Unterwegs
Maut in Südeuropa: Station, Box und Kamera
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Im Süden Europas zahlst du nicht für die Zeit, sondern für die Strecke. Wie abgerechnet wird, unterscheidet sich von Land zu Land und zunehmend von Strecke zu Strecke — mit Schranke, mit Box oder ganz ohne Halt. Wer die drei Arten kennt, fährt durch, ohne dass Monate später eine Nachforderung kommt.
Zeit oder Strecke: zwei Arten zu zahlen
Für Personenwagen gibt es in Europa zwei Systeme. Bei der Vignette zahlst du für einen Zeitraum und fährst so viel du willst — so in Österreich, der Schweiz und in weiten Teilen Osteuropas. Bei der streckenabhängigen Maut zahlst du für jeden Abschnitt, den du fährst, und der Betrag hängt von Strecke und Fahrzeugklasse ab — so in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Kroatien und Griechenland.
Die Maut erheben meist Konzessionsgesellschaften, die einzelne Autobahnen betreiben. Innerhalb eines Landes gibt es deshalb oft mehrere Betreiber mit eigenen Stationen, eigenen Websites und eigenen Regeln für Nachzahlungen. Manche Strecken arbeiten geschlossen: Bei der Einfahrt ziehst du ein Ticket, bei der Ausfahrt zahlst du nach Entfernung, so meist in Frankreich, Italien und Kroatien. Andere arbeiten offen, mit Stationen entlang der Strecke, an denen ein fester Betrag fällig wird; in Griechenland ist das verbreitet.
Die Klasse richtet sich nach Höhe, Achszahl und Anhänger. Wohnmobile, Transporter und Gespanne zahlen deshalb oft mehr als ein Auto allein. Wer ein gekauftes Auto auf dem Anhänger heimholt, landet in einer höheren Klasse und sollte das in die Kosten einrechnen. In all diesen Ländern zahlst du übrigens in Euro.
An der Station: Spuren und Zahlungsmittel
Eine Mautstation hat mehrere Spuren, und nicht jede nimmt jedes Zahlungsmittel. Welche Spur was annimmt, zeigt die Markierung darüber, und sie unterscheidet sich von Land zu Land:
- Frankreich: Spuren mit einem orangen «t» nur für Mautboxen; Spuren mit Kartensymbol für Karten; andere, oft mit grünem Pfeil, auch für Bargeld.
- Italien: gelbe Spuren mit «Telepass» nur für Boxen, blaue Spuren mit «Carte» für Karten, weisse Spuren mit Bargeldsymbol für alle Zahlungsarten.
- Spanien: «Telepeaje» oder «VIA-T» für Boxen, «Tarjetas» für Karten, «Manual» für Bargeld und Bedienung.
- Portugal, Kroatien und Griechenland: Boxspuren getrennt markiert, in Portugal mit dem grünen V von Via Verde; die übrigen Spuren für Karte und Bargeld.
Wenn es an der Station hakt
Der häufigste Fehler ist die Boxspur ohne Box. Die Schranke bleibt zu, und rückwärts aus der Spur zu fahren, ist verboten und gefährlich. Drück stattdessen den Rufknopf an der Säule und erklär, was los ist; der Betreiber öffnet oder nennt dir den Weg zur Nachzahlung.
Wer das Ticket verliert, zahlt in geschlossenen Systemen meist die längste Strecke, die zu dieser Ausfahrt führen kann. Wird die Karte abgelehnt, hilft ein zweites Zahlungsmittel; nicht jeder Automat nimmt jede Karte. Kannst du gar nicht zahlen, bekommst du in Italien an der Station einen Beleg und zahlst später nach, über die Website des Betreibers oder an einer Zahlstelle — die Frist dafür steht auf dem Beleg.
Die Mautbox und wo sie gilt
Eine Mautbox hinter der Windschutzscheibe öffnet die Schranke in der eigenen Spur, oft ohne dass du ganz anhalten musst, und rechnet später über ein Konto ab. In der Hauptreisezeit, wenn sich vor den Kassen Schlangen bilden, spart das spürbar Zeit.
Jedes Land hat seine eigene Box: Telepass in Italien, Via Verde in Portugal, ENC in Kroatien, die Boxen der französischen und spanischen Betreiber. Daneben gibt es Anbieter, deren Box in mehreren Ländern funktioniert, häufig in Frankreich, Spanien und Portugal, bei manchen auch in Italien und weiteren Ländern. Die EU hat mit dem europäischen elektronischen Mautdienst den Rahmen dafür geschaffen, aber eine einzige Box für ganz Europa ist für Personenwagen noch nicht Alltag.
Vor dem Vertrag prüfst du:
- welche Länder und welche Strecken genau abgedeckt sind, auch Brücken, Tunnel und Stadtautobahnen;
- wie die Gebühren aufgebaut sind — monatlich, pro Nutzung oder nur in Monaten mit Fahrten;
- ob die Box an ein Kennzeichen gebunden ist oder in jedem Fahrzeug derselben Klasse genutzt werden darf, und ob sich weitere Kennzeichen eintragen lassen;
- wie gekündigt wird und wann die Box zurückgegeben werden muss.
Maut ohne Schranke: die Kamera rechnet ab
Neu sind Strecken ganz ohne Stationen. Portale über der Fahrbahn lesen Kennzeichen und Box, abgerechnet wird ohne Halt. Wer eine Box hat, zahlt automatisch. Wer keine hat, muss selbst aktiv werden — und genau dort entstehen die meisten Nachforderungen.
In Frankreich funktionieren einige Autobahnen bereits so, darunter die Strecken zwischen Paris und der Normandie. Ohne Box zahlst du nach der Fahrt beim Betreiber, online mit dem Kennzeichen oder an seinen Partnerstellen, innerhalb einer kurzen Frist. In Portugal gibt es solche Strecken seit Langem, ausgeschildert mit dem Hinweis, dass nur elektronisch abgerechnet wird. Auf mehreren davon ist die Maut inzwischen abgeschafft, auf anderen gilt sie weiter. Für ausländische Kennzeichen bieten die Betreiber eigene Wege an: das Kennzeichen an Terminals bei der Einreise oder online mit einer Zahlungskarte verknüpfen, eine vorausbezahlte Karte oder die Nachzahlung über die offiziellen Kanäle.
In Italien arbeiten einzelne neuere Strecken ohne Schranke, und Kroatien hat angekündigt, sein ganzes Netz auf eine Abrechnung ohne Anhalten umzustellen; bis dahin gelten dort die Stationen. In Spanien und Griechenland überwiegen bisher die Stationen. In Spanien sind in den letzten Jahren zudem mehrere Autobahnen nach dem Ende ihrer Konzession mautfrei geworden.
Mit ausländischem oder Überführungskennzeichen
An der Station spielt das Kennzeichen keine Rolle: Du zahlst, die Schranke geht auf. Deshalb sind Stationen für eine Überführungsfahrt das einfachste Modell.
Bei der Kameramaut ist das Kennzeichen alles. Ohne Box zahlst du mit genau diesem Kennzeichen, beim Überführungskennzeichen also mit einem, das es erst seit Kurzem gibt und dessen Format ein Formular womöglich nicht kennt. Gib es Zeichen für Zeichen ein, wähl das richtige Zulassungsland und speichere den Beleg. Nimmt ein Formular das Kennzeichen nicht an, frag beim Betreiber nach, statt eine ähnliche Schreibweise zu probieren.
Die Box aus deinem anderen Auto kann helfen, wenn der Vertrag die Nutzung in einem anderen Fahrzeug derselben Klasse erlaubt oder du das Überführungskennzeichen eintragen kannst. Frag das vor der Abholung. Die Rechnung für eine unbezahlte Durchfahrt geht an den Halter des Kennzeichens; beim Überführungskennzeichen bist das du, beim Mietwagen der Vermieter, der sie mit einer Bearbeitungsgebühr an dich weiterreicht.
Nachforderungen vermeiden
Die meisten Nachforderungen haben wenige Ursachen: eine Kameramaut, die niemand bezahlt hat, eine Box, die nicht erkannt wurde oder deren Konto leer war, ein Mietwagen — und ein verkauftes Auto, in dem die eigene Box noch klebt.
Kommt trotzdem eine Forderung, prüf sie in Ruhe. Eine echte nennt Betreiber, Strecke, Datum und Kennzeichen, oft mit Foto, und sie kommt häufig Monate nach der Reise, manchmal über ein beauftragtes Inkassounternehmen. Vergleich die Angaben mit deinen Belegen, und zahl über die Kanäle, die der Betreiber selbst auf seiner Website nennt. Stimmt etwas nicht, reich den Beleg ein, der das Gegenteil zeigt.
Nachrichten per SMS oder E-Mail über angeblich unbezahlte Maut, die zur Zahlung über einen Link drängen, sind eine verbreitete Betrugsmasche. Folge keinem solchen Link, sondern ruf die Website des Betreibers selbst auf und such dort nach offenen Beträgen für dein Kennzeichen. Heb Mautbelege deshalb länger auf, als es sich richtig anfühlt.
Damit es gar nicht so weit kommt, hilft eine kurze Routine:
- Vor der Fahrt prüfen, ob die Strecke Abschnitte ohne Schranke hat, und festlegen, wie du dort zahlst.
- Kameramaut ohne Box bezahlen, sobald der Betreiber die Durchfahrt anzeigt, und den Beleg speichern.
- Öffnet die Schranke trotz Box nicht, den Rufknopf drücken und sich einen Beleg geben lassen.
- Nach der Reise die Abrechnung der Box mit der gefahrenen Strecke vergleichen.
- Beim Verkauf des eigenen Autos die Box herausnehmen und den Vertrag anpassen.