Zum Inhalt springen
Zurück zum Ratgeber

Elektro

Elektroauto im Ausland kaufen: Stecker, Software, Garantie

7 Min. Lesezeit

Ein Elektroauto ist ein Fahrzeug mit einem Computer, einem Konto beim Hersteller und einer Batterie, deren Wert an einer Garantie hängt. Alle drei haben eine Länderversion, und beim Kauf über die Grenze entscheidet sich, ob sie mitkommt.

Was an einem Elektroauto länderspezifisch ist

Bei einem Verbrenner aus dem Ausland fragt man nach Ausstattung, Papieren und Zustand. Bei einem Elektroauto kommen Dinge dazu, die man nicht sieht: welcher Lader eingebaut ist, für welchen Markt die Software eingerichtet ist, auf wen das Fahrzeug beim Hersteller registriert ist und ob die Batteriegarantie im eigenen Land anerkannt wird. Nichts davon steht zuverlässig im Inserat, und manches lässt sich nach dem Kauf nur mit Aufwand ändern.

Innerhalb Europas sind die Unterschiede meist klein, weil Hersteller für den europäischen Markt weitgehend einheitlich bauen. Es gibt sie trotzdem — in der Serienausstattung, in freigeschalteten Funktionen, in den Leistungen des nationalen Importeurs. Deutlich grösser werden sie bei Fahrzeugen, die ursprünglich für einen Markt ausserhalb Europas gebaut wurden: andere Ladeanschlüsse, andere Funkfrequenzen, keine europäische Übereinstimmungsbescheinigung. Was je nach Markt verschieden sein kann:

  • Der eingebaute Lader für Wechselstrom und seine Leistung.
  • Die Wärmepumpe, die im Winter die Reichweite spürbar beeinflusst und je nach Modell und Markt Serie oder Aufpreis ist.
  • Die Batteriegrösse, wenn ein Modell in mehreren Varianten angeboten wurde.
  • Kartendaten, Sprachen und vernetzte Dienste.
  • Leistungen des nationalen Importeurs, die über die Herstellergarantie hinausgehen.

Ladeanschluss, Bordlader, Kabel

Europäische Elektroautos der letzten Jahre haben eine Typ-2-Buchse mit CCS-Kontakten für das Schnellladen. Ältere Modelle und Fahrzeuge aus Japan oder Nordamerika können eine Typ-1-Buchse, einen CHAdeMO-Anschluss oder einen anderen dort üblichen Stecker haben. Das ist die erste Frage bei jedem Fahrzeug aus dem Ausland, und ein Foto der geöffneten Ladeklappe beantwortet sie. Was welcher Anschluss kann und welche Adapter es gibt, steht im Beitrag über Typ 2, CCS und Adapter.

Weniger sichtbar ist der Bordlader, der beim Laden mit Wechselstrom die Leistung begrenzt. Hersteller bieten ihn je nach Markt in verschiedenen Ausführungen an — einphasig oder dreiphasig, mit höherer Leistung als Option oder als Serie —, und nachrüsten lässt er sich in der Regel nicht sinnvoll. Ein Fahrzeug mit einphasigem Lader lädt an einer dreiphasigen Säule nur einen Bruchteil dessen, was dasselbe Modell mit dreiphasigem Lader schafft. Frag nach der Ausführung und lass sie dir mit der Ausstattungsliste oder den Fahrzeugdaten belegen.

Beim Kabel gibt es eine Kleinigkeit mit Folgen: Das Notladekabel für die Haushaltssteckdose hat den Stecker des Verkaufslandes. Ein Schuko-Stecker passt zum Beispiel in keine gewöhnliche Schweizer Steckdose, und ein Reiseadapter ist nicht für stundenlange Dauerlast gebaut. Rechne ein passendes Kabel für dein Land in den Preis ein, statt es mit Adaptern zu überbrücken.

Software, Karten, vernetzte Dienste

Ein Elektroauto hängt stärker an seiner Software als ein Verbrenner: Ladeplanung, Vorkonditionierung der Batterie, Klimatisierung aus der Ferne, Aktualisierungen über die Luft. Welche Funktionen in einem Land verfügbar sind, entscheidet der Hersteller je Markt. Ein Fahrzeug, das für ein anderes Land eingerichtet ist, funktioniert in der Regel auch bei dir, aber einzelne Dienste, Sprachen oder Kartenbereiche können fehlen oder müssen von einer Markenwerkstatt umgestellt werden.

Die vernetzten Dienste laufen meist über ein Konto beim Hersteller, und das Fahrzeug ist mit dem Konto des bisherigen Halters verknüpft. Das ist der Punkt, der beim Kauf am häufigsten vergessen wird: Solange das Fahrzeug in seinem Konto steht, kann er es unter Umständen orten, öffnen oder Funktionen aus der Ferne auslösen. Lass den Verkäufer das Fahrzeug vor der Übergabe aus seinem Konto entfernen und prüf in deiner eigenen App, dass du es hinzufügen kannst. Manche Hersteller verlangen dafür einen Eigentumsnachweis oder einen Termin in der Werkstatt.

Manche Dienste sind Abonnements mit eigener Laufzeit, die ab der Erstzulassung einige Jahre inbegriffen sind und danach kosten, und manche Funktionen hat der Vorbesitzer als Zusatz freigeschaltet. Ob sie mit dem Fahrzeug auf dich übergehen, an sein Konto gebunden sind oder beim Halterwechsel erlöschen, regeln die Bedingungen des Herstellers. Frag danach, bevor du sie in den Preis einrechnest.

Ladekarten und Ladeverträge gehören dem bisherigen Halter, nicht dem Fahrzeug. Er kündigt sie, du schliesst eigene ab. Ist das Fahrzeug so eingerichtet, dass es sich an der Säule automatisch über einen Vertrag anmeldet, gehört auch diese Verknüpfung gelöst — sonst läuft jede Ladung weiter über seinen Vertrag.

Garantie über die Grenze

Drei Zusagen sind auseinanderzuhalten. Die gesetzliche Gewährleistung richtet sich gegen den Verkäufer und folgt dem Recht, das auf den Kaufvertrag anwendbar ist. Die Herstellergarantie, auch die auf die Batterie, ist ein freiwilliges Versprechen des Herstellers mit eigenen Bedingungen. Und manche nationalen Importeure geben zusätzlich eigene Leistungen: eine verlängerte Garantie, Gratisservice, Mobilitätsgarantie.

Die Herstellergarantie eines in Europa ausgelieferten Fahrzeugs wird in aller Regel in ganz Europa von den Vertragsbetrieben der Marke abgewickelt, und die Batteriegarantie geht meist mit dem Fahrzeug auf den nächsten Halter über. Beides steht aber in den Bedingungen und nicht im Gesetz: Manche verlangen eine Meldung des Halterwechsels oder die Einhaltung der Inspektionen bei zugelassenen Betrieben, manche beschränken den Geltungsbereich auf bestimmte Länder.

Die zusätzlichen Leistungen eines nationalen Importeurs gelten dagegen oft nur für Fahrzeuge aus seinem eigenen Vertrieb. Ein Fahrzeug aus dem Nachbarland hat dann die Herstellergarantie, aber nicht die Verlängerung, mit der der Importeur im eigenen Land wirbt. Beim Preisvergleich ist das ein echter Unterschied.

Die Prüfung dauert ein Telefonat: Ein Vertragsbetrieb der Marke im eigenen Land sieht über die Fahrgestellnummer, welche Garantien für dieses Fahrzeug bei ihm gelten, bis wann und bis zu welcher Laufleistung. Lass dir die Antwort schriftlich geben, bevor du kaufst, und frag im selben Zug nach offenen Rückrufen und Serviceaktionen.

Förderung und Rückforderung

Viele Staaten haben den Kauf von Elektroautos mit Prämien, Steuervorteilen oder Zuschüssen gefördert, und die Programme ändern sich laufend. Für den Kauf über die Grenze ist ein Mechanismus wichtiger als jeder Betrag: Viele Kaufprämien sind an eine Mindesthaltedauer gebunden. Wer ein gefördertes Fahrzeug vorher verkauft, abmeldet oder ins Ausland bringt, muss die Prämie unter Umständen ganz oder teilweise zurückzahlen.

Diese Pflicht trifft den Empfänger der Prämie, also in der Regel den Verkäufer, nicht dich. Sie betrifft dich trotzdem, auf zwei Wegen. Erstens erklärt sie, warum ein sehr junges Elektroauto aus einem Land mit Förderung manchmal auffällig günstig oder auffällig kompliziert angeboten wird. Zweitens führt sie zu Vorschlägen, auf die du nicht eingehen solltest: das Fahrzeug formal noch einige Monate auf den Verkäufer zugelassen zu lassen, den Vertrag später zu datieren oder die Ausfuhr erst später zu melden. Das legt Haftung, Versicherung und Bussen auf den falschen Namen und macht dich zum Beteiligten einer Umgehung.

Frag bei einem jungen Fahrzeug deshalb direkt, ob es gefördert wurde und ob eine Haltefrist läuft; der Verkäufer kann das bei der Stelle klären, die die Prämie ausgezahlt hat. Umgekehrt gilt: Wer im eigenen Land eine Förderung oder einen Steuervorteil erwartet, prüft vorher, ob sie auch für ein gebrauchtes, eingeführtes Fahrzeug gilt. Viele Programme knüpfen an eine Neuzulassung im Inland oder an das Datum der Erstzulassung an, und auch die Abgaben bei der Einfuhr haben sich für Elektroautos in einzelnen Ländern geändert. Die aktuellen Bedingungen nennen der Programmträger, die Steuerverwaltung und bei einer Einfuhr die Zollverwaltung.

Die Papiere zur Batterie

Beim Kauf über die Grenze kannst du den Zustand der Batterie nicht selbst beurteilen, bevor du hinfährst. Umso wichtiger sind die Papiere, die ihren Zustand und ihre Geschichte belegen — und die Frage, ob sie in einer Form vorliegen, mit der eine Werkstatt im eigenen Land etwas anfangen kann. Was eine Batteriegarantie zusagt und wie ihr Zustand gemessen wird, beschreibt der Beitrag zur Batteriegarantie; hier geht es darum, was du in der Hand haben solltest.

Was im Inserat zur Batterie steht, hat der Verkäufer angegeben. Kapazität, Reichweite und jede Aussage zum Zustand sind ein Ausgangspunkt, kein Nachweis. Die unabhängige Messung am Standort des Fahrzeugs, wie sie der Beitrag über den Kauf ohne Besichtigung beschreibt, ist bei einem Elektroauto der Teil der Prüfung, der am meisten über den Preis entscheidet.

Die EU führt für neue Antriebsbatterien einen digitalen Batteriepass ein, der Herkunft, Zusammensetzung und Zustand dokumentieren soll. Für die Fahrzeuge, die heute gebraucht über die Grenze verkauft werden, gibt es ihn in aller Regel noch nicht. Bis dahin bleibt es bei den Unterlagen, die du dir vor der Zahlung zeigen lässt:

  • Ein aktuelles Batterieprotokoll aus einem Diagnosegerät, mit Datum, Kilometerstand und Fahrgestellnummer — kein Bildschirmfoto der Reichweitenanzeige.
  • Die Garantiebedingungen für die Batterie, für dieses Modelljahr und dieses Vertriebsgebiet, und die schriftliche Auskunft eines Vertragsbetriebs im eigenen Land, dass sie dort gelten.
  • Die Nachweise der Inspektionen, an die die Garantie geknüpft ist, und die Rechnungen von Arbeiten an Hochvoltteilen.
  • Belege zu Rückrufen und Softwareaktionen, die die Batterie betrafen, und ob sie ausgeführt wurden.
  • Die Übereinstimmungsbescheinigung mit den Angaben zum Antrieb, die die Zulassungsstelle im Zielland verlangt.

Passend dazu im Bestand

Weitere Beiträge