Technik
Vernetztes Auto: das Konto des Vorbesitzers trennen
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Ein Auto kann verkauft sein und trotzdem noch jemandem gehorchen, der nicht mehr drinsitzt. Über die App des Herstellers lässt es sich orten, öffnen oder vorheizen, und im Bildschirm stehen Kontakte, Ziele und die Heimadresse des Vorbesitzers. In kaum einer Übergabe-Checkliste steht danach eine Zeile.
Wer ausser dir noch mit dem Auto verbunden ist
Bei vielen neueren Fahrzeugen ist das Auto selbst ein Gerät mit eigener Mobilfunkverbindung. Es meldet sich beim Hersteller, und über dessen App oder Kundenportal greift ein Konto darauf zu: Standort anzeigen, ver- und entriegeln, Klimatisierung starten, Fahrdaten oder Ladezustand abrufen. Dieses Konto hängt nicht am Schlüssel, sondern an einer Person, und es endet nicht zwingend mit dem Verkauf.
Dazu kommen Verbindungen, die nicht vom Hersteller stammen: Telefone, die per Bluetooth gekoppelt sind; digitale Schlüssel im Telefon; Ladekarten und Ladeverträge beim Elektroauto; ein Mautgerät hinter der Windschutzscheibe; ein Stecker im Diagnoseanschluss, den eine Versicherung oder ein Flottenbetreiber eingesetzt hat; manchmal ein kleiner Bluetooth-Tracker, den der Besitzer gegen Diebstahl im Auto versteckt hat.
Für den Käufer ist das eine Frage der Sicherheit: Wer das Auto orten kann, weiss, wo es nachts steht, und wer es entriegeln kann, kommt hinein. Für den Verkäufer ist es eine Frage des Datenschutzes und des Geldes: Im Auto liegen seine Daten, und über sein Konto laufen womöglich Abos und Rechnungen weiter. Beide haben also ein Interesse daran, dass die Verbindungen spätestens bei der Übergabe getrennt werden.
Was im Fahrzeug an Personendaten liegt
Das Infotainmentsystem eines vernetzten Autos speichert mehr, als man beim Einsteigen denkt. Nichts davon ist für sich geheim, aber zusammengenommen ergibt es ein ziemlich genaues Bild eines Menschen.
Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen und ist der heikelste. Ein eingebauter Garagentoröffner mit gespeichertem Code und eine Heimadresse im Navigationssystem sind zusammen der Schlüssel zu deinem Haus. Solche Codes werden oft nicht über das Menü des Bildschirms gelöscht, sondern über eine Tastenkombination an den Knöpfen selbst; wie genau, steht in der Betriebsanleitung.
Für den Käufer gilt umgekehrt: Was er von diesen Daten findet, gehört nicht ihm. Wer beim ersten Einsteigen fremde Kontakte oder Ziele sieht, löscht sie oder sagt dem Verkäufer Bescheid, und nutzt sie nicht.
- Telefonbuch und Anruflisten, die beim Koppeln übertragen wurden, bei manchen Systemen auch Nachrichten.
- Navigationsziele: Heimadresse, Arbeitsplatz, die zuletzt angefahrenen Orte.
- Fahrerprofile mit Namen und Sitzeinstellungen, manchmal mit Foto.
- Angemeldete Konten für Musik, Sprachassistenten oder App-Stores im Fahrzeug, dazu gespeicherte WLAN-Netze samt Passwörtern.
- Codes eines eingebauten Garagentoröffners.
Vor dem Verkauf: Konten, Telefone, Adressen entfernen
Die Reihenfolge zählt, weil zwei Dinge getrennt sind, die zusammenzugehören scheinen: die Daten im Fahrzeug und die Verbindung im Konto. Das Zurücksetzen des Bildschirms auf Werkseinstellungen löscht Daten im Auto, entfernt das Auto in vielen Systemen aber nicht aus deinem Konto beim Hersteller. Das Entfernen in der App trennt das Konto, lässt aber die Kontakte im Auto stehen. Es braucht beides.
Am Schluss ein Kontrollblick: Zündung an, Menüs durchgehen, Telefonliste, Ziele, Profile. Was noch da ist, hat der Reset nicht erfasst. Und schreib ins Übergabeprotokoll einen Satz dazu, dass Konto und Daten entfernt sind. Für den Käufer ist das eine Auskunft, für dich ein Beleg.
- In der App oder im Kundenportal des Herstellers das Fahrzeug aus deinem Konto entfernen und bezahlte Dienste kündigen. Weitere Nutzer, denen du Zugriff gegeben hast, etwa Familie oder Firma, ebenfalls entfernen.
- Im Fahrzeug die gekoppelten Telefone löschen und umgekehrt das Auto aus dem Bluetooth-Menü deines Telefons und aus den Einstellungen der Telefonspiegelung.
- Fahrerprofile, gespeicherte Ziele, Heim- und Arbeitsadresse löschen, danach das System auf Werkseinstellungen zurücksetzen, soweit das Fahrzeug das anbietet. Die Codes des Garagentoröffners löschen.
- Mautgerät, Ladekarte, Tankkarte und Anwohnerparkkarte aus dem Auto nehmen; in Park- und Maut-Apps das Kennzeichen entfernen.
- Einen Stecker im Diagnoseanschluss, der zu einem Versicherungs- oder Flottenvertrag gehört, abziehen und den Vertrag anpassen.
Digitale Schlüssel und freigeschaltete Funktionen
Ein digitaler Schlüssel ist ein Schlüssel wie jeder andere, nur dass man ihn nicht auf den Tisch legen kann. Je nach System steckt er in der App des Herstellers, in der digitalen Brieftasche des Telefons oder auf einer Schlüsselkarte, und oft hat der Besitzer weitere Schlüssel an Familienmitglieder verteilt. Beim Verkauf gehören alle widerrufen, nicht nur der eigene. Eine Schlüsselkarte gehört wie ein Metallschlüssel zum Auto und wird im Vertrag mitgezählt.
Schwieriger sind Funktionen, die per Software freigeschaltet wurden: eine Sitzheizung, ein Assistenzsystem, eine Navigationsfunktion, bei manchen Elektroautos mehr Leistung. Ob sie beim Fahrzeug bleiben oder an einem Konto hängen, ob sie gekauft oder nur abonniert sind, regelt jeder Hersteller anders. Ein gekauftes Paket kann an das Fahrzeug gebunden sein, ein Abo endet oft mit dem Konto, auf das es läuft.
Für das Inserat heisst das: Schreib nur hinein, was ohne dein Konto funktioniert, oder schreib dazu, dass eine Funktion ein Abo braucht. Im Zweifel fragst du beim Hersteller nach, was beim Halterwechsel geschieht. Viele vernetzte Dienste laufen ab der ersten Zulassung eine Zeit lang ohne Zusatzkosten und danach nur im Abo; auch das will ein Käufer vor dem Kauf wissen.
Als Käufer: das Auto auf dich übertragen
Frag bei der Übergabe ausdrücklich: Ist das Auto aus deinem Konto beim Hersteller entfernt? Sind alle digitalen Schlüssel widerrufen, auch die geteilten? Steckt noch ein Mautgerät, eine Ladekarte oder ein Stecker im Diagnoseanschluss? Die Antworten gehören ins Übergabeprotokoll, zusammen mit der Zahl der Schlüssel und Schlüsselkarten.
Danach registrierst du dich selbst beim Hersteller. Bei vielen Systemen gibt es einen Hauptnutzer, der weitere Zugriffe vergibt, und die Anmeldung als Hauptnutzer verlangt einen Nachweis: einen Code, der im Fahrzeug angezeigt wird, die Anwesenheit mit dem Schlüssel, die Zulassungspapiere oder einen Besuch in der Markenwerkstatt. Ist niemand mehr eingetragen, geht das meist schnell; steht der Vorbesitzer noch drin, wird es aufwendiger.
In den ersten Tagen lohnen sich zwei Kontrollen. Erstens die Menüs: Stehen noch fremde Telefone, Profile oder Ziele darin, setzt du das System selbst zurück. Zweitens die Frage nach Trackern. Viele Telefone warnen inzwischen, wenn sich ein fremder Bluetooth-Tracker mit dir bewegt. Kommt eine solche Meldung, sieh Handschuhfach, Kofferraum und Sitztaschen durch. Meist steckt kein böser Wille dahinter, sondern etwas Vergessenes, aber es gehört nicht ins Auto.
Wenn der Vorbesitzer nicht mehr erreichbar ist
Manchmal fällt erst Wochen später auf, dass das Auto noch im Konto eines anderen steckt: Die App lässt sich nicht einrichten, weil das Fahrzeug schon verknüpft ist, oder im Menü taucht ein unbekannter Hauptnutzer auf. Die erste Adresse ist dann der Verkäufer. Ein kurzer Hinweis genügt meist, und er entfernt das Fahrzeug in wenigen Minuten.
Ist er nicht erreichbar, führt der Weg über den Hersteller. In der Regel gibt es dafür einen Ablauf über den Kundendienst oder die Markenwerkstatt: Du weist nach, dass das Fahrzeug jetzt dir gehört, mit den Zulassungspapieren auf deinen Namen und dem Kaufvertrag, und der alte Zugang wird getrennt. Welche Papiere verlangt werden und wie lange es dauert, sagt dir der Kundendienst des Herstellers.
Bis dahin schränkst du den Zugriff ein, soweit das Fahrzeug es erlaubt. Viele Systeme haben im Menü einen Datenschutz- oder Offline-Modus, der die Übertragung von Standort und Fahrdaten abschaltet; wie er heisst und was er genau abschaltet, steht in der Betriebsanleitung. Eine Markenwerkstatt in der Nähe findest du im Werkstattverzeichnis: Betriebe können dort angeben, welche Marken sie betreuen. Ob und wann sie antworten, entscheiden sie selbst.