab Werk haben, geht das nicht, und die Reifen der Antriebsachse werden entsprechend öfter gekauft.
Rollwiderstand und Verbrauch
Der Rollwiderstand entsteht, weil sich der Reifen bei jeder Umdrehung verformt und ein Teil dieser Verformungsarbeit als Wärme verloren geht. Er wächst mit dem Gewicht: Rollwiderstandsbeiwert mal Gewichtskraft ergibt die Kraft, die ständig überwunden werden muss. Beim schweren Elektroauto ist dieser Posten deshalb grösser, und weil der Antrieb sonst sehr effizient ist, fällt er stärker ins Gewicht.
Bei niedrigem Tempo macht der Rollwiderstand einen grossen Teil des Verbrauchs aus, auf der Autobahn überwiegt der Luftwiderstand. Wer viel in der Stadt und über Land fährt, merkt die Reifenwahl also deutlicher als jemand, der meist schnell auf der Autobahn unterwegs ist. Als Grössenordnung kann der Wechsel zwischen einem sparsamen und einem durstigen Reifen derselben Grösse einige Prozent Verbrauch ausmachen, genug, um es im Bordcomputer über eine Woche zu sehen.
Im Handel der EU gibt das Reifenlabel Auskunft. Es ordnet den Rollwiderstand in Klassen von A bis E ein, die Nasshaftung ebenso, und nennt das Abrollgeräusch in Dezibel. Die Klassen sind vergleichbar, weil sie nach einem einheitlichen Verfahren ermittelt werden. Ein Zielkonflikt bleibt: Eine besonders rollwiderstandsarme Mischung kann bei Nässe schwächer greifen. Das Label zeigt beides nebeneinander, und im Alltag lohnt es sich, keines von beiden ganz zu opfern.
Neben dem Reifen selbst entscheiden drei Dinge mit:
- Luftdruck nach der Angabe für dein Fahrzeug, meist im Türrahmen oder in der Betriebsanleitung, und kalt gemessen. Zu wenig Druck erhöht den Rollwiderstand und den Verschleiss an den Schultern zugleich.
- Grössere Felgen und breitere Reifen kosten meist Verbrauch. Bei vielen Modellen ist die Normreichweite mit der kleinsten Radgrösse am höchsten.
- Winterreifen rollen schwerer als Sommerreifen; der Unterschied gehört zum Mehrverbrauch im Winter.
Leise Reifen: Schaum und Kennzeichnung
Ohne Motorgeräusch wird hörbar, was vorher unterging: das Abrollgeräusch und vor allem ein Dröhnen, das im Luftraum des Reifens entsteht und über Rad und Achse in den Innenraum gelangt. Viele Hersteller rüsten Elektroautos deshalb mit Reifen aus, in denen innen auf der Lauffläche eine Schicht Schaumstoff klebt. Sie dämpft diese Resonanz. Auf dem Label ändert sie wenig, weil dort das Geräusch nach aussen gemessen wird, nicht das im Innenraum.
Jeder Reifenhersteller hat für diese Ausführung eine eigene Bezeichnung auf der Flanke, oft mit Wörtern wie «Silent», «Acoustic» oder «Sound». Dazu kommen Herstellerkennungen, die zeigen, dass ein Reifen für ein bestimmtes Fahrzeug abgestimmt wurde, etwa ein Stern bei BMW, «MO» bei Mercedes-Benz oder ein «T» mit einer Ziffer, etwa «T0», bei Tesla. Eine solche Kennung ist keine Pflicht, aber sie sagt, mit welchem Reifen das Fahrzeug entwickelt wurde. Ein anderer Reifen kann zulässig sein und sich trotzdem anders anhören und anders rollen.
Der Schaum hat Folgen bei einer Reifenpanne. Nicht jedes Dichtmittel aus einem Pannenset verträgt sich damit; welches freigegeben ist, sagt der Hersteller des Reifens oder des Sets. Eine dauerhafte Reparatur ist aufwendiger, weil der Schaum an der Stelle entfernt werden muss, und nicht jeder Betrieb übernimmt sie. Da viele Elektroautos ohne Reserverad ausgeliefert werden, klärst du am besten vorher, was im Fall eines Plattfusses an Bord ist.
Verschleiss lesen und rechtzeitig tauschen
Die Profiltiefe misst du an mehreren Stellen über die Breite, nicht nur in der Mitte. In den Hauptrillen sitzen kleine Stege, die Verschleissanzeiger; sind sie mit der Lauffläche bündig, ist der Reifen am Ende. Welche Mindesttiefe gilt, ist Landesrecht und wird von der zuständigen Verkehrsbehörde veröffentlicht. Für Nässe und Winter ist die gesetzliche Grenze kein guter Massstab.
Beim Elektroauto lohnt der Vergleich zwischen den Achsen und zwischen innen und aussen. Die häufigsten Bilder:
- Antriebsachse deutlich stärker abgefahren als die andere: bei einem Elektroauto normal, vor allem bei kräftiger Fahrweise, und ein Grund, die Räder zu tauschen, wo das erlaubt ist.
- Innenschulter stärker abgefahren: Sturz und Spur prüfen lassen. Schwere Fahrzeuge zeigen eine verstellte Achse schneller; eine Achsvermessung klärt, ob die Werte stimmen.
- Beide Schultern abgefahren, Mitte gut: über lange Zeit zu wenig Luftdruck.
- Profilblöcke mit Stufen und ein Brummen, das mit dem Tempo wächst: Spur, Fahrwerk oder zu seltenes Tauschen. Im leisen Elektroauto hört man es früher.
Beim Reifenkauf
Neben der Tiefe zählt das Alter; wie du es an der DOT-Nummer abliest und warum ein Reifen mit viel Profil trotzdem fertig sein kann, steht im Beitrag zum Reifenalter. Beim Gebrauchtwagen sagen vier Reifen desselben Typs mit ähnlicher Tiefe mehr als jede Zusicherung. Auf Carvexia kann ein Verkäufer angeben, wann die Reifen zuletzt erneuert wurden. Das erscheint als Angabe des Verkäufers, nicht geprüft, und ersetzt nicht den Blick auf Flanke und Profil.
Wenn neue Reifen fällig sind, nimm Grösse, Tragfähigkeitskennzahl, Geschwindigkeitssymbol und Zusätze wie XL, HL oder die Herstellerkennung vom alten Reifen oder aus den Fahrzeugpapieren mit. Im Teilekatalog stehen Reifen unter Räder und Reifen. Ist die passende Ausführung nicht dabei, kannst du eine Teile-Anfrage stellen, die Händler mit Teilen für deine Marke sehen; ob einer ein Angebot schickt, entscheidet er selbst.