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Inzahlungnahme: das alte Auto beim Händler lassen
7 Min. Lesezeit
Beim Händler das alte Auto abzugeben und mit dem neuen vom Hof zu fahren, ist bequem, und Bequemlichkeit hat einen Preis. Die Frage ist nicht, ob der Händler weniger zahlt als ein privater Käufer — das tut er fast immer —, sondern ob der Unterschied grösser ist als das, was dir ein Privatverkauf abverlangt.
Zwei Geschäfte in einem Vertrag
Eine Inzahlungnahme sind eigentlich zwei Verträge: Du verkaufst dem Händler dein Fahrzeug, und er verkauft dir seines. Weil beides auf einem Blatt steht, lässt sich der Betrag frei zwischen den beiden Zeilen verschieben — ein grosszügiger Ankaufspreis kann mit einem kleineren Nachlass bezahlt sein, und umgekehrt.
Verhandle deshalb in zwei Schritten: erst den Preis des Fahrzeugs, das du kaufst, als wäre kein Eintausch im Spiel, dann den Ankaufspreis deines alten. Wie man die erste Zahl verhandelt, steht im Beitrag über die Preisverhandlung.
Wie ein Händler den Ankaufspreis bildet
Ein Händler rechnet rückwärts. Er schätzt, zu welchem Preis er dein Fahrzeug wieder verkaufen kann, und zieht davon ab, was bis dahin anfällt: Aufbereitung, Reparaturen, neue Reifen oder ein fälliger Service, die Haftung, die er als gewerblicher Verkäufer gegenüber seinem Kunden übernimmt, das Kapital, das während der Standzeit gebunden ist, und seine Marge.
Passt dein Fahrzeug nicht in seinen Bestand — ein Kleinwagen beim Händler für Oberklasse, ein altes Fahrzeug mit vielen Kilometern —, verkauft er es an einen anderen Händler oder über eine Auktion weiter, und dann rechnet er mit dem Preis, den er dort erzielt. Ein Ankaufspreis unter dem privaten Marktpreis ist deshalb keine Übervorteilung, sondern die Folge dieser Rechnung.
Was die Bequemlichkeit wert ist
Der Privatverkauf bringt meist mehr, aber er verlangt etwas: Inserat und Fotos, Anfragen beantworten, Termine mit Fremden, Probefahrten, das Risiko einer Zahlungsmasche und bei einem Mangel womöglich eine Diskussion nach dem Verkauf. Dazu kommt die Zeit zwischen Verkauf und Übernahme des neuen Fahrzeugs, in der man ohne Auto dasteht oder zwei versichern muss.
Bei der Inzahlungnahme fällt das alles weg: ein Termin, eine Unterschrift, das alte Auto bleibt da, das neue fährt mit. Rechne ehrlich, wie viel dir das wert ist. Für manche ist es der grösste Teil des Unterschieds, für andere fast nichts — und wer privat verkaufen will, kann auf Carvexia kostenlos inserieren.
Die Zahl, die zählt: der Differenzbetrag
Vergleiche Angebote verschiedener Händler nicht nach dem Ankaufspreis, sondern nach dem Betrag, den du am Ende zuzahlst: Kaufpreis des neuen Fahrzeugs minus Ankaufspreis des alten. Ein Händler, der für dein Auto wenig bietet und beim eigenen Preis viel nachgibt, kann günstiger sein als einer mit einem glänzenden Ankaufsangebot.
Für die Einordnung deines alten Fahrzeugs brauchst du einen eigenen Bezugspunkt. Sieh dir an, zu welchen Preisen vergleichbare Fahrzeuge gerade angeboten werden — gleiches Modell, ähnliche Laufleistung, ähnliches Baujahr — und zieh davon ab, was ein Händler vor dem Weiterverkauf investieren müsste. Das Ergebnis ist die Spanne, in der ein fairer Ankaufspreis liegt.
Mehrere Angebote einholen
Ein einzelner Ankaufspreis ist keine Marktinformation, sondern ein Angebot. Hol zwei oder drei ein, und zwar bei Händlern, die dein Fahrzeug in ihrem Bestand brauchen können — ein Händler, der die Marke führt, zahlt für einen gepflegten Wagen dieser Marke oft mehr als einer, der ihn weiterreichen muss.
Ein Preis, der ohne Besichtigung genannt wird, steht immer unter dem Vorbehalt der Besichtigung. Rechne damit, dass er sich danach bewegt, und vergleiche Angebote erst, wenn sie auf demselben Stand beruhen: gleicher Kilometerstand, gleiche Angaben zu Mängeln, Fahrzeug gesehen.
Vorbereiten wie für einen Privatverkauf
Der Händler bewertet, was er sieht und was er belegt bekommt. Ein gewaschenes Auto mit vollständigen Unterlagen, allen Schlüsseln und einem lückenlosen Serviceheft wird anders eingeschätzt als eines, bei dem jede Frage mit «müsste ich nachsehen» beantwortet wird. Kleine Mängel, die sich günstig beheben lassen, lohnen sich oft vorher; grosse selten.
Und sag, was du weisst. Auch ein Händler verlässt sich auf deine Angaben zu Unfällen, Mängeln und Laufleistung, und im Vertrag stehen sie als deine Zusicherungen. Ein verschwiegener Schaden, der bei der Aufbereitung auftaucht, kostet dich mehr als ein offen genannter bei der Bewertung.
Der Übergabezeitpunkt
Zwischen Vertrag und Übergabe liegen oft Wochen, vor allem wenn das neue Fahrzeug erst geliefert wird. In dieser Zeit fährst du das alte weiter. Halte im Vertrag fest, mit welchem Kilometerstand und in welchem Zustand du es übergibst und was gilt, wenn bis dahin etwas passiert — sonst wird bei der Übergabe neu bewertet.
Kläre ausserdem, was passiert, wenn sich die Lieferung des neuen Fahrzeugs verzögert: Gilt der Ankaufspreis weiter, oder läuft er ab? Ein Ankaufspreis mit Datum ist üblich, und das Datum sollte zur Lieferzeit passen.
Wenn auf dem alten Auto noch ein Kredit liegt
Ist das alte Fahrzeug noch finanziert oder geleast, gehört es dir womöglich nicht allein. Ein Händler kann eine Restschuld direkt mit der Bank ablösen und den Rest verrechnen; dafür braucht er eine schriftliche Ablösebestätigung der Bank mit dem genauen Betrag. Bei einem Leasingvertrag entscheidet die Leasinggesellschaft, ob und zu welchem Preis das Fahrzeug abgelöst werden kann.
Die Reihenfolge und die Stolpersteine beschreibt der Beitrag über den Kauf eines finanzierten Fahrzeugs — aus der anderen Richtung, aber mit denselben Papieren.
Wann der Privatverkauf mehr bringt — und wann nicht
Am Ende steht eine einfache Rechnung: der Mehrerlös des Privatverkaufs gegen den Aufwand und das Risiko, die er mit sich bringt. Beides lässt sich schätzen, und die Schätzung fällt je nach Fahrzeug und Lebenslage sehr verschieden aus.
Ob sich der Privatverkauf lohnt, hängt weniger am Auto als an deiner Lage. Eine grobe Orientierung, die sich in der Praxis bewährt:
- Gefragtes Modell, gepflegt, gut belegt: Privatverkauf. Hier ist der Abstand zum Händlerpreis am grössten, und die Käufer sind da.
- Älteres Fahrzeug mit bekannten Mängeln oder anstehenden Arbeiten: Inzahlungnahme oder Verkauf an einen Händler. Private Käufer rechnen Mängel meist höher, als sie kosten.
- Enger Zeitplan, kein zweiter Stellplatz, keine Lust auf Termine mit Fremden: Inzahlungnahme.
- Kein neues Auto beim selben Händler: Der reine Ankauf durch einen Händler ist ein dritter Weg; vergleiche mehrere Angebote.