Unterwegs
Crit'Air: die Umweltplakette für Frankreich
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Die Crit'Air-Plakette ist ein runder Aufkleber mit einer Ziffer, und wer nur auf der Autobahn durch Frankreich fährt, kommt oft ohne sie aus. Wer aber in eine Stadt mit Umweltzone will, braucht sie auch mit ausländischem Kennzeichen — und zwar an der Scheibe, bevor er losfährt, denn sie kommt per Post.
Was die Plakette ausweist
Die Plakette heisst offiziell «certificat qualité de l'air», Luftqualitätsbescheinigung. Sie ordnet ein Fahrzeug in eine von sechs Klassen ein, von 0 bis 5, jede mit eigener Farbe. Je kleiner die Ziffer, desto sauberer gilt das Fahrzeug. Sehr alte Fahrzeuge fallen ganz heraus: Sie bekommen keine Plakette und gelten als nicht eingestuft, und das heisst in der Praxis, dass sie überall dort, wo Beschränkungen gelten, als Erste draussen bleiben.
Auf der Plakette steht neben der Klasse das Kennzeichen des Fahrzeugs. Damit gehört sie zu genau diesem Auto mit genau diesem Kennzeichen. Klebt sie an einem anderen Auto oder trägt das Auto inzwischen ein anderes Kennzeichen, belegt sie nichts mehr. Angebracht wird sie vorne an der Windschutzscheibe, so, dass sie von aussen lesbar ist; eine Plakette im Handschuhfach zählt nicht.
Die Plakette ist weder Maut noch Steuer. Sie ist eine Kennzeichnung, auf deren Grundlage Städte und Behörden festlegen, welche Fahrzeuge wann in ein Gebiet fahren dürfen. Wie kontrolliert wird — durch Polizei und kommunale Ordnungskräfte beim Anhalten oder Parken oder automatisch —, ist von Ort zu Ort verschieden und ändert sich. Rechne damit, dass kontrolliert wird, und nicht damit, dass es gerade dich nicht trifft.
Wonach sich die Klasse richtet
Drei Angaben bestimmen die Klasse: die Fahrzeugart, also Personenwagen, Lieferwagen, Motorrad oder schweres Fahrzeug, die Antriebsart und die Euro-Abgasnorm, nach der das Fahrzeug genehmigt wurde. Fehlt die Norm in den Papieren, tritt an ihre Stelle das Datum der Erstzulassung, weil sich daraus ableiten lässt, welche Norm zu diesem Zeitpunkt mindestens verlangt war.
Für Personenwagen ergibt das eine Staffelung, die sich merken lässt:
- Crit'Air 0, grün: reine Elektro- und Wasserstofffahrzeuge.
- Crit'Air 1, violett: Gasfahrzeuge, Plug-in-Hybride und Benziner ab Euro 5.
- Crit'Air 2, gelb: Benziner mit Euro 4 und Diesel ab Euro 5.
- Crit'Air 3, orange: Benziner mit Euro 2 oder 3 und Diesel mit Euro 4.
- Crit'Air 4, bordeauxrot, und Crit'Air 5, grau: ältere Diesel mit Euro 3 beziehungsweise Euro 2.
Zwei Dinge, die an der Tabelle auffallen
Ein Diesel landet bei gleicher Norm eine Klasse tiefer als ein Benziner; ein Euro-6-Diesel teilt sich die Klasse 2 mit einem Euro-4-Benziner. Und ein Hybrid ohne Stecker wird nach Kraftstoff und Norm eingestuft wie jeder andere Verbrenner; die Klasse 1 allein wegen des Antriebs bekommt nur der Plug-in-Hybrid.
Die offizielle Stelle bietet einen Rechner an, der aus Fahrzeugart, Antrieb und Norm oder Erstzulassung die Klasse ermittelt. Wer ein Auto erst kaufen will und später damit nach Frankreich fahren möchte, prüft so vor dem Kauf, wo es landen wird — ein Unterschied, der sich im Alltag stärker bemerkbar macht als im Preis.
Die Zonen und wann sie gelten
Frankreich knüpft zwei Arten von Beschränkungen an die Plakette. Die erste sind die dauerhaften Umweltzonen, die «zones à faibles émissions», kurz ZFE, die Ballungsräume einrichten; die bekanntesten liegen im Grossraum Paris und in Lyon. In einer solchen Zone dürfen Fahrzeuge bestimmter Klassen zu bestimmten Zeiten nicht fahren. Welche Klassen ausgeschlossen sind, wie weit die Zone reicht und ob das Verbot rund um die Uhr oder nur werktags gilt, legt jede Zone selbst fest.
Die zweite Art sind Beschränkungen bei hoher Luftbelastung. Wird in einem Gebiet eine Schadstoffepisode festgestellt, kann die Präfektur für deren Dauer eine «circulation différenciée» anordnen: Dann dürfen nur Fahrzeuge bestimmter Klassen fahren, und zwar auch dort, wo es keine dauerhafte Zone gibt. Solche Anordnungen werden kurzfristig bekanntgegeben, oft am Vortag, und treffen gerade Reisende, die davon nichts wissen.
Die Zonen sind in Frankreich politisch umstritten. Das Parlament hatte ihre Abschaffung beschlossen, der Verfassungsrat hat diesen Teil des Gesetzes aus formalen Gründen aufgehoben, und die Zonen bestehen weiter. Dass die Diskussion damit beendet ist, glaubt kaum jemand. Für dich folgt daraus eine einfache Regel: Verlass dich weder auf einen Zeitungsartikel noch auf das, was vor einem Jahr galt, sondern sieh vor der Fahrt auf der Seite der Stadt oder der Metropole nach, deren Gebiet du durchfährst.
An der Einfahrt ist eine Zone ausgeschildert, mit Zusatzschildern zu den betroffenen Klassen und Zeiten. Das Navigationsgerät kennt die Zonen nicht verlässlich, und am Schild ist es für eine Umkehr meist zu spät.
Bestellen: nur bei der offiziellen Stelle
Ausgegeben wird die Plakette von einer einzigen Stelle: der Website der französischen Regierung für das «certificat qualité de l'air», die im Auftrag des Umweltministeriums betrieben wird. Ihre Adresse endet auf «.gouv.fr». Dort bestellst du online, auch aus dem Ausland, und die Plakette kommt per Post. Der Preis ist gering.
Wer nach «Crit'Air bestellen» sucht, findet oft zuerst andere Seiten. Sie sehen amtlich aus, verlangen ein Vielfaches und leiten den Antrag im besten Fall nur weiter; im schlechtesten Fall kommt nie etwas an, und deine Fahrzeugpapiere liegen bei einem Unbekannten. Es gibt keinen Grund, einen Vermittler zu bezahlen: Das offizielle Formular ist kurz.
Für die Bestellung brauchst du das Kennzeichen, das Zulassungsland und eine Datei des Zulassungsdokuments, aus der die Angaben zum Fahrzeug hervorgehen. Achte darauf, dass sie lesbar ist und die Seite mit den technischen Angaben zeigt. Eine unleserliche Kopie verzögert die Bearbeitung, und genau diese Zeit fehlt dir dann vor der Abreise.
Weil die Plakette per Post kommt, ist die Planung das eigentliche Thema. Der Weg ins Ausland dauert länger als innerhalb Frankreichs, und wer in der Woche vor der Abreise bestellt, fährt womöglich ohne los. Rechne nicht damit, dass eine Bestellbestätigung die Plakette an der Scheibe ersetzt, sondern bestell so früh, dass sie vor der Abfahrt klebt.
Mit ausländischem Kennzeichen
Die Beschränkungen gelten für alle Fahrzeuge, gleich wo sie zugelassen sind. Ein ausländisches Kennzeichen befreit nicht von der Plakette, und eine Umweltplakette aus einem anderen Land wird nicht anerkannt: Die deutsche grüne Plakette sagt einem französischen Kontrolleur nichts, und umgekehrt gilt Crit'Air in deutschen Umweltzonen nicht.
Die häufigste Falle liegt in den Papieren. Viele ausländische Zulassungsdokumente nennen die Euro-Norm nicht im Klartext, sondern als Code oder gar nicht. Auf der EU-einheitlichen Zulassungsbescheinigung ist dafür das Feld V.9 vorgesehen, doch ob es ausgefüllt ist, hängt vom Land und vom Alter des Dokuments ab. Fehlt die Norm, wird nach dem Datum der Erstzulassung eingestuft — und das kann eine schlechtere Klasse ergeben, als das Auto verdient, etwa bei Fahrzeugen, die eine Norm schon erfüllten, bevor sie Pflicht wurde.
Verlässlich steht die Norm in der Übereinstimmungsbescheinigung, der COC. Halte sie bereit und prüf beim Ausfüllen, ob das Formular einen solchen zusätzlichen Nachweis zulässt. Stimmt die Klasse auf der gelieferten Plakette nicht mit dem überein, was die Papiere hergeben, wende dich an die ausgebende Stelle, bevor du mit der falschen Klasse in eine Zone fährst.
Das gilt nicht nur für Personenwagen. Motorräder, Wohnmobile und Lieferwagen brauchen die Plakette ebenfalls und werden nach eigenen Tabellen eingestuft.
Beim Autokauf in Frankreich
In Frankreich bleibt das Kennzeichen beim Fahrzeug, auch wenn es den Besitzer wechselt. Eine Plakette an der Scheibe eines Gebrauchtwagens passt deshalb zu ihm, solange er mit diesem Kennzeichen fährt. Fährt das Auto für die Heimfahrt aber mit einem anderen Kennzeichen, etwa einem Überführungs- oder Ausfuhrkennzeichen, belegt die Plakette nichts mehr: Auf ihr steht ein Kennzeichen, das nicht mehr am Auto hängt.
Eine neue Plakette auf ein Kennzeichen zu bestellen, das es erst am Abholtag gibt, klappt wegen des Postwegs praktisch nie rechtzeitig. Die saubere Lösung ist deshalb nicht die Plakette, sondern die Route: Liegt der Abholort in einer Zone, vereinbare mit dem Verkäufer die Übergabe ausserhalb, und plane die Heimfahrt über Strecken, die keine Zone berühren. Prüf am Vortag, ob in der Region eine Schadstoffepisode angekündigt ist.
Vor dem Kauf lohnt es sich, die Klasse zu kennen, auch wenn das Auto nicht in Frankreich bleibt. Lass dir ein Foto der Zulassungsbescheinigung schicken und such dort das Feld V.9 — in französischen Papieren ist es in der Regel ausgefüllt. So weisst du, was du kaufst, und hast die Angabe zur Hand, wenn du später eine Plakette für dein eigenes Kennzeichen bestellst.
Ist das Auto zu Hause zugelassen, gilt für jede weitere Fahrt in eine französische Zone dasselbe wie für jedes ausländische Fahrzeug. Die Plakette wird auf das neue Kennzeichen ausgestellt, und die alte kommt von der Scheibe — bei einer Kontrolle stiftet sie nur Verwirrung.