Werkstatt
Fehlerspeicher auslesen: was ein OBD-Code sagt und was nicht
7 Min. Lesezeit
Ein einfacher Adapter für die Diagnosebuchse ist für wenig Geld zu haben und liefert in Sekunden einen Code mit Klartext. Das verleitet zu dem Schluss, man wisse jetzt, was kaputt ist. Man weiss dann, welcher Sensor sich beschwert hat — und das ist eine andere Information.
Die Buchse im Fussraum
Fahrzeuge der letzten Jahrzehnte haben eine genormte Diagnosebuchse, meist im Fussraum auf der Fahrerseite oder hinter einer Abdeckung in der Nähe. Vorgeschrieben wurde sie, damit abgasrelevante Fehler mit einem einheitlichen Gerät ausgelesen werden können. Über denselben Stecker sprechen Werkstattgeräte heute mit fast allen Steuergeräten im Fahrzeug.
Genormt ist dabei nur ein Teil. Motor- und Abgasfehler lassen sich mit jedem einfachen Lesegerät abrufen; Airbag, ABS, Getriebe, Komfortelektronik und Assistenzsysteme sprechen oft herstellerspezifisch und verlangen ein Gerät, das diese Sprache beherrscht. Ein günstiger Adapter, der «keine Fehler» meldet, hat deshalb unter Umständen nur nicht überall nachgesehen.
Wie ein Code aufgebaut ist
Ein genormter Fehlercode besteht aus einem Buchstaben und vier Zeichen. Der Buchstabe nennt den Bereich: P für den Antrieb, C für das Fahrwerk, B für Karosserie und Innenraum, U für die Kommunikation zwischen Steuergeräten. Die erste Ziffer danach unterscheidet genormte Codes, die bei allen Herstellern dasselbe bedeuten, von herstellerspezifischen, deren Bedeutung nur der Hersteller festlegt.
Die Klartextbeschreibung, die ein Lesegerät dazu anzeigt, ist eine Übersetzung dieser Nummer. Bei herstellerspezifischen Codes rät ein allgemeines Gerät manchmal — und liegt daneben. Wer einen Code nachschlägt, sucht ihn deshalb zusammen mit Marke und Motor.
Der Code nennt den Melder, nicht die Ursache
Ein Steuergerät meldet, dass ein Messwert ausserhalb des erwarteten Bereichs liegt oder ein Signal fehlt. Es weiss nicht, warum. Ein Code, der das Gemisch als zu mager beschreibt, kann von einer undichten Ansaugleitung, einem schwachen Kraftstoffdruck, einem verschmutzten Luftmassenmesser oder einer defekten Sonde kommen. Die Sonde meldet — schuld ist sie nur in einem dieser Fälle.
Wer nach Code Teile tauscht, rät also mit dem Geld des Halters. Die eigentliche Diagnose beginnt nach dem Auslesen: Messwerte ansehen, Leitungen und Stecker prüfen, gezielt testen. Genau diese Arbeit ist es, die eine Werkstatt als Diagnose berechnet.
Momentaufnahme und Zustand
Zu vielen Fehlern speichert das Steuergerät eine Momentaufnahme der Umstände: Motortemperatur, Drehzahl, Geschwindigkeit, Last im Augenblick des Fehlers. Diese Daten sind oft wertvoller als der Code selbst, weil sie zeigen, ob der Fehler kalt oder warm, im Leerlauf oder unter Last auftrat.
Dazu kommt der Zustand eines Eintrags: aktuell vorhanden, sporadisch oder nur gespeichert, und bei manchen Geräten ein Zähler, wie oft er auftrat. Ein einmaliger Eintrag nach einer Starthilfe ist etwas anderes als einer, der bei jeder Fahrt wiederkehrt.
Messwerte live ansehen
Neben den gespeicherten Fehlern zeigen die meisten Lesegeräte Messwerte in Echtzeit: Kühlmitteltemperatur, Drehzahl, Ansauglufttemperatur, Spannungen von Sensoren, bei Benzinmotoren die Gemischkorrekturen. Damit lässt sich ein Symptom oft bestätigen oder ausschliessen — ein Motor, der nie richtig warm wird, zeigt das in der Temperaturkurve, bevor ein Fehlercode entsteht.
Für die Deutung braucht es allerdings Sollwerte, und die stehen in den Unterlagen des Herstellers, nicht in der App. Ein Wert, der ungewöhnlich aussieht, kann für diesen Motor normal sein. Messwerte sind deshalb guter Stoff für das Gespräch mit der Werkstatt, aber selten eine Diagnose für sich.
Löschen ist keine Reparatur
Jedes Lesegerät kann den Fehlerspeicher löschen, und die Leuchte geht dann aus. Liegt die Ursache weiter vor, kommt sie zurück, manchmal nach Minuten, manchmal nach Tagen. Gelöscht sind in der Zwischenzeit die Momentaufnahme und der Zähler — also genau die Informationen, mit denen die Werkstatt schneller zur Ursache käme.
Das Löschen hinterlässt ausserdem eine Spur. Die Bereitschaftstests der Abgasüberwachung stehen danach auf «nicht abgeschlossen», bis das Fahrzeug eine Reihe von Fahrzuständen durchlaufen hat. Bei einer technischen Prüfung und beim Gebrauchtwagenkauf ist das ein Hinweis, dass vor Kurzem jemand gelöscht hat.
Günstiger Leser oder Werkstattdiagnose
Ein einfacher Adapter mit App taugt für eine erste Orientierung: Welcher Bereich meldet sich, ist der Fehler aktuell, wie sehen einige Messwerte aus? Für die Besichtigung eines Gebrauchtwagens ist er ein gutes Werkzeug, wenn der Verkäufer einverstanden ist.
Eine Werkstatt arbeitet mit Geräten, die herstellerspezifische Codes, geführte Prüfabläufe und Anpassungen beherrschen, und mit der Erfahrung, welche Ursache bei welchem Motor häufig ist. Frag vorab, wie die Diagnose berechnet wird — nach Zeit oder pauschal — und ob sie bei einer anschliessenden Reparatur angerechnet wird. Die Antwort ist von Betrieb zu Betrieb verschieden.
Beim Gebrauchtkauf
Beim Kauf eines Gebrauchten ist das Auslesen eine der wenigen Prüfungen, die in Minuten etwas über die Elektronik sagen. Drei Dinge sind aufschlussreich: gespeicherte Fehler, auch wenn keine Leuchte brennt; Bereitschaftstests, die auf «nicht abgeschlossen» stehen; und Kontrollleuchten, die beim Einschalten der Zündung gar nicht erst aufleuchten.
Ein frisch gelöschter Speicher ist kein Beweis für einen verschwiegenen Fehler — nach einer Arbeit an der Batterie ist er normal. Er ist aber eine Frage wert, und die Antwort sollte zu dem passen, was im Serviceheft und auf den Rechnungen steht.
Was du der Werkstatt mitgibst
Hast du selbst ausgelesen, gib der Werkstatt die Codes mit der Momentaufnahme — als Bildschirmfoto oder Liste — und lösche vorher nichts. Dazu gehören die Symptome in deinen Worten: wann, wie oft, unter welchen Umständen. Bitte darum, dass das Ergebnis der Diagnose schriftlich festgehalten wird, mit den Messwerten, auf die sich die Werkstatt stützt.
Über Carvexia findest du Betriebe mit ihren Leistungen im Werkstattverzeichnis. Schreib in die Terminanfrage, dass es um eine Diagnose geht, nenne die Codes und die Leuchte und frag nach dem Vorgehen. Eine Werkstatt, die vor der ersten Zahl erklärt, wie sie suchen will, ist in aller Regel auch die, die findet.