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Panne mit dem Elektroauto: Akku leer, abschleppen, weiter
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Mit einem Elektroauto liegen zu bleiben, ist selten dramatisch, aber anders als mit einem Verbrenner. Einen Kanister gibt es nicht, Abschleppen hat eigene Regeln, und nach einem Unfall zählt, dass alle Beteiligten wissen, dass Hochvolt an Bord ist. Die Einzelheiten stehen in der Betriebsanleitung deines Fahrzeugs; hier geht es um das, was für fast alle gilt.
Was bei leerer Batterie passiert
Ein Elektroauto bleibt nicht schlagartig stehen, wenn die Anzeige null erreicht. Das Batteriemanagement hält unterhalb der angezeigten Null eine Reserve zurück, die die Zellen vor einer Tiefentladung schützt. Sie ist nicht als Fahrreserve gedacht, sorgt aber dafür, dass das Auto in Stufen herunterfährt statt abrupt: Meist sinkt zuerst die verfügbare Leistung, dann die Höchstgeschwindigkeit, und schliesslich schaltet der Antrieb ab.
Wie viele Kilometer zwischen der ersten Warnung und dem Stillstand liegen, ist von Modell zu Modell verschieden und lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Die Anzeige rechnet mit dem Verbrauch der letzten Kilometer; eine Steigung, Gegenwind oder Kälte verschieben die Rechnung am Ende schnell. Wer bewusst darauf fährt, spielt mit einer Reserve, deren Grösse er nicht kennt.
Bleibt das Auto stehen, funktionieren Lenkung, Bremse, Licht und Warnblinker in der Regel noch eine Weile, denn das Bordnetz hängt an der 12-Volt-Batterie, nicht am Antrieb. Fahr also, sobald die Leistung nachlässt, an eine sichere Stelle, schalte den Warnblinker ein und sichere die Stelle wie bei jeder Panne. Danach bleiben drei Wege: Manche Pannendienste haben mobile Ladegeräte, die genug für die nächste Säule nachladen, aber nicht jeder Dienst überall. Der Pannendienst kann das Auto zur nächsten Ladestation bringen. Oder, wenn eine Steckdose erreichbar ist, hilft das Notladekabel, langsam, aber wirksam.
Die Warnungen vorher ernst nehmen
Die meisten Fahrzeuge warnen in mehreren Stufen: erst ein Hinweis bei niedrigem Ladestand, dann eine deutlichere Meldung, bei manchen mit dem Vorschlag, eine Säule anzusteuern, und schliesslich ein Symbol für reduzierte Leistung, oft als Schildkröte dargestellt. Was welches Symbol bedeutet, steht in der Betriebsanleitung, und es lohnt sich, das zu kennen, bevor man es braucht.
Ab der ersten Warnung zählt Energie mehr als Zeit. Langsamer fahren senkt den Verbrauch auf der Autobahn deutlich, weil der Luftwiderstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst. Klimaanlage oder Heizung zurückzunehmen hilft zusätzlich, vor allem bei niedrigem Tempo. Und die nächste erreichbare Säule ins Navigationssystem nehmen, nicht die, zu der man eigentlich wollte, am besten mit einem Blick in die App, ob sie gerade in Betrieb ist.
Eine Meldung zum Hochvoltsystem oder zur Batterietemperatur ist etwas anderes als niedriger Ladestand. Sie kann auch bei voller Batterie erscheinen und verlangt je nach Farbe und Symbol, dass du sofort anhältst. Die Unterscheidung zwischen Warnungen, die sofortiges Handeln verlangen, und solchen, die bald eine Werkstatt brauchen, gilt beim Elektroauto genauso wie beim Verbrenner.
Abschleppen: warum meist auf der Ladefläche
Bei den meisten Elektroautos sind Motor und Räder über ein festes Untersetzungsgetriebe verbunden, ohne Kupplung dazwischen. Drehen sich die Räder, dreht sich der Motor. Ein Motor mit Permanentmagneten erzeugt dabei Spannung, auch wenn das Auto ausgeschaltet ist. Beim Schleppen über längere Strecken kann diese Spannung die Leistungselektronik beschädigen, und Motor und Getriebe erwärmen sich, ohne dass die Kühlung läuft wie im Fahrbetrieb.
Die meisten Hersteller schreiben deshalb vor, ein Elektroauto auf einer Ladefläche zu transportieren oder zumindest die angetriebenen Räder anzuheben; bei Allradantrieb bleibt dann nur die Ladefläche. Schleppen mit Seil oder Stange auf allen vier Rädern ist bei vielen Modellen gar nicht oder nur über eine kurze Strecke mit niedrigem Tempo erlaubt, etwa um das Auto aus einer Gefahrenzone zu ziehen. Wo die Grenzen liegen, steht in der Betriebsanleitung. Sie gilt, nicht die Gewohnheit dessen, der das Auto abholt.
Das hat eine Folge für den Anruf: Ein Pannendienst, der mit einem Schleppwagen für Verbrenner anrückt, kann das Auto unter Umständen nicht mitnehmen. Sag deshalb schon am Telefon, dass es ein Elektroauto ist, welche Antriebsart es hat und dass eine Ladefläche nötig ist.
Auch das Aufladen folgt Regeln. Die Abschleppöse wird in ein Gewinde in der Stossstange geschraubt; sie liegt meist beim Bordwerkzeug, und die Abdeckung des Gewindes ist nicht immer leicht zu finden. Gezogen wird nur an dieser Öse, nicht an Achsteilen, und unter dem Auto setzt niemand am Batteriegehäuse an. Wagenheber und Hebebühne gehören an die dafür markierten Punkte.
Transportmodus und Neutralstellung
Ein Elektroauto, das stehen bleibt, steht in der Regel in P, und die Parksperre hält es fest. Um es auf eine Ladefläche zu ziehen oder ein paar Meter zu schieben, muss sie gelöst sein, und dazu braucht das Auto Strom, meist aus der 12-Volt-Batterie. Ist diese leer, bleibt die Sperre eingelegt.
Viele Modelle haben dafür einen eigenen Modus, der je nach Hersteller Transport-, Abschlepp- oder Schleppmodus heisst. Er hält die Neutralstellung, löst die elektrische Feststellbremse und verhindert, dass das Auto nach kurzer Zeit von selbst wieder in P schaltet. Wie er aktiviert wird, steht in der Betriebsanleitung. Lies den Abschnitt einmal, wenn du das Auto übernimmst; am Strassenrand im Regen ist der falsche Zeitpunkt.
Ist die 12-Volt-Batterie leer, lässt sich das Auto bei vielen Modellen über Starthilfe an den dafür vorgesehenen Anschlusspunkten wecken. Danach kann es in den Transportmodus geschaltet oder, wenn die Antriebsbatterie noch Ladung hat, sogar wieder gefahren werden. Manche Hersteller haben für die Parksperre zusätzlich eine mechanische Notentriegelung. Ob dein Elektroauto selbst anderen Autos Starthilfe geben darf, ist eine eigene Frage; viele Hersteller raten davon ab.
Nach einem Unfall: Hochvolt
Elektroautos sind so gebaut, dass bei einem Unfall mit Airbagauslösung das Hochvoltsystem in der Regel automatisch abgeschaltet wird: Schütze trennen die Batterie vom übrigen Netz. Die Batterie selbst bleibt aber geladen. Orange Leitungen und Bauteile fasst nach einem Unfall niemand an, der nicht dafür ausgebildet ist, auch nicht, um etwas zu überprüfen.
Die ernstere Gefahr kommt manchmal später. Ist das Batteriegehäuse beschädigt, können einzelne Zellen innerlich kurzschliessen und sich erhitzen, und das kann Stunden oder Tage nach dem Unfall zu einem Brand führen. Warnzeichen sind Rauch oder Dampf aus dem Unterboden, Zischen, Knacken oder ein stechender, chemischer Geruch. Geh dann auf Abstand und ruf die Feuerwehr; einen Batteriebrand löscht niemand mit dem Handfeuerlöscher.
Sag den Rettungskräften am Telefon und vor Ort, dass es sich um ein Elektroauto handelt. Für jedes Modell gibt es eine Rettungskarte des Herstellers, die zeigt, wo Batterie, Leitungen und Trennstellen liegen. Viele Automobilclubs empfehlen, sie ausgedruckt hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite mitzuführen. Rettungsdienste haben diese Informationen zunehmend digital, aber eine Karte im Auto schadet nie.
Danach gehört das Auto ins Freie, mit Abstand zu Gebäuden und anderen Fahrzeugen, bis ein Fachbetrieb die Batterie beurteilt hat. Abschleppdienste, die regelmässig Elektroautos bergen, kennen das Vorgehen. Das gilt auch nach einem Aufsetzer ohne Airbag, etwa auf einem Randstein oder einem Stein im Feldweg: Eine Delle im Batteriegehäuse ist ein Grund, das Auto prüfen zu lassen, bevor du weiterfährst oder es in eine Tiefgarage stellst.
Was die Pannenhilfe wissen muss
Je genauer die Angaben am Telefon, desto eher kommt das richtige Fahrzeug, und desto eher weiss die Werkstatt danach, womit sie es zu tun hat. Ein Teil davon lässt sich nur ablesen, solange das Bordnetz noch arbeitet; notier es also, bevor du anrufst. Halte bereit:
- Marke, Modell, Modelljahr und Antriebsart, also Front, Heck oder Allrad, und den Hinweis, dass es ein Elektroauto ist.
- Den Ladestand laut Anzeige und ob sich das Auto noch einschalten lässt.
- Ob sich Neutral einlegen lässt und ob die 12-Volt-Batterie arbeitet, also ob Licht, Anzeigen und Türverriegelung reagieren.
- Wo die Abschleppöse liegt und ob du den Transportmodus aktivieren kannst.
- Ob Meldungen zum Hochvoltsystem angezeigt werden, und nach einem Unfall, ob Airbags ausgelöst haben oder der Unterboden aufgesetzt hat.
Wer zahlt und wohin das Auto kommt
Klär rechtzeitig, wer die Hilfe bezahlt. Viele Hersteller geben zu neueren Autos eine Mobilitätsgarantie oder Pannenhilfe, und ob ein leerer Akku darin enthalten ist, ist unterschiedlich geregelt: Manche behandeln ihn wie einen Defekt, andere wie einen leeren Tank. Dasselbe gilt für Automobilclubs und Versicherungen mit Pannenschutz. Die Bedingungen liest man am besten, bevor man sie braucht.
Nach dem Transport zählt, wohin das Auto kommt. Liegt die Ursache nur im Ladestand, genügt eine Ladestation. Liegt sie in der 12-Volt-Batterie, kann fast jede Werkstatt helfen. Deutet etwas auf das Hochvoltsystem, gehört das Auto zu einem Betrieb, der dafür geschult ist und dein Modell diagnostizieren kann, und das ist nicht immer der nächstgelegene.