Alltag
Steinschlag und Kratzer: reparieren, bevor es teuer wird
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Ein Steinschlag und ein Kratzer sind die billigsten Schäden, die ein Auto haben kann — solange sie klein bleiben. Beide wachsen, und der Winter beschleunigt es: Frost lässt die Scheibe reissen, Salz unterwandert den Lack.
Kleine Schäden, die wachsen
Eine Frontscheibe ist aus Verbundglas: zwei Glasschichten mit einer Kunststofffolie dazwischen. Ein Steinschlag trifft die äussere Schicht und hinterlässt einen kleinen Krater mit feinen Sprüngen darum. Solange er so bleibt, ist er ein Schönheitsfehler. Aber die Scheibe arbeitet: Die Karosserie verwindet sich bei jeder Bodenwelle, die Sonne heizt die Scheibe auf, die Heizung wärmt sie am kalten Morgen von innen. Jede dieser Spannungen kann aus dem Krater einen Riss machen, und ein Riss wird nicht mehr repariert.
Beim Lack ist es ein anderer Mechanismus mit demselben Ergebnis. Lack schützt das Blech, und wo er fehlt, beginnt bei Stahl der Rost. Er bleibt nicht an der Stelle des Abplatzers, sondern kriecht unter den intakten Lack, hebt ihn an und macht aus einem Punkt einen Fleck. Salz und Feuchtigkeit beschleunigen das. Ein Kratzer, der nur den Klarlack erfasst, ist dagegen ein optisches Problem; einer, der bis aufs Blech reicht, ist ein Abplatzer in Linienform.
Deshalb ist der Herbst der richtige Zeitpunkt für beides: Die Scheibe hat den Frost noch vor sich, der Lack das Salz, und für Harz und Lack ist es noch warm und trocken genug.
Steinschlag in der Scheibe: reparieren oder tauschen
Bei einer Reparatur wird der Krater gereinigt, unter Vakuum mit einem klaren Harz gefüllt und das Harz mit UV-Licht ausgehärtet. Das stoppt das Wachsen und stellt die Festigkeit weitgehend wieder her. Unsichtbar wird der Schaden nicht; ein kleiner Punkt bleibt meistens zu sehen. Die Arbeit dauert kurz, und die Scheibe bleibt drin.
Ob repariert werden kann, hängt von drei Dingen ab. Die Grösse: Branche und Hersteller setzen eine Grenze, ab der eine Reparatur nicht mehr hält. Die Lage: Im Sichtfeld direkt vor dem Fahrer bleibt nach einer Reparatur eine Verzerrung, deshalb wird dort in der Regel getauscht, und nahe am Rand steht die Scheibe unter mehr Spannung und reisst leichter. Und das Alter: Ein Steinschlag, in den über Wochen Schmutz und Wasser gelaufen sind, lässt sich schlechter füllen. Bis zum Termin hält ein durchsichtiger Klebestreifen die Stelle sauber und trocken.
Bei neueren Fahrzeugen kommt der Bereich hinter dem Innenspiegel dazu. Dort sitzt die Kamera für Spurhalte- und Notbremsassistenten, und ein Schaden in ihrem Blickfeld wird in der Regel nicht repariert, weil jede Verzerrung ihre Messung stört. Nach einem Tausch muss die Kamera kalibriert werden. Beim Termin fragst du ausdrücklich danach und nach der Scheibenvariante: akustisch gedämmt, beheizt, mit Head-up-Display — eine Scheibe, die nur ähnlich aussieht, passt nicht zwingend.
Ob ein Schaden im Sichtfeld bei der periodischen Prüfung beanstandet wird und ob du damit fahren darfst, regelt jedes Land; im Zweifel gibt die Prüfstelle Auskunft.
Die Frage der Versicherung
Glasschäden sind in vielen Ländern Teil der Teilkasko oder einer eigenen Glasdeckung, aber nicht in jeder Police und nicht immer für alle Scheiben. Bevor du einen Termin machst, lohnt ein Blick in die eigenen Bedingungen: ob Glas überhaupt versichert ist, ob nur die Frontscheibe oder auch Seiten-, Heckscheibe und Glasdach, wie hoch der Selbstbehalt ist und ob der Versicherer eine bestimmte Werkstatt vorschreibt.
Viele Versicherer behandeln Reparatur und Tausch unterschiedlich, weil die Reparatur für sie viel günstiger ist — bei manchen entfällt der Selbstbehalt für eine Reparatur ganz. Das ist ein Grund mehr, früh zu handeln: Wer wartet, bis der Riss da ist, bezahlt den Selbstbehalt für den Tausch. Ob ein Glasschaden deinen Schadenfreiheitsrabatt berührt, hängt von der Deckung ab; frag nach, statt es anzunehmen.
Zwei Vorsichtsregeln. Wirst du an der Tankstelle oder auf dem Parkplatz auf einen kostenlosen Scheibentausch angesprochen, unterschreibst du nichts, bevor du mit deinem Versicherer gesprochen hast — schon gar keine Abtretung deiner Ansprüche an den Betrieb. Und einen Verursacher für einen Steinschlag zu belangen, gelingt fast nie: Wer den Stein aufgewirbelt hat, lässt sich selten feststellen. Kratzer und Lackschäden fallen je nach Ursache unter ganz verschiedene Deckungen, ein Parkschaden anders als eine mutwillige Beschädigung; was gilt, steht in der Police.
Lackabplatzer vor dem Winter schliessen
Steinschläge im Lack sammeln sich an der Vorderkante der Motorhaube, an der Frontschürze, an den Aussenspiegeln, an den Schwellern hinter den Vorderrädern und an den hinteren Radläufen. Wäschst du das Auto im Herbst einmal gründlich und suchst es bei gutem Licht ab, findest du fast alle. Bei Kunststoffteilen wie der Stossstange ist ein Abplatzer ein optisches Problem; bei Blech zählt, ob darunter schon das Metall zu sehen ist.
Wo das Blech frei liegt, wird geschlossen, und zwar in der richtigen Reihenfolge. Die Stelle wird gereinigt und entfettet; beginnender Rost wird mit einem Glasfaserstift oder einem feinen Werkzeug entfernt, bis blankes Metall zu sehen ist. Dann folgt eine dünne Grundierung, darauf der Lackstift im Farbton des Fahrzeugs — der Farbcode steht je nach Marke im Türrahmen, unter der Haube oder im Kofferraum — und bei den meisten Lacken zuletzt Klarlack. Lieber mehrere dünne Tupfer mit Trocknungszeit dazwischen als ein dicker Tropfen.
Das Ergebnis ist aus der Nähe sichtbar und aus zwei Metern nicht, und darum geht es auch nicht: Es geht darum, dass kein Wasser und kein Salz an das Blech kommen. Lackstifte brauchen Wärme und trockene Luft, um auszuhärten; deshalb gehört diese Arbeit in den Herbst und nicht in den Januar. Bei Aluminiumteilen gilt dasselbe, auch wenn dort weisse statt brauner Korrosion entsteht. Wer viele Abplatzer an der Haube hat, kann sie nach dem Ausbessern mit einer transparenten Schutzfolie vor den nächsten schützen.
Kratzer: polieren, tupfen, lackieren
Lack besteht aus Schichten: Unter dem Klarlack liegt der Basislack mit der Farbe, darunter Füller und Grundierung, dann das Blech oder der Kunststoff. Wie tief ein Kratzer reicht, entscheidet über die Reparatur, und ein einfacher Test gibt einen ersten Hinweis: Fährst du mit dem Fingernagel quer darüber und bleibt er nicht hängen, sitzt der Kratzer meist nur im Klarlack.
Solche Kratzer lassen sich auspolieren. Polieren trägt dabei eine dünne Schicht Klarlack ab, bis der Kratzer verschwindet — das geht nicht beliebig oft, und mit der Maschine gehört es in geübte Hände, weil man an Kanten schnell durch ist. Bleibt der Nagel hängen, reicht Polieren nicht. Bei einem schmalen Kratzer hilft das Ausbessern mit dem Lackstift wie bei einem Abplatzer; das Ergebnis schützt, bleibt aber sichtbar.
Dazwischen liegt die Smart-Repair: Ein Betrieb bessert eine kleine Stelle aus, ohne das ganze Teil zu lackieren, und blendet den neuen Lack in die Umgebung aus. Das eignet sich für einzelne Kratzer, Schrammen an der Stossstange oder Kratzer an Felgen; Dellen ohne Lackschaden lassen sich oft ganz ohne Lack ausdrücken. Grenzen hat das Verfahren bei grossen Flächen, an Kanten und bei Effektlacken mit Metallic- oder Perleffekt, deren Farbton sich auf kleiner Fläche schwer treffen lässt. Dann ist die Lackierung des ganzen Teils die ehrlichere Lösung.
Vor dem Verkauf: was sich lohnt
Vor einem Verkauf stellt sich die Frage anders: nicht, was dem Auto hilft, sondern was ein Käufer sieht und wie er es liest. Ein reparierter Steinschlag in der Scheibe lohnt sich fast immer. Er ist günstig, oft über die Versicherung gedeckt, und ein Käufer, der einen Riss oder einen Krater im Sichtfeld entdeckt, rechnet eine neue Scheibe samt Kalibrierung vom Preis ab — und fragt sich, was sonst noch liegen geblieben ist.
Ausgebesserte Lackabplatzer und auspolierte Kratzer lohnen sich ebenfalls, weil sie Pflege zeigen. Bei der Neulackierung ganzer Teile kurz vor dem Verkauf ist es umgekehrt: Sie kostet viel, und ein Käufer mit einem Schichtdickenmessgerät findet sie in Sekunden und fragt nach einem Unfall. Wer lackieren lässt, hebt die Rechnung auf und legt sie vor; das macht aus einem Verdacht eine Auskunft.
Was du nicht reparierst, nennst du. Gute Fotos bei Tageslicht zeigen Steinschläge und Kratzer so, wie sie sind, und im Inserat steht, wo sie sind. Auf Carvexia gibt es dafür in der Selbstauskunft die Frage nach bekannten Mängeln; die Antwort erscheint auf der Fahrzeugseite als Angabe des Verkäufers, nicht geprüft. Ein Käufer, der einen angekündigten Kratzer findet, verhandelt über den Kratzer. Einer, der ihn selbst entdeckt, verhandelt über alles.